Die aktuellen Initativen der Kirchen zu den Austrittszahlen

helmut-1 @, Siebenbürgen, Sonntag, 25.02.2024, 16:25 vor 53 Tagen 3105 Views

Da hat doch jemand in facebook was reingesetzt, das ich nicht so stehen lassen konnte. Es war gewissermaßen ein Aufruf zum Kirchenbesuch. Löblich, dachte ich mir, aber in vielen Punkten bin ich da anderer Ansicht.

https://ibb.co/xMBXkRY

Ich hab darauf diesen Artikel geschrieben:

Da kann man wirklich verschiedener Ansicht sein. Vermutlich könnte ich da mit ernsthaften Diskussionsteilnehmern mehrere Tage und Nächte darüber diskutieren, und trotzdem würden wir auf keinen gemeinsamen Nenner kommen.

Die Kirchen registrieren, dass ihnen immer mehr Schäfchen weglaufen, und versuchen nun, eine Gegenoffensive zu starten. Aber da weht ihnen der Wind ins Gesicht, und das aus zwei Gründen:

- Die Geistlichen haben sich ihren obersten Gremien unterzuordnen, und diese Doktrin stehen oftmals im Gegensatz zum christlichen Auftrag.

- Die Geistlichen haben eigentlich den Auftrag des Hirten, um die Gläubigen vor Schaden zu bewahren. Diesen Auftrag haben sie in der Vergangenheit oftmals vernachlässigt, und sogar das Gegenteil dabei exerziert. Bestes Beispiel ist Corona. Soll mir doch keiner der Belegschaft in den schwarzen Talaren sagen, er hätte nicht gewusst, was Sache ist. Aber die Weisung der Regierungen als Geldgeber für die Kirchen hatte Vorrang.

Es hat sich etabliert, dass man eine christliche Weltanschauung in seiner persönlichen Art und Weise umsetzen kann und muss, und zwar gerade dann, wenn die Kirchen versagen. Aber genau das ist der Inbegriff des Christentums, das „sich Einsetzen für den Nächsten“. Und genau das ist in unserer Zeit der „Ellbogen“ vielfach verloren gegangen.

Es gibt noch Ausnahmen, aber es sind wenige. Zu wenige. Ich denke da z.B. an einen Arzt in Siebenbürgen, in der Gemeinde Kleinscheuern. Hat da ein Zentrum für Alkoholkranke organisiert und widmet sich diesen Leuten, zusammen mit anderen Mitstreitern. Ich will jetzt keine Namen nennen, um keine Propaganda zu machen, - aber für mich ist das ein Beispiel des „gelebten Christentums“. Der Mann verdient sich dabei keine „goldene Nase“, weil der Aufwand, den dieses Engagement erfordert, in keinem Verhältnis zum finanziellen Gegenwert steht. Aber das ist für mich ein Vorzeigebeispiel, was man unter einer christlichen Weltanschauung versteht. Verstehen sollte.

Genauso hat jeder Unternehmer, jeder Politiker, usw., die Möglichkeit, seine christliche Einstellung unter Beweis zu stellen. Gibt’s das noch, egal in welchem Land, in welchem Zusammenhang? „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Das ist aktuell. Das frühere Wort ist Vergangenheit. Welches Wort? „Die Nächstenliebe ist ein zentrales Gebot der christlichen Ethik. Wer Gottes Liebe erfahren hat, soll "seinen Nächsten lieben wie sich selbst".“ Wer ist der „Nächste“? Einfache Antwort: Nicht nur der Nachbar, sondern das sind alle Einwohner in einem Dorf, einer Gemeinde, oder einer Stadt.

Ich bin bekennender Christ. Aber auch streitbar. Ich versuche, mich für die Interessen meiner Mitbürger zu engagieren, egal, was es auch sein mag. Aktuell streite ich wg. der Übernahme eines traditionellen Betriebes in unserer Stadt durch den Waffenkonzern „Rheinmetall“ in unserer Stadt, weil ich genau weiß, welche Gefahren dadurch für die Sicherheit unserer Stadt entstehen. Die Kirchen interessiert das nicht. Geld regiert die Welt, und alles andere muss sich dahinter einordnen.

Es soll einmal so weit kommen, dass sich die Kirchen für die elementaren Interessen ihrer Schäfchen interessieren, dafür, dass sie über die Runden kommen, dafür, dass die Ungerechtigkeiten des Staates erfolgreich bekämpft oder zumindest angesprochen werden, und noch so vieles andere, was eigentlich der ursprüngliche Auftrag von Jesus Christus war. Weswegen Er auch sein Leben für uns gelassen hat.

Wenn wir einmal hier Erfolge erzielt haben, damit die Kirchenmitglieder wieder eine Chance haben, in menschengerechter Art und Weise zu überleben, dann haben wir Zeit und Muße dafür, uns mit theologisch-philosophischen Themen auseinanderzusetzen, wie z.B. die Bibel zu interpretieren, aber sowohl das Alte als auch das Neue Testament, um die Widersprüche aufzuklären, die in der Diskrepanz zwischen dem Prinzip der Rache („Auge um Auge“) und dem Prinzip der Vergebung („halte auch die andere Backe hin“) ins rechte Licht zu rücken.

Aber dafür ist nach meiner Sichtweise derzeit keine Zeit. In einer Zeit, wo die restlich verbliebenen Trümmerfrauen, die den Schutt aus dem letzten Krieg noch mit ihren Händen weggeräumt haben, ihr Leben damit fristen müssen, um Flaschen zu sammeln, um überleben zu können, in einer Zeit, in der es nun vorrangig ist, dass sich keine neuer Hass aufbaut. Und genau da sehe ich eine große Gefahr für die Zukunft.

Warum: Ich lebe in Rumänien und sehe, mit welcher Kategorie von Autos die „Flüchtlinge“ aus der Ukraine zu uns kommen.

https://www.facebook.com/reel/295685099795020

Um so schnell wie nur möglich weiter nach Deutschland zu fahren, weil‘s dort wesentlich mehr Kohle gibt. Hat jemand mal verglichen, was so eine „Flüchtlingsfamilie“ aus der Ukraine mit staatlicher Unterstützung in Deutschland kassiert und was für einen Rentner übrigbleibt? Sicher ist es nicht die Aufgabe der Kirchen, diese Maßnahmen zu korrigieren. Aber die Kirchen haben den Inbegriff der „sozialen Gerechtigkeit“ verloren oder bewusst abgeschafft. Aus dem naheliegenden Grund, weil kein Hund die Hand beißt, die ihn füttert.

Die Geistlichen sollen bei ihren Gottesdiensten mal das ansprechen, was die Gläubigen bedrückt. So, wie es Luther mal gesagt, hat, - „dem Volk aufs Maul schauen“. Warum haben die freikirchlichen Gemeinden einen derartigen Zulauf? Weil sie die Dinge beim Namen nennen, in ihren Predigten. Leute, die das System der Kirchen kritisiert haben, nennen die Dinge mit klaren Worten, - ein Beispiel mit Eugen Drewermann:

https://www.facebook.com/reel/295685099795020

Wenn die christlichen Kirchen auch in 10 oder 20 Jahren noch eine reale Chance und vor allem Mitglieder haben wollen, dann müssen sie so schnell wie möglich umdenken, und sich an den Zeichen der Zeit orientieren. Irgendwelche Symposien zu veranstalten, wodurch manchen Leuten Sand in die Augen gestreut wird, das hat allenfalls einen Kurzeiteffekt, aber ist nicht von langer Dauer.

Das ist meine persönliche Meinung zu dieser Veranstaltung des Ulmer Münsters.

Die Kirche hat fertig in ihrer jetzigen Form

re-aktionaer @, Sonntag, 25.02.2024, 19:24 vor 53 Tagen @ helmut-1 2078 Views

Ich bin der Ansicht, dass die Kirche am absteigenden Ast ist, weil sie beliebig wurde. Sie hat ihre Überzeugungen für eine vermeintliche Modernisierung verraten. Das 2 Vatikanische Konzil war hier der Anfang vom Ende. Denn es hat eine Glaubensgemeinschaft mit strengen Regeln in einen beliebigen Sozialverein verwandelt. Kein Teufel mehr, keine Hölle und letztendlich auch kein Gott. Der Priester ist im gesellschaftlichen Ansehen von der absoluten Respektsperson und Inhaber der Wahrheit zum schrulligen Aussenseiter geworden. Mit der Entscheidung, Priester zu werden ist heute keinerlei Sozialprestige verbunden, entsprechendes Personal hat die Kirche dadurch heute - Sonderlinge, die vielleicht in ein Kloster passen, jedenfalls aber nicht im Leben stehen und normale Leute ansprechen.
Interessanterweise wurde durch die Dummheit des 2.Vatikanums nicht einmal das beseitigt, was beabsichtigt war - das verstaubte Image. Das ist der Kirche nämlich geblieben. Und die Menschen die früher im Weihrauchdunst ihre Rosenkränze beteten und die Heiligenbilder sammelten, sind in den Esoterikshop gegangen und hocken jetzt mit ihren Klangschalen rum.

Um es im Marketingsprech zu sagen: Die Kirche hat ihren USP zerstört. "Gemeinde" ist nicht genug und "Nächstenliebe" klingt gut aber ist nicht das, was Menschen an Religionen bindet.

Der Glaube an den Besitz der ultimativen Wahrheit, die Befriedigung des Wunsches der durchschnittlich Begabten durch konformes Verhalten "etwas besseres zu sein", die Gewissheit "Auf der richtigen Seite" zu stehen und spirituell mystische Zeremoniale - das sind die wahren Motive der Menschen, in die Kirche zu gehen.
Aus genau diesem Grund liegt die Zukunft der Kirche, so sie eine hat, bei den Radikalen. Nur sie haben den notwendigen Fanatismus um neue Schäfchen zu werben, in ihrem Umfeld sozialen Druck auszzuüben und die Leute in die Kirchen zu treiben. Nur sie haben noch den USP - "Mystik" "Suprematismus" und "Dogma". Nur sie schnallen den Bußgurt enger, predigen von der Kanzel und beten auf Latein, dampfen die Leute mit Weihrauch zu und hauen in die Orgel! So muss Katholizismus.

Wohlwissend um die Blödheit meiner Mitmenschen ist mir auch bewusst, dass deren gesellschaftlich spirituellen Bedürftnisse irgendwie befriedigt werden müssen und die christliche Kultur hier momentan die erträglichste am Markt vorhandene Triebabfuhr darstellt. Auf der anderen Seite wird die Marke aber im Moment so schlecht geführt, dass auch Leute wie ich keinen Anlass mehr sehen, dabei zu bleiben. Es ist ein seidener Faden aus Traditionalismus, Hoffnung und Antipathie gegenüber den anderen Religionen und Linken Kirchenhassern die mich noch an den Verein bindet. Ich merke aber, wie meine Lust, diesen zu durchtrennen seit Corona und Flüchtlingskrise größer wird.

Mein soziales Leben in der Kirchengemeinde habe ich bereits 2015 durch eine schlichte Frage beendet. Als Herr Pfarrer und seine fleissigsten Schäfchen sich im Flüchtlingshelfen ergingen und es kein anderes Thema mehr in den Predigten gab, wagte ich im Pfarrcafe anzumerken, dass auch die Mission unsere Christenpflicht sei und ob sie sich auch darum mühen würden den armen Heiden aus dem fernen Afghanistan von unserem Herren Jesus Christus zu berichten und ob schon fleissig getauft werden würde.
Wie es in diesen Kreisen üblich ist, sagte man darauf gar nichts sondern überging, peinlich berührt die unangenehme Frage um fortan mit mir nicht mehr zu reden. Soviel zu gehet hin... Meine Sonntage verbringe ich seither lieber im Museum und die wenigen Feiertage, die mich noch in die heiligen Hallen bringen erinnern mich an die zehn kleinen Negerlein, die mit jeder Strophe weniger werden.

Ach ja und dann ist da noch die Sorge der Kirche um die Seelen der verbliebenen Schäfchen. Ich erhalte ja regelmäßig Post von ihr. Ein Brief, möchte man meinen wie es mir geht, oder warum ich nicht mehr so oft in die Messe komme. Customer Care... Mitnichten! Sämtliche schreiben, die ich von diesem Verein bisher erhalten habe, drehten sich um Geld, nämlich die Kirchensteuer die ich gefälligst entrichten soll. Das ist nämlich das einzige, was die frommen Jünger Jesu tatsächlich an mir interessiert und ich bin der festen Überzeugung an Alten und Flüchtlingen ebenso. Viele Aktivitäten wären in dem Augenblick beendet, in dem die Republik der Caritas das Geld dafür nicht mehr rüberschiebt.

Aus all diesen Gründen sehe ich keine Zukunft, es sei denn, die Fundis übernehmen das Ruder, aber dafür ist es wahrscheinlich auch schon zu spät.

Treffende Analyse, re-aktionaer.

Naclador @, Göttingen, Montag, 26.02.2024, 09:55 vor 52 Tagen @ re-aktionaer 978 Views

Ich bin Christ, aber ich kann die Predigten, die in unserer Kirche angeboten werden, nur schwer ertragen.

Relativismus und Beliebigkeit, keine starken Aussagen, keine klare Botschaft. Der Markenkern ist völlig erodiert.

Was mir viel mehr gebracht hat:

Jordan Petersons "Biblical Lectures". Das ist das erste mal, dass ich das Gefühl habe, die Botschaft hinter den Schriften des alten Testaments ansarzweise zu verstehen. Im Gegensatz zur Kirche spricht Peterson meine Sprache (wenn auch auf Englisch :-) ).

Beste Grüße,
Naclador

--
"Nur die Lüge benötigt die Stütze der Staatsgewalt. Die Wahrheit steht von alleine aufrecht."
Thomas Jefferson

Anstand - Frieden - Demut

Langmut @, Montag, 26.02.2024, 11:01 vor 52 Tagen @ helmut-1 931 Views

Hallo in die Runde,

wenn die offiziellen (Staats)Kirchen die Tagespolitik in die Herzen ihrer Gläubigen tragen, wird der Totalitarismus auf eine neue Gestaltungsebene gehoben.

Ich bin kein Christ, sondern Katholik, gehöre also der allumfassenden Glaubenslehre an.

Protestanten gehen seit 500 Jahren einen entsetzlichen Irrweg, nur die Kirchenmusik profitierte von der Kirchenspaltung. Aber nach Bach hätte man wieder zur Ursprungsquelle zurückkehren sollen.

Der Islam hat nicht weniger als die Welteroberung auf seine Fahnen geschrieben, hat daher überhaupt nichts mit Religiosität zu tun.

Das Problem aller Kirchen ist, dass sie ohne Religion keine Daseinsberechtigung haben. Religion kommt dagegen wunderbar ohne Kirchen aus.

Niedertracht - Kriegstrommeln - Größenwahn

Der Rückzug ins Private ist eine Möglichkeit, den Hasstiraden der veröffentlichten Meinung zu entgehen.

Ich war gestern bei einer trostspendenden Choralmesse in München.

Es gibt noch Auswege.

Gruß
Langmut

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Ich bin recht und das ist auch gut so.

Der Unterschied zwischen schlau und dumm.
Ein schlauer Mensch kann sich dumm stellen.

Arbeit finde ich gut, da könnte ich anderen stundenlang zuschauen. (Diogenes von Sinope)

Das ist eigentlich ein Wirtschaftsforum

sensortimecom ⌂ @, Montag, 26.02.2024, 11:18 vor 52 Tagen @ Langmut 966 Views


Ich bin kein Christ, sondern Katholik, gehöre also der allumfassenden Glaubenslehre an.

Protestanten gehen seit 500 Jahren einen entsetzlichen Irrweg, nur die Kirchenmusik profitierte von der Kirchenspaltung. Aber nach Bach hätte man wieder zur Ursprungsquelle zurückkehren sollen.

Trotzdem die Frage, was am Katholizismus besser und richtiger war bzw. ist als im Protestantismus.

Beide Seiten haben versagt, weil sie die biblischen Lehren weder verstanden noch beachtet haben. Sie sind für das Entstehen jener Welt verantwortlich, in der wir uns heute befinden. Und weil das so ist (und nicht im Interesse des Schöpfers liegt) werden sie auch beide verschwinden.

Reines Quellwasser schmeckt besser als durchgefilterte Plörre - der Ursprung ist das entscheidende owT

Langmut @, Montag, 26.02.2024, 11:43 vor 52 Tagen @ sensortimecom 783 Views

Na dann wirst Du wohl zu den griechisch Orthodoxen konvertieren müssen, weg von Deinem durchgefilterten Katholizismus.

Naclador @, Göttingen, Montag, 26.02.2024, 12:51 vor 52 Tagen @ Langmut 888 Views

Katholizismus ist die Herrschaftsreligion des Papsttums und ziemlich weit weg von der Reinen Lehre. Jesus hätte Katholiken vermutlich als Pharisäer klassifiziert.

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"Nur die Lüge benötigt die Stütze der Staatsgewalt. Die Wahrheit steht von alleine aufrecht."
Thomas Jefferson

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