Der Gottesstaat im Islam und die voraussehbare muslimische Mehrheit in Deutschland

Falkenauge @, Montag, 22.05.2023, 17:44 vor 394 Tagen 3137 Views

bearbeitet von Falkenauge, Montag, 22.05.2023, 17:53

Der ungebremste Zustrom arabisch geprägter Muslime nach Deutschland führt zu einem ständigen Wachstum der islamischen Gläubigen im Lande. Über die damit verbundenen Gefahren für die freiheitliche Ordnung wird offiziell nicht gesprochen. Wie stark die Vorherrschaft der islamischen Gemeinschaft vor der Autonomie des Einzelnen den arabisch-muslimischen Menschen prägt, hat Dr. Burkhard Hofmann aus den Erfahrungen in seiner psychotherapeutischen Praxis eindrücklich beschrieben, worüber der vorige Artikel berichtet. Und der feste Glaube daran, dass die Gesetze Allahs das gesamte Gemeinschaftsleben von oben bestimmen müssen, bedeutet die Einheit von Staat und Religion, das Streben nach dem totalen Gottesstaat. Was kommt in der Zukunft da herauf?

Was entsteht, wenn der Islam einmal Mehrheitskonsens ist in Germany und sich die Strukturen in Richtung Gottesstaat verändern werden? Dr. Hofmann stellt diese Frage gegen Ende seines Buches.2 Bei dieser Bevölkerungs-Entwicklung scheint das in wenigen Generationen absehbar. Das Grundgesetz mit seinen „unveräußerlichen Grundrechten“, so ist zu befürchten, wird dann genauso wenig eine Barriere sein, wie es das für die deutsche Parteienkaste in der totalitären Corona-Politik gewesen ist.

Die Glaubensgewissheit

„In all den Jahren meiner Tätigkeit am Golf musste ich lernen zu verstehen“, schreibt Dr. Hofmann, „dass ich trotz meiner religiösen Prägung nicht religiös bin. Jedenfalls nicht im Sinne eines Muslims. Für ihn ist der Glaube das Zentrum des Lebens. Alles dreht sich darum. Alles wird danach bemessen. … Meine arabischen Patienten am Golf haben nicht nur einen Glauben, sie sind dieser Glaube. Der Glaube ist im Kern nicht relativierbar, so wie das für uns der Fall ist.“

Omar habe einmal treffend formuliert, er könne es nicht abwarten, vor seinem Schöpfer zu stehen und diesem endlich zu begegnen, so wie jeder andere Muslim auch. Nur auf diesen Moment komme es an. Alles andere davor sei Vorbereitung, also unwichtig für alle Belange, die nicht mit Allah zu tun haben.
Auch ein irakischer Flüchtling in Hamburg bleibe in dieser Art des Denkens gefangen. Er wolle auf diesen zentralen „Edelstein in der Krone“ seiner Existenz nicht verzichten. Dieser junge Mann sei hochintelligent, IT-Spezialist und ansonsten zu schwierigen Abstraktionsmanövern geistig in der Lage. Der Glaube bleibe dennoch unantastbar. Es finde keine Reflexion des kulturell-religiösen Erbes statt. Er sei mit einer Afghanin verlobt, schwärme von der Güte ihrer Seele und berichte, wie sehr er sie verehre. Nichtsdestotrotz feiere er jeden Tag ohne ihr Wissen ein ausgelassenes, säkulares Leben mit allen Freiheiten.

Im Westen werde oft eingewandt, dass der Islam kein einheitliches Glaubenssystem sei und es sehr verschiedene Auslegungen gebe. Das sei richtig, doch der arabische Islam habe größte Bedeutung, da er den Besitz der eigentlichen Sprache der göttlichen Offenbarung beanspruchen könne und in Arabien die heiligen Städte Mekka und Medina liegen. Zu behaupten, der arabische Islam habe keine normative Kraft auf alle Muslime, wäre genauso absurd, als wenn man behauptete, der römische Katholizismus wäre nicht prägend für den Rest der katholischen Kirche.

Trennung von 600 Jahren Entwicklung

Dr. Hofmann weist auf einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen der islamischen Glaubenswelt und dem Westen hin: die bisherige historische Entwicklung des Westens seit dem 15. Jahrhundert, dem Beginn der Neuzeit, in der ein naturwissenschaftliches Weltbild entstand und aus der Kraft des eigenen Denkens die Emanzipation der erwachenden Individualität von allen weltlichen und insbesondere auch religiös-kirchlichen Autoritäten vor sich ging und geht. Diese Entwicklung hat die islamische Welt nicht mitgemacht, sondern ist in einer gewissen religiös-dogmatischen Erstarrung stehen geblieben.
Aus dem Überlegenheitsgefühl beider Seiten, so Dr. Hofmann, nähre sich die Unlösbarkeit der kulturellen Konflikte. In den Augen des islamischen Gläubigen sei der Westen auf einer philosophisch minderwertigen Position, also unterlegen. Und ganz ähnlich sei es andersherum.

Eine kollektive Kränkung für die islamischen Gläubigen sei die sogenannte kopernikanische Wende: Die Erde sei keine Scheibe und Rom beziehungsweise Mekka auch nur ein beliebiger Ort auf diesem Planeten. So gebe es nicht die eine Wahrheit, sondern viele Wahrheiten. Was man glaube oder nicht glaube, hänge entscheidend von dem Ort ab, an dem man geboren wurde und der einen fortan kulturell präge. Was man einem Kind ab seiner Geburt mitgebe, werde es erst einmal als das selbstverständlich Gegebene erachten. Erst mit der Lösung vom Elternhaus finde auch eine Auseinandersetzung mit den vermittelten Glaubensinhalten statt. Fehle diese Lösung wegen des Verbots des individuellen Selbständig-Werdens, bleibe diese Durcharbeitung dürftig oder falle ganz aus. Es brauche starke, unabhängige Persönlichkeiten, um der Mannigfaltigkeit der menschlichen Überzeugungen und Erscheinungsformen auf dieser Erde offen begegnen zu können.

„In vielen Gesprächen erschienen mir meine Patienten wie in einer Dreiecksbeziehung. Neben mir und meinem Gegenüber war ein Dritter bzw. ein Drittes anwesend. … Wie bei einem Ehepaar, bei dem ein Partner eine Geliebte oder Geliebten hat. … Ständig wurde offen oder implizit auf dieses Dritte, die Religion verwiesen, sodass es manchmal unmöglich wurde, an den Patienten heranzukommen. Auf emotionaler Ebene war der andere immer bei seinem Dritten, nicht bei mir und unserer therapeutischen Beziehung.“

Die traurige Entwicklung der Ehesituation seines Freundes Hussein beschreibe diese Dreiecksbeziehung sinnfällig. Als Reaktion auf den Verlust ihres erstgeborenen Sohnes habe seine Frau Dalal begonnen, sich immer tiefer in ihre Religiosität hineinzubewegen, um dort Trost zu finden. Sei es für sie ein Gewinn an Frieden und Sinn gewesen, so für ihn der Verlust seiner Frau. Kaum eine Begegnung mehr, in der sie ihm nicht den Islam als Ausweg direkt oder indirekt ans Herz gelegt habe. Sie habe seitdem das Kopftuch mit Stolz und Überzeugung getragen. Für sie sei das Leben rund gewesen. Er habe nur seine alte Dalal zurück haben wollen, ohne ständig an ihrem „Lover“, der innig empfundenen Religion, gemessen zu werden.

Der eine allmächtige, menschenferne Gott

Dr. Hofmann, fragt sich, ob die Unfähigkeit zu kritischer Selbstreflexion auch an der Struktur des Gottesbildes im Islam liege. Der Gott des Islam sei das große Eine, das Mysterium, ungeteilt, abstrakt und menschenfern, die unfassbare Großartigkeit. Die Auseinandersetzung mit diesem Gott sei von vornherein streng reglementiert – und Regelüberschreitungen würden im schlimmsten Fall mit der Höchststrafe, der Vertreibung in die Hölle, beantwortet.
Gleichzeitig werde das christliche Gottesbild, insbesondere die Trinität, mit einer Mischung aus Verachtung und Überlegenheit abgetan. Von der Vorstellung eines Gottes, der in verschiedene Repräsentanten gegliedert sei, gelte es sich mit aller Gewalt zu distanzieren.

Vielleicht sei dies ja genau das Problem. Auch wenn die Trinität nur verschiedene Aspekte des Göttlichen beschreiben solle, sei sie doch ein Bild dafür, dass Gott zu sich selbst auf Distanz gehen könne. Aus Gottvater, Christus und dem Heiligen Geist könnten leichter das Ich, die Instanz, die alles integriere, das (höhere) Selbst und das Dritte, der von außen betrachtende Geist, werden, als wenn der Mensch einem letztlich gestaltlosen Gott gegenüberstehe, und das Ich keine Chance habe, sich von ihm zu emanzipieren.
So werde aus dem Heiligen Geist die Instanz, die in der europäischen Tradition die Freiheit, das Denken, die Selbstdistanz und Selbstreflexion symbolisiere.

Man kann noch hinzufügen: In der christlichen Trinität steht der Sohn dem Vater als Selbständiger, als ein eigenes freies Wesen gegenüber. „Indem Mohammed dem Gotte den Sohn abspricht, sperrt er ihn in seine absolute Transzendenz gleichsam ein. Das hat Folgen auch für das menschliche Selbstverständnis.“ 1
So heißt es in der Sure 19 des Koran: „Keiner in den Himmeln und auf Erden darf sich dem Erbarmer anders nahen denn als Sklave.“ Und von den wahren Gläubigen wird gesagt: „Du siehst sie sich verneigen und niederwerfen, Huld begehrend von Allah und Wohlgefallen. Ihre Merkzeichen auf ihren Angesichtern sind die Spur der Niederwerfung“ (Sure 48). Mit den „Merkzeichen des Gläubigen“ ist der Staub auf seiner Stirn gemeint.

„Allah, dem gegenüber es nur im Staub liegende Sklaven gibt – das lässt an einen orientalischen Despoten denken, an einen allgewaltigen Sultan, wie ihn gerade die Welt des Islam manchmal mit einer gewissen Großartigkeit hervorgebracht hat. Der einsam Thronende blickt nur herab auf die Rücken der im Staub Liegenden – er hat kein Du, kein Angesicht gegenüber.“ 2
Ihm gegenüber gibt es nur gehorsame Kreaturen.

In einer Sitzung, berichtet Dr. Hofmann, sei es einmal um Schuld und Strafe bei Ehebruch gegangen. Die Patientin habe befürchtet, wenn sie ihren Wünschen nachginge, hätte sie vor Allah und den Menschen die Steinigung verdient. Sie habe sich kaum von dieser Angst lösen können.
Christus lehre dagegen im Neuen Testament: „Wer ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein.“ Das sei eine allgemeine moralische Anweisung, sich nicht über den (vermeintlichen) Sünder zu erheben. Da niemand ohne Fehl sei, verbiete der Satz de facto die Steinigung und rate zur Zurückhaltung bei Strafen.

Im islamischen Glauben finde eine ganz andere Akzentuierung statt. Die Übersetzung des Steinigungsverses, der, obwohl nicht-koranisch, fester Bestandteil der Überlieferung für die Strenggläubigen sei, laute: „Wenn ein bejahrter Mann und eine bejahrte Frau Unzucht treiben, so steinigt sie auf jeden Fall als Strafe Gottes. Und Gott ist gütig und weise.“

„Von der Koranlehrerin Hala“, so Dr. Hofmann, „selbst Schwester eines berühmten Imams, musste ich lernen, welch eine Gnade und Feinheit im Islam erkennbar sei, da er über die Scharia selbst die Steingröße für die Steinigung festlege, nicht zu groß, damit es nicht zu schnell gehe und die Seele im Fegefeuer der Schmerzen Gelegenheit zur Reinigung für das Paradies habe, nicht zu klein, damit es nicht zu lang dauere und die Menschlichkeit gewahrt bleibe. So schafft die Klarheit der Anweisung zur Strafe zum einen Sicherheit und Rechtsverbindlichkeit.“

Sicherlich gebe es sehr viele Muslime bei uns wie auch in den Ländern des Persischen Golfes, die diese Interpretation strikt ablehnten. Die Menge derer, für die solche Glaubensinhalte aber schlicht verbindlich seien, habe ihn oft erschauern lassen. Sei einmal der Primat der Religion etabliert, gebe es kaum einen Weg zurück in eine gemäßigte Interpretation und individuelle Auslegung der Schriften.

Einheit von Religion und Staat

Zum Glauben gehöre die Scharia, die Gesamtheit der islamischen Gesetze, die ihre Quellen im Koran und in der Sunna, der herrschenden Praxis, findet und wegen seines göttlichen Ursprungs als unveränderlich gilt. Die Scharia sei zwar auch kein einheitliches Rechtssystem und unterliege unterschiedlichen Deutungen und historisch bedingten Auslegungen verschiedener Rechtsschulen. Allen gemeinsam bleibe aber die Unterwerfung des Gläubigen unter das Gesetz Allahs, auch und gerade im Hinblick auf die Gesetzgebung des Staates. Diese müsse im Einklang mit den religiösen Schriften und Überlieferungen stehen, könne also nicht Ergebnis einer demokratisch gefundenen Vereinbarung sein.

Die Vorstellung, dass bei uns das Grundgesetz maßgebend sei und nicht das überlieferte Wort Gottes, könne bei einem streng gläubigen Muslim nur Kopfschütteln hervorrufen. Er dürfe diese Säkularisierung des Denkens gar nicht vollziehen, denn dann wäre das ganz Glaubenssystem gefährdet. So sei die Vorstellung eines Euro-Islam für seine arabischen Patienten lächerlich oder bestenfalls abwegig.

Bei ihnen sei das Ich als autonome, sich selbst bestimmende Individualität also noch nicht vom großen Ganzen emanzipiert. Eine Distanz vom Göttlichen sei daher eine Unmöglichkeit.
Es sei daher wenig erstaunlich, wie selbstverständlich die Neigung im Politischen daherkomme, sich starken Autoritäten zu unterwerfen. Die Hoffnung, dass eine große Kraft es schon richten werde, sei nur folgerichtig. Demokratie, Diskursfähigkeit, sich argumentativ in allem verletzlich machen dürfen, bleibe ungeübt.

„Unvermeidbar ist, dass, wenn der Islam einmal Mehrheitskonsens ist, sich die Strukturen in Richtung Gottesstaat verändern werden. Einen Weg zurück gibt es dann nur noch unter Mühen. Es ist Aufgabe jedes gläubigen Muslims, diesem Wertesystem zum Durchbruch zu verhelfen. Dazu zählt auch, die Scharia als Weg ´den Himmel auf Erden` zu errichten.
Uns hier fehlt, dass wir diese Menschen in ihrem Glauben wirklich ernst nehmen. Das Gefühl für eine derartige religiöse Inbrunst ist uns abhandengekommen. Das Einlassen darauf sollte uns aber nicht abhalten, die richtigen Schlüsse für unser eigenes Gemeinwesen zu ziehen.“

Dies stelle die Frage nach dem Umgang mit dem eigenen muslimischen Bevölkerungsanteil und damit auch den Flüchtlingen.

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