Wie ich das Osterfest sehe

helmut-1 @, Siebenbürgen, Mittwoch, 03.04.2024, 05:48 vor 55 Tagen 2366 Views

So seltsam das auch klingen mag, aber ich habe den Bezug zum Osterfest verloren. Das Osterfest, als das zentrale Bekenntnis zum Christentum, hat für mich keine Bedeutung mehr. Stellt sich die Frage nach dem „Warum“ und was daran schuld sein könnte. Zu einem beträchtlichen Teil ist es die Schuld der Kirchen, und zu einem gewissen Teil ist es auch meine Schuld, weil ich konsequent bin, meine Prinzipien habe und nicht alles und jedes einfach gedankenlos toleriere, nur, weil es zur Gewohnheit geworden ist.

Seit mehr als 20 Jahren lebe ich nun hier in Siebenbürgen, in Rumänien. Die dominante Religion hier ist die Orthodoxie nach der griechischen Richtung, daneben gibt es auch die Katholiken, die sich überwiegend aus der ungarischen Minderheit rekrutieren, sowie aus der verbliebenen deutschen Minderheit im Banat, natürlich auch die Evangelischen, die überwiegend aus der deutschen Minderheit aus Siebenbürgen stammen. Neben den vielen Untergruppen, Reformierten, Baptisten, Adventisten, Pentikostalen, etc. etc.

Nun gehen die Konfessionen in Rumänien von zwei unterschiedlichen Kalenderordnungen aus, - die einen nach dem Gregorianischen, die anderen nach dem Julianischen. Das bewirkt, dass das Osterfest von den Katholischen und Evangelischen zu einem Termin (meist früher) gefeiert wird, und von den Orthodoxen meistens später, dieses Jahr sogar erst am 5.Mai. Nur alle 7 Jahre findet das Osterfest zu einem gemeinsamen Termin statt.

Bei den Orthodoxen nach slawischer Richtung (Russen, Serben, Bulgaren, etc.) ist sogar das Weihnachtsfest zwei Wochen später als bei den anderen Religionen. Alles in allem gesehen, zumindest in meinen Augen, ein Unfug unbeschreiblichen Maßes.

Das Osterfest ist das Manifest des Christentums, es bedeutet den Sieg über den Tod und ist im Gegensatz zum Islam und anderen Weltreligionen nicht nur die Deklaration des Lebens nach dem Tode, sondern auch als ein Weiterleben in den himmlischen Sphären bei gottesfürchtigem Erdendasein, im Gegensatz zur Reinkarnation „im nächsten Gang“ im Buddhismus, wo man wieder mit weltlichen Problemen konfrontiert wird, - je nachdem, wie man im vorherigen Leben gelebt und gewirkt hat.

Sämtliche christlichen Feste sind in meinen Augen symbolischer Natur, und das ist auch gut so. Beginnend mit Weihnachten, was mit Sicherheit nicht im Winter stattgefunden hat, also die Geburt des Herrn, sondern im Rahmen der Volkszählung, die nach historischen Erkenntnissen irgendwann im August stattgefunden hat.

Genauso ist es in meinen Augen schon vom Zeitablauf nicht erklärbar, wie man den Einzug nach Jerusalem am Sonntag, mit den Aktionen Jesus im Tempel mit den Händlern, danach das Abendmahl am angeblichen Gründonnerstag, danach der Ölberg, der Verrat durch Judas und die Festnahme durch die Gemeinschaft der Hohepriester , und alles, was damit zusammenhängt, auflistet.

Wenn man den Absatz bei Wiki: „Vor dem Hohen Rat“ durchliest,

https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_von_Nazaret#Einzug_in_Jerusalem

dann kommen jedem rational denkenden Menschen erhebliche Zweifel, dass das alles am darauffolgenden Tag, am Karfreitag, einschl. Anklage der Hohepriester Kajaphas, Verhör durch Herodes, Verurteilung, Geißelung, Weg nach Golgota und anschließende Kreuzigung, wobei man deklariert, dass Jesus erst nach vielen Stunden des Leidens am Kreuz gestorben ist, um 3 Uhr Nachmittag. Wenn man sich Punkt für Punkt diesen Ablauf verinnerlicht, dann muss jedem klar werden, dass das nicht innerhalb weniger Tage erfolgt sein kann, sondern dafür braucht man wenigstens zwei, wenn nicht sogar drei Wochen.

Das alles stellt für mich die Kreuzigung Jesu nicht in Frage, denn die ist historisch nachgewiesen. In Frage stellt das für mich den deklarierten Zeitablauf der Kirchen hinsichtlich der Feierlichkeiten zum Osterfest. Das alles kann nur symbolischen Charakter haben, insbesondere vom Einzug nach Jerusalem und der Kreuzigung. Das kann nicht in den paar Tagen funktioniert haben, auch das alte römische Recht in den besetzten Gebieten unterlag gewissen Fristen.

Logische Schlussfolgerung: Auch das ist alles nur ein symbolischer Akt, der mit den tatsächlichen Vorgängen, zumindest im zeitmäßigen Ablauf, nichts zu tun hat. Dann kommen wir zur Quintessenz:
Wenn das alles nur ein symbolischer Akt ist, was die christlichen Feste betrifft, beginnend mit Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten, dann frage ich mich, warum man das nicht seit Langem auf gemeinsame Termine festgelegt hat.

Über die Antwort kann ich nur mutmaßen.

Hier spielen Machtinteressen, finanzielle Komponenten und falsche traditionelle Scheuklappen eine Rolle, zum Nachteil der Christen und vor allem der christlichen Idee. Und das, obwohl der Islam bereits kräftig an die Tür Europas klopft.

Ich bin nicht mehr bereit das mitzutragen. In unsere Familie gibt es die verschiedensten christlichen Konfessionen, und wir haben festgestellt, dass wir trotzdem zu ein und demselben Herrgott beten. Wenn also dieses Bekenntnis zum Christentum an Ostern nur mehr symbolischen Wert hat, und keinen anderen, wie ich versucht habe, darzulegen, dann werde ich meinen persönlichen Termin für das Osterfest selbst festlegen.

In diesem Jahr wird es irgendwo zwischen den beiden christlichen Terminen sein, also zwischen Ende März und Anfang Mai. Vielleicht am 14.April, oder auch am 21. April.

Ich bezeichne mich als bekennenden Christen, aber nicht als einen, der sich duckend jedwelchem Blödsinn unterordnet, sondern der mitdenkt und kritisch ist. Vor Jahren schon habe ich genau diese Thesen an die Kirchentüren unserer Stadt angeschlagen, nach Lutherprinzip, an jede Konfession, mit vielen Jugendlichen im Schlepptau. Der Erfolg ist ausgeblieben.

Meine schriftlichen Appelle an die zentralen Führungen der verschiedenen Konfessionen blieben unbeantwortet, und auch der Vorstoß des Patriarchen der Orthodoxie in Klausenburg im letzten Jahr verhallte ungehört, - von den Katholischen und den Evangelischen vernahm ich daraufhin keine Reaktion.

Diese Kirchenpolitik schadet einfach nur dem Volk und der Volkswirtschaft, und zwar in zweierlei Hinsicht:

Zum einen werden hier Arbeitstage geopfert, denn viele halten die Osterfeste, die zu einem früheren Zeitpunkt stattfinden, auch, wenn sie nicht dieser Konfession angehören. Die orthodoxen Gläubigen, insbesondere die einfachen Leute, meinen, man feiert am besten beide Osterfeste, da man ja nicht weiß, welches dieser Osterfeste die wahre Feier zur Auferstehung Christi ist. Die Katholischen und Evangelischen feiern die Orthodoxen Ostern zwangsläufig mit, weil das eben gesetzliche Feiertage in Rumänien sind.

Zum anderen wird der Sinn des Osterfestes total verwässert, und das merkt man, wenn man sich mit den Gläubigen unterhält. Auf die Frage, was man denn am Karfreitag am besten macht, zumal dieser Tag arbeitsfrei ist, bekommt man zur Antwort, dass man in dem Fall, wenn es das Wetter zulässt, den Grill ins Auto packt und mit der Familie ins Grüne fährt.

Ganz abgesehen von dem kalendarischen Umstand, dass am 1. Mai traditionell gut gegessen, gut getrunken und gefeiert wird, und dieser 1. Mai fällt in diesem Jahr genau in die Karwoche, einen Tag vor dem orthodoxen Gründonnerstag.

Oh, da habe ich wohl was verpasst.

Zandow_2, Mittwoch, 03.04.2024, 22:41 vor 55 Tagen @ helmut-1 1036 Views

Hallo helmut-1,


Du schreibst:
"Das alles stellt für mich die Kreuzigung Jesu nicht in Frage, denn die ist historisch nachgewiesen."

"historisch nachgewiesen" ???

Nanu, habe ich hier etwas verpasst?

Bitte präsentiere hier im DGF diesen historischen Nachweis.


Dir dabei viel Spaß wünschend, Zandow

Wenn ich das nicht vorher gecheckt hätte, hätte ich das nicht geschrieben

helmut-1 @, Siebenbürgen, Donnerstag, 04.04.2024, 04:53 vor 54 Tagen @ Zandow_2 922 Views

Warum googelst Du nicht?

https://hopekurse.de/rund-um-die-bibel/bibelfragen/gibt-es-historische-beweise-fuer-die...

Jetzt könnte man sagen, dass es sich bei diesem link um einen religiös ausgerichtten link handelt. Deshalb habe ich jeden einzelnen der darin Genannten auch auf anderen links überprüft, und keine Unstimmigkeit festgestellt.

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