Wie der Staat Bauherren und Immo-Käufer steuerlich verarscht.

Dieter @, Samstag, 25.05.2024, 09:35 vor 19 Tagen 3889 Views

Wie die Steuergesetzgebung den Steuerbürger verarscht bei Wirtschaftsgütern mit langer Nutzungsdauer und linearer AfA:

Hallo,

Die Kosten für Nutzungsgüter mit langer Nutzungsdauer können bekanntlich nicht sofort zum Zeitpunkt der Ausgaben den steuerlichen Gewinn oder Überschuß reduzieren, sondern nur anteilig auf die Nutzungsdauer bezogen, was man dann Abschreibung nennt.
Nun besteht hierbei ein Aspekt, der für den Staatshaushalt ausgesprochen günstig ist, bzw. für den Investor ungünstig, nämlich die lineare Abschreibung (AfA).

Beispiel: Kauf eines Mietshauses in 1990. jährliche AfA = 2%, also 50 Jahre, die man benötigt, um die Kosten steuerlich geltend zu machen. Allerdings betrachten unsere Volkswirtschaften eine kontinuierliche Inflationsrate von 2% als optimal. Sodaß ein Abschreibung vom ursprünglichen Kauf- oder Herstellungspreis nach etlichen Jahren real nur noch ein Bruchteil der 2% entspricht.

Grundsätzlich ergibt sich daraus, daß man bei langfristigen Wirtschaftsgütern aufgrund der Steuersystematik niemals real die Gesamtkosten steuerlich geltend machen kann, sondern bei Häusern bspw. max. 50%, je nach Inflationsentwicklung kann das auch wesentlich weniger sein.

Somit sind hohe Neubauraten z.B. bei Immobilien für die Staatsfinanzen äußerst attraktiv. Kurzfristig, da über 50% der Gesamtbaukosten direkt oder indirekt in die Staatskasse fließen und langfristig, indem der Bauherr oder Käufer nur einen geringen Teil seiner Baukosten real steuerlich geltend machen kann.

Gruß Dieter

PS: Derzeit sind 2,5% linear bei Gebäuden möglich, was aber am grundsätzlichen Problem nichts ändert.
Korrekt wäre, wenn die abzusetzende AfA jährlich um die entspr. Inflationsrate erhöht würde, nur so wäre es korrekt.

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Es wird Zeit, daß die NATO, eine aggressive Partei, verlieren lernt.

was ist mit der Abgeltungssteuer?

JJB @, Dresden, Samstag, 25.05.2024, 11:34 vor 19 Tagen @ Dieter 2138 Views

das ist doch der größere Skandal.
Früher gab es eine Haltefrist, nach der die Kursgewinne (welche auch teilweise nur die Aufblähung der geldmenge widerspiegeln) steuerfrei waren. Daneben gab es die Spekulationssteuer.
Das ist Geschichte.

Du legst Deinen kindern heute zB 100.000 in Aktion/Fonds an.
20 Jahre später ist das Depot 500.000 € wert, das Brötchen kostet aber auch 5 € und nicht mehr 1 €, wie heute.
Deine Kinder haben also gerade mal den Kaufkraftverlust ausgeglichen, müssen aber auf 400.000 € Abgeltungssteuer zahlen.

Oder nimm den Spitzensteuersatz. vor 40 Jahren zahlte ein Spitzenverdiener den Spitzensteuersatz, diese Schwelle wurde (bis vor ein paar Jahren) niemals an die Inflation angepasst, so daß heute jeder Durchschnittsverdiener nahe am Spitzensteuerwsatz liegt. Das ist auch der Grund, warum heute die Frau idR mitarbeiten MUSS.

Darüber verliert aber niemand ein Wort.

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"das ist die Seuche unserer Zeit: Verrückte führen Blinde!" (Shakespeare, King Lear)

Steuern sind nun mal definitionsgemäß Raub

Dieter @, Samstag, 25.05.2024, 13:00 vor 19 Tagen @ JJB 1976 Views

Hallo,
und Selbstverteidigung ist moralisch absolut gerechtfertigt, nur aufgrund der angedrohten Gewaltanwendung des Räubers nicht immer klug.

Wie dumm die Menschen im allgemeinen sind, erkennt man u.a. daran, daß die Mehrheit auch heute noch für höhere Steuern ist, sie wollen dem Räuber freiwillig noch mehr geben, vermutlich in der Hoffnung, daß er noch mehr zurückgibt (Umverteilung). Aber das ist ein Trugschluß.

Gruß Dieter

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Weiß nicht, ob das stimmt, aber

D-Marker @, Samstag, 25.05.2024, 14:01 vor 19 Tagen @ Dieter 2252 Views

bearbeitet von D-Marker, Samstag, 25.05.2024, 14:08

mir hat mal jemand erzählt, Steuern wären Abgaben für Denkfaule.

Der eine Kauft sich für eine halbe Millionen ein Luxusboot, steuerlich passiert nicht viel, und er genießt sein Leben.
Der Andere meldet ein Gewerbe für Bootsverleih an.
Die halbe Millionen sind seine ersten Betriebsausgaben. (Wartung, Treib -und Schmierstoffe, Mannschaft, Anlegegebühren... dann sowieso.)
Und ob in 7 Jahren, wenn das Finanzamt wegen Hobbyverdacht prüft, die BRD als Solche noch existiert…
(Falls doch, ein Anderer hat mir erzählt, wer nicht spätestens nach dem 3. Konkurs Millionär ist, macht was falsch.)


LG
D-Marker (ungeimpft)

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https://www.youtube.com/watch?v=LqB2b223mOM

(, ein Anderer hat mir erzählt, wer nicht spätestens nach dem 3. Konkurs Millionär ist, macht was falsch.)

Dieter @, Samstag, 25.05.2024, 17:01 vor 18 Tagen @ D-Marker 2043 Views

Hallo,

wer nach dem 3.Konkurs noch Geld hat, ist ein gewissenloses Arschloch zu Lasten der Allgemeinheit, sonst nichts !!! Von diesen Leuten gibt es viele im System der Kapitalgesellschaften, auch welche die hofiert werden und als Promi gelten und nach wie vor in Saus und Braus leben. Verachtung wäre angebracht.

Wer unternehmerisch tätig ist, hat auch die Risiken zu tragen.

Ansonsten gebe ich Dir Recht in dem Punkt, daß Steuerumgehung ein guter Sport ist.

Gruß Dieter

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Wobei wir wieder bei Denkfaulheit sind

D-Marker @, Sonntag, 26.05.2024, 14:37 vor 18 Tagen @ Dieter 900 Views

Kleines Praktikum:

Hat Jemand Jemanden in der Verwandtschaft, der in einem niedrigeren / höheren Steuersatz (Einkommensteuer) liegt?

Ein Beratervertrag (machen die Großen auch so) hilft.

Einer hat mehr Einnahmen, der Andere mehr Ausgaben.

Rechnet sich meist auf Grund der Steuerprogression.

LG
D-Marker (ungeimpft)

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https://www.youtube.com/watch?v=LqB2b223mOM

Betrügerische GmbHs sollen seit Jahren existieren. DAS ist aber nicht die Mittelschicht. Die ist solide und kalkuliert solide und genau denen geht es an den Kragen, wenn sie nicht SEHR aufpaßt.

Olivia @, Montag, 27.05.2024, 15:13 vor 16 Tagen @ D-Marker 668 Views

bearbeitet von Olivia, Montag, 27.05.2024, 15:46

Die Abschreibungen, wenn man sie nur den Steuerberatern/Wirtschaftsprüfern überläßt, sind katastrophal. Vor allen Dingen deshalb, weil sie nicht den aktuellen Wert der Gegenstände in der Bilanz darstellen. Es hilft nichts anderes, als die Abschreibungslisten regelmäßig zu kontrollieren und ggf. Sonderabschreibungen oder Verkäufe zu einzuplanen, damit die Bilanz entsprechend bereinigt wird.

Die gesetzlich vorgeschriebene Abschreibung hilft natürlich "quasi bankrotten Firmen" weiter zu existieren, indem Werte aktiviert werden, die überhaupt nicht mehr vorhanden sind. Bei solventen Firmen ist es so, dass es die Steuerlast erhöht, wenn die Abschreibungslisten nicht regelmäßig überprüft und ggf. korrigiert werden.

Wie gesagt Steuerberater/Wirtschaftsprüfer haben keine Ahnung, was das Zeug noch Wert ist, die gehen nur nach ihren Tabellen.

Ich bekam gerade den Anruf einer Aufzugsfirma (Marktführer)...... sie hätten mir ein Angebot geschickt... wie weit es denn sei (ist schon 2 Jahre her). Die pfeifen vmtl. inzwischen auch aus dem letzten Loch, sonst würden sie einem so kleinen Projekt nicht nachtelefonieren.... Antwort: Nix geht mehr, wir können nicht bauen, wenn die Regierung nicht baldmöglichst in die Wüste gekickt wird. In München liegt alles lahm, niemand baut mehr, nur kleine Einfamilienhäuser gehen noch und Projekte werden fertig gestellt. Aber die "Neuen" aus der Ferne, die tauchen seit kurzem auch in unserem Stadteil auf. Keine Ahnung, wo die untergebracht werden.... eigentlich ist fast alles in Privatbesitz.

Um Abschreibungen muss sich hier niemand mehr Sorgen machen. Es wird einfach nicht mehr investiert.

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AfA aufpeppen

Echo @, Sonntag, 26.05.2024, 08:10 vor 18 Tagen @ Dieter 1494 Views

bearbeitet von Echo, Sonntag, 26.05.2024, 08:19

Es gibt Möglichkeiten, die AfA nach oben zu treiben: z.B. Veräußerung innerhalb der Familie. Für diesen Vorgang wird meist keine Grunderwerbsteuer fällig aber der neue Wertansatz zähltv dann bei der AfA-Berechnung.

Oder etwa Denkmalimmobilien, die haben andere AfA Zeiträume. Der Grund, warum AfA überhaupt interessant ist, ist die Gegenrechnung mit Einkommen (etwa aus Angestelltenverhältnis). Die müssen aber auch in entsprechender Höhe vorhanden sein, damit das ganze Sinn ergibt.

Eine weitere Möglichkeit der Umgehung von AfA Vorschriften ist bekanntermaßen das Leasing. Das geht auch bei Gebäuden.

Die AfA ist nur eine Seite der Medaille. Zum einen wird die Immobilie in der Regel nach 50j. nicht wertlos (Grundstück ist ja bei der AfA außen vor weil keine Abnutzung), sondern die Inflation steigert typischerweise auch den Gebäudewert, welcher im Privatvermögen sogar steuerfrei vereinnahmt werden kann nach Wartezeit. Etwaige Renovierungen sind auch wieder absetzbar (je nach Umfang sofort oder über Abschreibungszeitraum). Noch dazu kommen die Mieteinnahmen, die wiederum versteuert werden (Ausnahme z.B. bei der Rechtsform Familien-e.V. aber im Gegenzug ist die Veräußerung nicht steuerfrei).

Problematischer sehe ich die Mehrwertsteuer. Bei Babynahrung und Hausbau ist sie auf 19%. Muss das sein?

Kleine Info zur Mehrwertsteuer

Rainer ⌂ @, El Verger - Spanien, Sonntag, 26.05.2024, 09:28 vor 18 Tagen @ Echo 1530 Views

Problematischer sehe ich die Mehrwertsteuer. Bei Babynahrung und Hausbau ist sie auf 19%. Muss das sein?

Deutschland
Tiernahrung – 7 %, Babynahrung – 19 %

Spanien
4%
Arzneimittel und andere pharmazeutische Erzeugnisse
Bücher inklusive kostenloser Beigaben
Zeitschriften
Zeitungen
Nahrungsmittel (Grundnahrungsmittel z.Z. 0%)
Bau und Lieferung neuer Häuser
Reparaturen und Renovierungen von Immobilien

10%
Taxirechnungen, Busfahrscheine und andere Arten der Personenbeförderung
soziale Dienstleistungen
medizinische Leistungen
Hotelrechnungen
Restaurantrechnungen
Güter aus der Landwirtschaft

21%
Alles andere

Rainer

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Sehr interessant. Danke. oT

Olivia @, Montag, 27.05.2024, 15:22 vor 16 Tagen @ Rainer 610 Views

.....

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For entertainment purposes only.

kleine Ergänzung

Dieter @, Sonntag, 26.05.2024, 10:48 vor 18 Tagen @ Echo 1185 Views

Hallo Echo,

Deine Aufzählung ist schon korrekt und möchte sie noch erweitern um eine Möglichkeit (die allerdings nicht jeder nutzen kann).

Man kann auch alle paar Jahre ein Haus durch eigene Hände (und ein paar Aushilfen/Studenten) bauen und die Objekte 10 Jahre vermieten und dann verkaufen.
Baukosten (ohne Grundstück) dann ca. 500-800 E/qm, Verkauf nach 10 Jahren ca. 2.000 E/qm (ohne Grundstück gerechnet) steuerfrei. Man hat zwar weniger abzuschreiben, aber wenn man alle paar Jahre ein Objekt auf diese Weise erstellt braucht man nicht mehr anderweitig arbeiten.

Also Mieteinnahmen (zu versteuern) + steuerfreier Erlös aus Verkauf, der einen Gewinn von ca. 300% beinhaltet. Anfangskapital und passende Eignung in vielerlei Hinsicht ist allerdings notwendig.

Gruß Dieter

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Es wird Zeit, daß die NATO, eine aggressive Partei, verlieren lernt.

Wer wird denn in Deutschland eigentlich nicht steuerlich vom Staat verarscht?

Durran @, Sonntag, 26.05.2024, 10:22 vor 18 Tagen @ Dieter 1358 Views

Der Staat läßt mir monatlich genau 967 Euro steuerfrei im Monat.

Jeder Euro drüber wird versteuert. Egal welche Einnahmen. Auch diese Tatsache läßt der Bürger widerspruchlos über sich ergehen.

Und und nun bemängelt der Staat die fehlende Leistungsbereitschaft seiner Leistungsträger.

Sie besteuern dir jede Überstunde, jeden Liter Benzin, selbst die Minirenten werden noch besteuert.
Trotzdem reicht das Geld vorne und hinten nicht.

Eigentlich ist alles am Boden in diesem Land. Wenn ich im Außendienst Mittags durch die Stadt fahre, die meist südländisch geprägten Menschen mit ihren weißen Badelatschen und dem Caffee to Go flanieren sehe, bezahlt mit meinen Steuern, dann platzt mir gelegentlich schon mal die Hutschnur.

70 Prozent meiner Entlohnung presst mir der Staat durch Abgaben, direkte oder indirekte Steuern ab.
Sind die eigentlich noch ganz dicht?

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