Das (unfreiwillige?) Geständnis von Außenminister John Kerry

nereus @, Donnerstag, 19.01.2017, 08:43 vor 2737 Tagen 8231 Views

Auf Voltairenet gibt es einmal mehr Bemerkenswertes zu lesen.

Die Veröffentlichung einer Aufnahme privater Bemerkungen von John Kerry im September letzten Jahres, deckt die Politik des Sekretariats des Staates auf und zwingt alle Beobachter — auch uns — ihre vorherigen Analysen zu revidieren.
Die Freigabe durch The Last Refuge der kompletten Aufnahme des Treffens zwischen Außenminister John Kerry und Mitgliedern der Nationalen Koalition (22. September 2016 in der Delegation der Niederlande bei den Vereinten Nationen) ändert, was wir von der US-Position zu Syrien zu verstehen glaubten.

Quelle: http://www.voltairenet.org/article194951.html

Also muß auch Thierry Meyssan seine Einschätzungen revidieren und der ist normalerweise recht gut informiert. Hören wir jetzt mal ganz genau hin.
Um es nicht zu lang werden zu lassen, schneide ich die ursprünglichen Annahmen (bis auf eine) heraus.

.. Nun bestätigt John Kerry in dieser Aufnahme, dass Washington den Versuch nie aufgegeben hat, die syrische arabische Republik zu stürzen, was also bedeutet, dass er jeden Schritt der Arbeit seiner Verbündeten kontrolliert hat. In der Tat, in den vier letzten Jahren wurden die Dschihadisten durch das Allied LandCom (Heereskommando) der NATO mit Sitz in Izmir (Türkei) kommandiert, bewaffnet und koordiniert.
..
Zweitens bestätigt John Kerry darin, dass Washington wegen des internationalen Rechts und der Stellungnahme von Russland nicht weiter gehen konnte. .. Sie haben den Großteil der Öl- und Gasindustrie-Infrastruktur des Landes zerstört, mit dem Vorwand, gegen die Dschihadisten zu kämpfen (was im Einklang mit dem Völkerrecht ist), aber ohne von Präsident Al-Assad dazu aufgefordert zu werden (was das Völkerrecht verletzt). Sie wagten jedoch nicht ihre Boden Truppen zu entfalten und die Republik offen zu bekämpfen, wie sie es in Korea, Vietnam und Irak gemacht haben. Dazu haben sie beschlossen, ihre Verbündeten auf die erste Linie (leadership from behind - Führung von hinten) zu bringen und ohne viel Geheimnis die Söldner zu unterstützen, wie in Nicaragua, mit der Gefahr durch den internationalen Gerichtshof (das interne Tribunal der Vereinten Nationen) verurteilt zu werden.
Washington ist nicht gewillt einen Krieg gegen Russland zu führen. Und Russland, das sich nicht gegen die Zerstörung von Jugoslawien und Libyen gewährt hatte, bot nun die Stirne und schob die unüberschreitbare Linie zurück. Moskau ist imstande das Gesetz mit Gewalt zu verteidigen, falls Washington offen einen neuen Eroberungskrieg wagen sollte.

Aha, deshalb das blöde und kindische Geschrei der Marionetten - Putin ist an allem Schuld.
Auch für USrael gibt es offenbar eine Grenze.
Gut zu wissen. [[zwinker]]

Drittens beweist John Kerry darin, dass Washington auf einen Sieg von Daesch über die Republik hoffte. .. Nun gab er aber zu, dass der Plan weit darüber hinausging. Wahrscheinlich sollte Daesch Damaskus einnehmen, um dann von Tel-Aviv verjagt zu werden (d. h. sich ins "Sunnistan", das ihm zugeteilt worden war, zurückzuziehen).
Syrien wäre dann im Süden von Israel, im Osten von Daesch und im Norden von der Türkei aufgeteilt worden.
Dieser Punkt gestattet zu verstehen, warum Washington den Eindruck gegeben hat, nichts mehr zu kontrollieren, seine Verbündeten „walten zu lassen": in der Tat, hat es Frankreich und das Vereinigte Königreich in den Krieg getrieben, indem es ihnen weismachte, dass sie die Levante wieder kolonisieren könnten, während es geplant hatte, Syrien ohne sie zu teilen.

USrael, wie es leibt und lebt.
Notfalls werden auch die Verbündeten verheizt.
Aber das Netzwerk sorgt wohl bislang dafür, daß die goldene Kette nicht reißt.
Zur Kette wurde hier schon mal etwas ausgeführt: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=426079

Viertens: mit dem Geständnis Daesch „unterstützt zu haben", gibt John Kerry zu, es bewaffnet zu haben, was die Rhetorik des "Krieges gegen den Terrorismus" auf null reduziert.

Jeder der in den letzten Jahren sehen wollte, sah.

Fünftens hatten wir den Konflikt zwischen dem Clan Allen/Clinton/Feltman/Petraeus einerseits und der Obama/Kerry-Verwaltung andererseits als Unterstützung von Daesch beziehungsweise gegen eine solche interpretiert.
Es war dem aber nicht so.
Beide hatten absolut keine Skrupel, die fanatischsten Dschihadisten zu organisieren und zu unterstützen. Ihre uneinige Auffassung konzentrierte sich ausschließlich auf den möglichen Rückgriff auf offenen Krieg — und den Konflikt, den er mit Russland riskiert — oder über die Wahl von geheimen Aktionen.

Nur Flynn — der aktuelle Sicherheits-Berater von Trump — war gegen den Dschihadismus.

Das ist eine Offenbarung für alle Trump-Gegner, die entweder wenig verstehen oder bewußt in die Irre führen wollen.
Hat man von diesen Enthüllungen schon etwas aus den Fake-News-Zentralen gelesen oder gehört?
Ach - geht ja überhaupt nicht - dann wären es doch True-News. [[lach]]

Doch eigentlich interessiert das nicht mehr wirklich - die Karawane zieht einfach weiter.
Viel interessanter finde ich die zunehmenden Leckagen in der Leitung der "Fa. OMERTA". [[freude]]

mfG
nereus

Hineingetrieben in Sackgassen voll mit Scheixxxxe

Weiner, Donnerstag, 19.01.2017, 15:13 vor 2736 Tagen @ nereus 5537 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 19.01.2017, 16:11

Hallo Nereus!

Also muß auch Thierry Meyssan seine Einschätzungen revidieren und der
ist normalerweise recht gut informiert.

Ja, er muss revidieren, aber in dem Sinne: es war noch viel schlimmer, als er es sich gedacht hat. Denn Syrien war nicht nur versuchter Regimewechsel, sondern auch versuchter Völkermord, ja sogar der Versuch, einen Staat komplett auszulöschen. Etwa so wie die Assyrer das vor knapp 3000 Jahren ebendort gemacht haben (inklusive mit den seinerzeitigen Judenstaaten ebenda, Stichwort Deportation nach Babylon).

Ich hatte vor einiger Zeit geschrieben, dass die USA die europäischen Staaten in die Konfrontation mit Russland getrieben hätten, jetzt aber mit Trump für sich selbst eine Kehrtwende vollziehen und die Europäer bedeppert und beschädigt dastehen lassen würden.

Es gibt mehrere solche Schachzüge der USA mit gleichartigen Nebenwirkungen für Europa, die die Europäer aber in ihrer Verblödung gar nicht bemerken bzw. wegstecken (müssen). Und eine davon ist eben auch die Syrien- und Nahostpolitk. Da stehen jetzt die europäischen Einzelstaaten wie auch die EU insgesamt echt bescheuert da. Dänemark hat als einziges Land schnell Konsequenzen gezogen und umgehend sämtliche militärische Unterstützung abgezogen, nachdem damals ("versehentlich") 100 Assad-Soldaten mit Raketen getötet worden waren (Dänemark war bei Aufklärung und Zielführung wohl beteiligt).

Ich kann echt nicht begreifen, wie die gegenwärtigen europäischen Politiker und Eliten sich von den USA wie ein Stück Dreck durch die Weltgeschichte kicken lassen und ihnen dafür auch noch, voran Angela, dankbar die Füsse küssen.

Und ich möchte sagen und warnen, dass das künstliche Hochkochen eines neuen europäischen Nationalismus genauso ein Schachzug der Amerikaner ist - was selbst hier auf dem Gelben offenbar nicht bemerkt wird. Denn wenn die USA in eine Schwächephase hineingehen sollten oder andere Pläne haben - oder einfach aus Konkurrenzdenken - können sie ein einiges Europa auf keinen Fall brauchen.

Wir selbst aber, und die Welt insgesamt, brauchen es nach wie vor.

Meint Weiner

machen wir einmal die Probe

nereus @, Donnerstag, 19.01.2017, 16:56 vor 2736 Tagen @ Weiner 5468 Views

Hallo Weiner!

Du schreibst: Denn Syrien war nicht nur versuchter Regimewechsel, sondern auch versuchter Völkermord, ja sogar der Versuch, einen Staat komplett auszulöschen. Etwa so wie die Assyrer das vor knapp 3000 Jahren ebendort gemacht haben (inklusive mit den seinerzeitigen Judenstaaten ebenda, Stichwort Deportation nach Babylon).

Vor 3.000 Jahren ging es etwas „kompakter“ zu – denkt man jedenfalls .. normalerweise.
Ist aber wohl nicht so. Die meisten toten Zivilisten gab es in der Epoche der Aufklärung und das hat nicht nur mit der Zunahme der Bevölkerung zu tun.

Es gibt mehrere solche Schachzüge der USA mit gleichartigen Nebenwirkungen für Europa, die die Europäer aber in ihrer Verblödung gar nicht bemerken bzw. wegstecken (müssen). Und eine davon ist eben auch die Syrien- und Nahostpolitk.

Ich denke, das ist keine Verblödung.
Ich denke, das ist Absicht!
Wenn Merkel z.B. die Grenzen öffnet, um das deutsche Volk zwangsweise zu migrieren, dann hat sie das gezielt getan. Sie und ihr Hofstaat haben auch gezielt gegen Syrien gestänkert. Und das ewige Bündnis mit dem Permanent-Streithansel an der Ostküste des Mittelmeers GARANTIERT geradezu Probleme. Dies war beim Iran-Atom-Problem genauso.

Daher denke ich, ALLES geschieht so, wie es (von denen aus gesehen) geschehen soll.
Die goldene Kette ist in Deutschland noch viel fester gewirkt als in England oder zumindest gleich fest.
Die richtigen Idioten sind die krawallige Antifa, die verblödeten Grüninnen, die z.T. unbedarfte Journaile und das gesamte Heer der Gutmenschen und Teddybären-Winker.
Doch die ganz Oben sind nicht blöd - das sind VERRÄTER!

Heute Mittag gab sich Kanzlerflüsterin, Liz Mohn, auf n-tv die Ehre.
Die sieht man nicht so oft im TV.
Sie sei verwirrt, vor allem durch die letzten 3 Monate.
Das glaube ich der Dame gern.
Ich hoffe, ihre Verwirrung wird sich fortsetzen. [[freude]]

Ich kann echt nicht begreifen, wie die gegenwärtigen europäischen Politiker und Eliten sich von den USA wie ein Stück Dreck durch die Weltgeschichte kicken lassen und ihnen dafür auch noch, voran Angela, dankbar die Füsse küssen.

Wenn Du die „goldene Kette“ berücksichtigst, könnte es begreifbarer werden.
So werden z.B. auch Unternehmen zu Grunde gerichtet.
Durch permanente Fehlentscheidungen kann man einen gut gehenden Konzern in kurzer Zeit an die Wand fahren, um diesen entweder komplett abzuwickeln oder für eine Übernahme „fertig machen“.

Und ich möchte sagen und warnen, dass das künstliche Hochkochen eines neuen europäischen Nationalismus genauso ein Schachzug der Amerikaner ist - was selbst hier auf dem Gelben offenbar nicht bemerkt wird.

Damit reitest Du auf der Welle des @Alten Periskops.
Ihr könnt das gerne so sehen – ich sehe das bisher noch anders.

Wer will sich denn mit Putin gut vertragen?
Die neuen Konservativen oder die „Internationale Front der Einheitsparteien“?

Wer möchte die finanziellen und ökonomischen Abhängigkeiten mindern?
Die neuen Konservativen oder die „Internationale Front der Einheitsparteien“?

Wer möchte die Basis der Gesellschaft – die Familie – wiederherstellen und die krankhaften Auswüchse mit dritten und vierten Geschlechtern beseitigen?
Die neuen Konservativen oder die „Internationale Front der Einheitsparteien“?

Wer will unbedingt den europäischen Einheitsstaat, der von Brüssel aus diktatorisch in alle Belange hineinregiert?
Die neuen Konservativen oder die „Internationale Front der Einheitsparteien“?

Wer ist also mehr für ein friedliches Miteinander der europäischen Staaten?
Die neuen Konservativen oder die „Internationale Front der Einheitsparteien“?

Das sind die Fragen, die ich beantwortet haben möchte und nach diesen Kriterien ich die Prüfdetektoren justiere.
Da ist mir völlig Banane was Insider A auf Website B schreibt.
Ich bin da sehr eigenwillig und hartleibig. [[zwinker]]
Was jedoch nicht heißt, daß ich damit am Ende falsch liegen könnte.

Denn wenn die USA in eine Schwächephase hineingehen sollten oder andere Pläne haben - oder einfach aus Konkurrenzdenken -, können sie ein einiges Europa auf keinen Fall brauchen.

Das ist schon klar, nur können die Absichten der Amis die Europäer wenig beeinflussen.
Aber die Europäer können sich, wenn sie das wollen, besser aufstellen.

mfG
nereus

Zu Syrien, Europa, dem Pöbel und den Eliten

Balu @, Donnerstag, 19.01.2017, 17:47 vor 2736 Tagen @ nereus 5030 Views

bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 19.01.2017, 18:32

Hallo Weiner

Hallo nereus

Syrien ist den usraelischen Geostrategen ein großer Dorn im Auge weil:
1. Syrien, das Ende der Seidenstraße, bedeutet also eines großen wiederbelebten Handelsweges quer durch Asien. Es wäre ein Bindeglied zwischen dem asiatischen Festland (China, Russland) und der europäischen Halbinsel (DE, F, E, u.a.), das geht gar nicht.
2. Syrien steht einer Energieversorgung Europas "prefered by usrael" aus den arabischen Emiraten (Kontrolle Usraels) im Weg, was die Abhängigkeit der europäischen Kleinstaaten von usraels Wegweisungen enorm schmälert.
3. man lese das Protokoll über Kerry´s Rede....wegen Syrien.

Der Pöbel rafft das Spiel über Bande nicht, er denkt immer in kausalen Zusammenhängen, nicht über Ecken und erst recht nicht in Generationen.

In der Politik geschieht nichts zufällig. Den Politikern und den sog. Eliten Dummheit zu unterstellen, halte ich für groß fahrlässig. Wer sonst, wenn nicht die Politbüros in Berlin, Paris, London, Washington und anderswo, verfügt über die besten thinktanks, Intelligenzia, Karieristen, die sich so richtig in Zeug legen?

Und ja, nereus, ich bin bei dir, ich will ebenfalls Antworten haben, Taten sehen, bevor ich jemandem meine Stimme gebe. Und da ist´s bei der AfD inzwischen leider auch nicht mehr weit her.

Gruß
Balu

--
Nie wieder CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke.
Die wahren Feinde eines Volkes sind seine Terroristen, die sich als Politiker, Richter, Staatsanwälte, Polizei und Verwaltungsangestellte tarnen. Der Staat als einziger Hort allen Terrors.

Putin und Europa

Weiner, Donnerstag, 19.01.2017, 23:25 vor 2736 Tagen @ nereus 4068 Views

Hallo Nereus,

kennst Du irgendwelche Äußerungen von Putin und/oder von seinem Hofstaat, die darauf schließen liessen, dass er sich westlich von Russland ein starkes Europa wünscht?

Das kann er nicht wollen, da ist er zu klug dafür. Aber wenn er wirklich sehr weitsichtig wäre, dann würde er darüber nachdenken. Und einen Weg suchen, ein geeintes und russlandfreundliches, wenigstens aber ein geeintes und russlandneutrales Europa anzubahnen. Gut, ist aktuell für ihn kein Thema. Hat er Wichtigeres an der Backe.

Deine Begeisterung über die "neuen Konservativen" freut mich. Aber, nochmals: die werden alle von Dir aufgezählten Ziele entweder nicht erreichen oder wieder verlieren, wenn sie zu nationalstaatlichen Egoismen zurückkehren. Was im Kleinen gilt (wahre Gemeinschaft und Genossenschaft bringen Stärke), das gilt auch im zwischenstaatlichen Bereich. Der "neue Konservatismus" wird nur dann langfristiten Erfolg haben, wenn er das Projekt Europa nicht aufgibt.

Die Frage, auch von @Balu, ob politische Eliten dumm sein können, ist durchaus berechtigt. Man sollte meinen, dass Instinkt und Gier, Kalkül und Professionalität sich durchsetzen. Es gibt aber leider sehr viele Fälle in der Geschichte, wo Politiker, ja ganze Klassen einfach unverzeihlichen Fehleinschätzungen unterlegen sind.


Grüsse, Weiner

Von Wünschen und Möglichkeiten

nereus @, Freitag, 20.01.2017, 08:00 vor 2736 Tagen @ Weiner 3747 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 20.01.2017, 14:22

Hallo Weiner!

Du fragst: .. kennst Du irgendwelche Äußerungen von Putin und/oder von seinem Hofstaat, die darauf schließen liessen, dass er sich westlich von Russland ein starkes Europa wünscht? Das kann er nicht wollen, da ist er zu klug dafür.

Dass er sich ein starkes Europa wünscht, habe ich so noch nicht von ihm gehört.
Er will nur Partner, die sich an Verträge halten und wo es keine Einmischung von außen in die Innenpolitik gibt. Ist das nix?

Aber wenn er wirklich sehr weitsichtig wäre, dann würde er darüber nachdenken.

Der Stratege Putin dürfte über alle Möglichkeiten schon einmal nachgedacht haben.
Aber, drehen wir den Spieß doch einmal um.
Haben sich europäische Staatschefs schon einmal ein starkes Russland gewünscht?
Falls ja, bitte Quellen nachreichen. [[freude]]

Diese Vögel sind ja nicht in einmal in der Lage bestehende Partnerschaften zu erhalten, geschweige denn neue aufzubauen.
Alles was die tun ist destruktiv – sogar für die eigene Klientel (siehe Wirtschaft).

Und einen Weg suchen, ein geeintes und russlandfreundliches, wenigstens aber ein geeintes und russlandneutrales Europa anzubahnen. Gut, ist aktuell für ihn kein Thema. Hat er Wichtigeres an der Backe.

Putin hat sich die Hacken abgelaufen und den Mund fusselig geredet, hinsichtlich einer europäischen Annäherung.
Er wurde, bis anfangs auf Chirac und Schröder, konsequent zurückgewiesen, weil der Westen die Bedingung der neuen Unterwerfung diktieren wollte.
So schaut’s aus in der Brüsseler Demokratur!

Deine Begeisterung über die "neuen Konservativen" freut mich.

Es freut mich, daß Dich das freut. [[zwinker]]

Aber, nochmals: die werden alle von Dir aufgezählten Ziele entweder nicht erreichen oder wieder verlieren, wenn sie zu nationalstaatlichen Egoismen zurückkehren. Was im Kleinen gilt (wahre Gemeinschaft und Genossenschaft bringen Stärke), das gilt auch im zwischenstaatlichen Bereich.

Aha, was im Kleinen so im Großen.
Dann rekapitulieren wir doch einmal.
Wer will denn die kleinste Zelle der Gesellschaft systematisch zerstören?
Wer versucht denn über Fördermittel und Verordnungen ständig Landkreise, Regionen und Länder zu unterhöhlen, aufzusprengen und neu zu ordnen?
Wäre es nicht sinnvoll von den gewachsenen Strukturen zu einer höheren Einheit zu kommen, die sich nicht um jeden Quark kümmert?
Muß für jeden „Furz, der verquere sitzt“, eine neue Organisation erschaffen werden, die dem Steuerzahler auf der Tasche liegt und ihn pausenlos nötigt?

Der "neue Konservatismus" wird nur dann langfristigen Erfolg haben, wenn er das Projekt Europa nicht aufgibt.

Wie sieht denn das Projekt Europa Deiner Ansicht nach aus?
Wie wäre es denn einmal mit einer ungefähren Definition?

Die Frage, auch von @Balu, ob politische Eliten dumm sein können, ist durchaus berechtigt. Man sollte meinen, dass Instinkt und Gier, Kalkül und Professionalität sich durchsetzen. Es gibt aber leider sehr viele Fälle in der Geschichte, wo Politiker, ja ganze Klassen einfach unverzeihlichen Fehleinschätzungen unterlegen sind.

Alle Fragen haben ihre Berechtigung und ich bin der Letzte der die Dummheit Einzelner oder der Masse negiert.
Aber wer in der Politik und vor allem der Geopolitik – und dazu gehört Europa – die im Dunkel agierenden Strippenzieher negiert, kann unmöglich das große Bild übersehen, welches aber notwendig ist, wenn man richtige Konsequenzen für sein Handeln ziehen will.
Putin und sein Kreis haben das mit Sicherheit gemacht und tun es immer noch – weil gerade ihr Land systematisch von den „Strippenziehern“ zerstört wurde.
Rußland war über ein Jahrhundert ein andauernder Feldversuch dieser Leute, der tiefe Spuren hinterlassen hat.

Ein ähnlicher Umbau wurde nun in den USA organisiert, der seine ersten Pickel und Eiterbeulen in der „politischen Korrektheit“ plazierte.
Damit meine ich jetzt nicht die Weltpolizei des @Monterone, die er sehr oft und zurecht kritisiert, sondern die Innenansicht Amerikas.
Allgemeines Geschwurbel verdrängte Klartext, ganz ähnlich wie in Merkelistan.
Sehr gut beobachtbar bei den Debatten zwischen Clinton und Trump!
Der StamoKap erhob sein Haupt immer höher und die stinkreichen Kosmopoliten pressen die Untertanen auf, koste es was es wolle, denn ihre Kosten sind es nicht.

Schauen wir erst einmal, was die andere Seite zu bieten hat und bilden uns dann ein Urteil.
Ich warte lieber wieder 30 Minuten an einer Grenze, als das sich meine Rentenansprüche komplett in Luft auflösen.
Aber vermutlich werde ich in Zukunft mich mit beiden Problemen herumschlagen müssen, weil diesmal der Bogen restlos überspannt wurde.

Man kann nun einmal nicht alles haben – eine Erkenntnis die langsam wieder zur Normalität werden und nicht zur erstrebenswerten Perspektive oder Dauer-Erektion mutieren sollte.

mfG
nereus

Weitsicht starkes Russland, starkes Europa

Weiner, Freitag, 20.01.2017, 12:25 vor 2735 Tagen @ nereus 3949 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 20.01.2017, 16:14

Guten Morgen Nereus,

zum Beispiel gab's da mal einen "Report to the Trilateral Commission" von Roderic Lyne, "Engaging With Russia: the Next Phase" (2006), der exakt ein starkes Russland gefordert hatte. Und ich könnte Dir Zitate von Obama bis van Rompuy bringen, die sich nun scheinbar als Lippenbekenntnisse erwiesen haben, aber bestimmte Denkschulen reflektieren, die auch heute noch existieren und ihre eigene Politik verfolgen, auch wenn sie wenig bekannt (aber umso mächtiger) sind:

http://www.international-bc-online.org/

Es lässt sich eine globale geopolitische Stabilität nicht erreichen, ohne dass wir auf der Nordhalbkugel vier Platten etablieren, die (1) in sich gefestigt sind, (2) frei gegeneinander schwingen können und (3) nicht in die inneren Angelegenheit des je anderen eingreifen. Diese vier politischen Kontinentalplatten sind Nordamerika, Europa, 'Russland', China. Im Augenblick findet (schmerzhaft) die Festlegung der Platten- bzw. Einflusssphärengrenzen statt. Das wird sich (schmerzhafter) noch etwas fortsetzen.

Bismarck stand seinerzeit vor einem ähnlichen Problem (innere Einigung, damals Deutschland, und gleichzeitig äußere Balance, damals gegenüber R, F, GB). Vergleichbar bräuchten wir aktuell eine 'neue Einigung' in Europa, gleichzeitig verbunden mit einem Aufbau der erwähnten Plattenstruktur. Von heute aus gesehen schafft Europa das nicht mehr alleine. Der traditionelle Partner dafür wäre die USA, die aber gerade "völlig weggedreht" sind. Es läuft dort weiter auf Oligarchie, Spaltung und 'Bürgerkrieg' hinaus. Der andere Partner ist natürlich Russland. Das könnte auch klappen, doch ist hier in Europa eben diese weitsichtige Vernunft nicht vorhanden - und die anderen (China, USA) wären aktuell noch zu misstrauisch. Wir brauchen's nicht zu diskutieren, es ist kein Thema gegenwärtig, aber die "vier Platten und drei Bedingungen" sind das imaginäre geopolitische Kraftfeld, um das die Geschichte der nächsten Jahrzehnte pendeln wird (mit teils heftigen Ausschlägen).

Was nun Deine andere Frage betrifft, so rekurriere ich wieder auf Bismarck bzw. auf die alte deutsche Geschichte (möglicherweise habe ich hier dazu auch schon geschrieben). Vorbild für Europa sind D,A,CH - die einzigen Staaten hier, die eine Bundesstruktur haben. Das ist uralte europäische Tradition ***), die in diesen drei Staaten (wenigstens formal und wohl reaktivierbar) noch bewahrt wurde. Alle anderen europäischen Staaten sind zentralistisch geworden. Wir Deutschen sind jedoch nicht die "Besseren", sondern es war wohl eher die Mittellage, die dafür gesorgt hat, dass die Bruchteilsstruktur erhalten geblieben ist (Bismarck hat leider mit Berlin/Preussen einen ebenfalls sehr stark zentralisierenden Keim ausgelegt, dem man bis heute gerne folgt). Wie dem auch sei: Europa kann nur als eine Föderation, als ein Bund organisiert werden. Der Ansatz "Brüssel, Kommission, Bürokratie" etc. (letztlich auf die CIA zurückgehend) muss komplett rückabgewickelt werden.

Neben den äußeren (geopolitischen) Notwendigkeiten für ein 'einiges Europa' gibt es viele innere Notwendigkeiten und Vorteile. Ich glaube kaum, dass die Menschen hier das, was in den letzten 40 Jahren erlangt wurde (allein Beispiel Bewegungsfreiheit), wieder aufgeben wollen. Natürlich wurde viel falsch gemacht, natürlich gibt es ganz böse Buben hier, natürlich sind die Probleme echt intrikat - 1000 Brettchen müssen gebohrt werden. Wenn der von Dir genannte "neue Konservatismus" aber in die Nationalstaatlichkeit zurück will, dann ist er schon von vorneherein verloren.

Zum Schluss noch, anderes Thema, ein Literaturhinweis.

https://en.wikipedia.org/wiki/Ilana_Mercer

hat ein interessantes Buch zu 'Trump & Co.' geschrieben

http://www.ilanamercer.com/

Noch interessanter ist aber ihr Buch über Südafrika, von wo sie stammt:

http://www.ilanamercer.com/cannibals-pot/

Darin wird beschrieben, wo wir landen könnten, wenn wir uns nicht alle ein wenig am Riemen reißen. Ich kann mir das auch noch schlimmer vorstellen ...

MfG, Weiner

***) in Glarus (Kanton, Landgemeinde) hat man tatsächlich an diesen alten Elementen festhalten können ( https://de.wikipedia.org/wiki/Volksversammlung ). Und dabei ist das ein Kanton, der ansonsten (oder gerade deshalb?) fortschrittlich ist (frühe und starke Industrialisierung). Auch der isländische Thing ist steinalt. Demokratie und Republik sind genuine Schöpfungen Europas - und die muss man nicht verächtlich machen und in den Dreck ziehen (wie das vielfach auf dem Forum hier geschieht), sondern man sollte sie, wenn der Mißbrauch erkannt ist, der mit ihnen getrieben wurde, sie angemessen neu beleben. Ich erwarte das von einem 'neuen Konservatismus', sonst kann er mir gestohlen bleiben. Ich wünsche mir starke Subjekte mit Gemeinsinn - keine Stammtischproleten, die nach dem großen Führer schreien.

Deutschsprachige Übersetzungen zu Ilana Mercers Büchern ...

Literaturhinweis @, Freitag, 20.01.2017, 13:48 vor 2735 Tagen @ Weiner 3678 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 20.01.2017, 14:07

Deutschsprachige Übersetzungen zu Ilana Mercers Büchern gibt es leider noch nicht. Die Suche in Deutsch ist mit der fremdsprachigen Suche identisch.

Es gibt jedoch bereits jede Menge Rezensionen und Auseinandersetzungen mit ihren Thesen, insbesondere auch im akademischen Raum.

(Beim Wikipedia-Link im Vorbeitrag muß man übrigens die Fettungen <b></b> entfernen, damit er funktioniert.) [erledigt, Moderator]

--
Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften

Fett weg, neue LINKs hinzu! Danke, Ihr seid ja soo lieb und hilfreich! (oT)

Weiner, Freitag, 20.01.2017, 14:36 vor 2735 Tagen @ Literaturhinweis 3372 Views

- kein Text -

Lieber nicht

Andudu, Freitag, 20.01.2017, 15:25 vor 2735 Tagen @ Weiner 3610 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 20.01.2017, 17:35

Es lässt sich eine globale geopolitische Stabilität nicht erreichen,
ohne dass wir auf der Nordhalbkugel vier Platten etablieren, die (1) in
sich gefestigt sind, (2) frei gegeneinander schwingen können und (3)
nicht in die inneren Angelegenheit des je anderen eingreifen. Diese
vier politischen Kontinentalplatten sind Nordamerika, Europa, 'Russland',
China. Im Augenblick findet (schmerzhaft) die Festlegung der Platten- bzw.
Einflusssphärengrenzen statt. Das wird sich (schmerzhafter) noch etwas
fortsetzen.

Das klingt nach naturgesetzlichen Vorgängen, einen wirklichen Grund warum die Welt sich so entwickeln sollte, sehe ich nicht.

Das liegt schon daran, dass "Größe", anders als angenommen und suggeriert, kein Garant für E̶i̶n̶f̶l̶u̶ß̶ Einfluss und Stabilität ist. Der Zustand der EU lässt ganz andere Ursachen für Stabilität vermuten, ideologische Einigkeit zum Beispiel. Der (militärische) E̶i̶n̶f̶l̶u̶ß̶ Einfluss der USA legt außerdem nahe, dass man einen total ausufernden MIK benötigt, um in dieser Liga überhaupt mitspielen zu können.

Warum die "4 Platten" dann plötzlich Ruhe geben sollten, e̶r̶s̶c̶h̶l̶i̶e̶s̶s̶t̶ erschließt sich mir auch nicht. Was wir als Einwohner von derartigen geostrategischen Planspielen haben, kann ich mir hingegen sehr lebhaft vorstellen. Demokratie ist in diesem Szenario nämlich nicht mehr vorgesehen und vermutlich nicht mehr in nennenswerten Umfang möglich. Souveränität, Rechtsstaatlichkeit und eigene Kultur sind auch verzichtbar, wenn es um "Einflusssphären" geht.

Es stimmt schon: Sowohl die USA, wie wahrscheinlich auch Russland, haben kein Interesse an einem starken Europa, andererseits sollte man eine Sache eben nicht allein deshalb gut finden, weil die anderen sie nicht mögen...

Ein Europa der Vaterländer, mit einem starken eigenen Verteidigungsbündnis und ohne geostrategische Ambitionen, gefiele mir persönlich am besten.

Bismarck stand seinerzeit vor einem ähnlichen Problem (innere Einigung,
damals Deutschland, und gleichzeitig äußere Balance, damals
gegenüber R, F, GB).

Fraglich ist lediglich, ob das so eine gute Idee war, mit dem geeinten Deutschland. Seitdem zielen alle Anstrengungen des Auslands darauf, uns schwach zu halten und gegen andere auszuspielen. Die EU war u.a. ein Versuch, Deutschland zu bändigen und einzubinden. Der neue kalte Krieg ist der Versuch, Deutschland von Russland fernzuhalten, siehe auch STRATFOR:
https://www.youtube.com/watch?v=9fNnZaTyk3M

Wir sind durch unsere Stärke nicht besser geschützt, sondern vermehrtes Ziel von Zersetzungsversuchen. Und was hat es uns sonst gebracht? Von zwei Weltkriegen abgesehen? Zahlmeister von Europa, Exportüberschüsse auf Teufel komm raus und ein gerüttelt Maß Selbsthass, Bürgerferne und Kulturverlust.

könnte auch klappen, doch ist hier in Europa eben diese weitsichtige
Vernunft nicht vorhanden - und die anderen (China, USA) wären aktuell noch

Gott sei Dank ist diese Art "Vernunft" nicht vorhanden! In meinen Augen öffnet Trump uns ein Fenster einen eigenen Weg zu finden.

zu misstrauisch. Wir brauchen's nicht zu diskutieren, es ist kein Thema
gegenwärtig, aber die "vier Platten und drei Bedingungen" sind das
imaginäre geopolitische Kraftfeld, um das die Geschichte der nächsten
Jahrzehnte pendeln wird (mit teils heftigen Ausschlägen).

Aus denen man sich so gut als möglich heraushalten sollte.

nur als eine Föderation, als ein Bund organisiert werden. Der Ansatz
"Brüssel, Kommission, Bürokratie" etc. (letztlich auf die CIA
zurückgehend) muss komplett rückabgewickelt werden.

Da stimme ich zu, allerdings frage ich mich, ob es überhaupt sehr viel mehr als ein Verteidigungsbündnis geben sollte. Die offenen Grenzen waren immer eine oberflächlich durchdachte Idee, der Binnenmarkt kann bilateral geregelt werden und wird hoffentlich (schon damit unsere kranken Überschüsse und die Steuerflucht aufhören) protektionistischer werden. Über eine gemeinsame Währung müssen wir wohl nicht reden...

Neben den äußeren (geopolitischen) Notwendigkeiten

Es gibt keine Notwendigkeit!

(allein Beispiel Bewegungsfreiheit), wieder aufgeben wollen.

Das ist doch nur ein Lockvogel gewesen, um uns die Nachteile schmackhaft zu machen. Für die zwei Wochen (innereuropäischen) Urlaub, wo das evtl. eine Rolle für eine nennenswerte Zahl Menschen spielt, sind die Nachteile viel zu gravierend.

Und mit Freizügigkeit ist es nicht so weit her, man muss sich immer noch auf ein fremdes Justiz- und Behördensystem einstellen, eine fremde Sprache lernen und mit einer anderen Mentalität klarkommen. Natürlich ist es sinnvoll da Hürden abzubauen, aber dafür braucht man keine EU.

Nationalstaatlichkeit zurück will, dann ist er schon von vorneherein
verloren.

Ganz im Gegenteil. Die Nationalstaaten haben sich bewährt, was man von diesem Einigungswahn ala EU nicht behaupten kann. Alle Großreiche sind früher oder später wieder zerfallen oder leiden unter ihrer Größe und Trägheit (Indien zum Beispiel).

Viel dringender wäre eine Demokratisierung, denn mit dieser sind diese wahnhaften geostrategischen Spielchen viel schwerer. Erst recht, wenn der Souverän "Neutralität" verordnet und damit die mit "den dicken Eiern" zurückpfeift:
https://de.wikipedia.org/wiki/Neutralit%C3%A4t_der_Schweiz

Danke

Andudu, Freitag, 20.01.2017, 23:04 vor 2735 Tagen @ Rechtschreibkorrektur 3326 Views

E̶i̶n̶f̶l̶u̶ß̶ Einfluss
e̶r̶s̶c̶h̶l̶i̶e̶s̶s̶t̶ erschließt


Bitte mal hier schauen:
http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/doppel-s-und-scharfes-s

Na wenigstens mache ich mich nicht unbeliebt, wenn es sich um "beliebte Fehler" handelt :-)

Muss ich nur noch ins richtige Land ziehen, ich zitiere Regel 160:
"In der Schweiz kann das ß generell durch ss ersetzt werden"
http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/doppel-s-und-scharfes-s

Ich muss gestehen, dass ich mit "scharfem s" immer Probleme hatte, weil man das in meinem Dialekt nicht hört und die Regeln zudem vollkommen willkürlich und reichlich sinnlos erscheinen (schon mal versucht sie einem Kind zu erklären?). Die Rechtschreibereform hat da irgendwie auch nicht für mehr Klarheit gesorgt, eher für noch mehr Verwirrung. Aber wegen falscher Rechtschreibung belehrt zu werden, ist wohl eine sehr deutsche Erfahrung. In diesem Sinne also gute Traditionspflege.

Aber kein Problem, ich werde die Rechtsschreibekorrektur im Firefox aktivieren, dann dürfte das nicht nochmal passieren.

Neutralität

Weiner, Freitag, 20.01.2017, 17:04 vor 2735 Tagen @ Andudu 3576 Views

bearbeitet von unbekannt, Freitag, 20.01.2017, 17:33

Hallo Andudu!

Ein Europa der Vaterländer, mit einem starken eigenen Verteidigungsbündnis und ohne geostrategische Ambitionen, gefiele mir persönlich am besten.

Viel dringender wäre eine Demokratisierung, denn mit dieser sind diese wahnhaften geostrategischen Spielchen viel schwerer. Erst recht, wenn der Souverän "Neutralität" verordnet und damit die mit "den dicken Eiern" zurückpfeift.

Das Erstere könnte der von mir zitierten Bestrebung Bismarcks in den damaligen (analogen) Konstellationen entsprechen.

Bismarck war beispielsweise streng gegen Gebietserwerb (sog. Diktat Kissingen 1877), und hat die Kolonialgeschichten (Dt. Südafrika etc.) eigentlich nicht gewollt. Dementsprechend sollte Europa heute, wie Du richtig sagst, ebenfalls auf geostrategische (Macht-) Ambitionen verzichten, und zwar am besten ab morgen schon (Ende Afghanistan, Syrien, Mali etc., Ende Konfrontationsschiene Russland).

Neutralität ist natürlich ein schnell hingeworfenes Wort, aber man muss sie auch durchhalten (siehe das inkonsequente Austria ...) und genau definieren. Bismarck verfolgte damals, auf D gemünzt, " eine politische Gesamtsituation, in welcher alle unser bedürfen und von Koalitionen gegen uns abgehalten werden". Ist ein bisschen mehr als Neutralität. Ist eigentlich Bindung. Wurde in den 1970ern und 1980ern wieder aufgegriffen in der Ostpolitik, KSZE, Wandel durch Handel etc. Ist heute komplett verloren.

Ja, die Neutralität muss bewaffnet sein. Trump wird vermutlich an der NATO-Schraube drehen, aber die Europäer werden wohl nur jammern - statt dass sie konsequenterweise die Sache in die eigene Hand nehmen. Letzteres würde Geld kosten, und braucht außerdem Know How, das hier aktuell nicht vorhanden ist - und sich eben beides mit "neokonservativer" Kleinstaaterei nicht organisieren lässt.

Notwendigkeiten: Du musst atmen. Und die Völker wollen futtern. Und es gibt, nicht nur unter Dinosauriern, einen systemischen Zwang, eine offene Option zur Größe. Die in der Abteilung Säugetiere waren anfangs kleine Mäuse, überlebten das Inferno, aber aus denen sind inzwischen auch Elefanten, Giraffen und Wale geworden. Einige noch größere Säugerspezies sind inzwischen sogar, weil zuu groß, schon ausgestorben. Damit das uns (wieder politisch gesehen) nicht auch widerfährt, muss man dem Größenwahn ins Auge schauen und so lange wie nur möglich gegensteuern, etwa mit Hilfe dessen, was Du 'Demokratisierung' nennst.

Neben diesen systemischen Zwängen gibt es gesetzesgleiche zyklische Strukturen in den historischen Entwicklungsprozessen. Ich werde meine kryptischen Bemerkungen hierzu bei gegebener Zeit aufklären. Zu wissen, was kommt, ist gefährlich. Aber man muss sich eben auch um diese Zusammenhänge bemühen, damit man weiß, welchen Handlungsspielraum man überhaupt hat. Der besteht nun wirklich mehr nicht darin, wieder neue Mauern zu errichten (gab's im Mittelalter, also vor dem Nationalstaat, um jede größere Stadt!!) oder vaterländische Flaggen aus dem Schrank zu holen.

Wir haben komplexe Identitäten, die sich wie Schuppen übereinander schichten: Familie/Freundeskreis/Geschäftspartner, die Gemeinde, die Region, der Staat, Europa/Abendland.

Zuerst aber mal ganz Mensch sein!

Grüsse, Weiner

Ja

Andudu, Samstag, 21.01.2017, 00:06 vor 2735 Tagen @ Weiner 3342 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 21.01.2017, 00:13

Bismarck war beispielsweise streng gegen Gebietserwerb (sog. Diktat
Kissingen 1877), und hat die Kolonialgeschichten (Dt. Südafrika etc.)
eigentlich nicht gewollt.

Verglichen mit dem Empire usw. war Deutschland ja auch eher moderat. Bismarck hatte vollkommen recht, denn letztlich haben die Kolonien vor allem Probleme gebracht und (wie immer) nur eine Minderheit reich gemacht.

Neutralität ist natürlich ein schnell hingeworfenes Wort, aber man muss
sie auch durchhalten (siehe das inkonsequente Austria ...)

Es funktioniert nicht in repräsentativen "Demokratien", einfach weil die Politiker zu korrupt und formbar sind. Die Nato und diverse Geheimdienste, sowie der entsprechende Medienapparat sind mächtiger, als die meisten glauben!

Gesamtsituation, in welcher alle unser bedürfen und von Koalitionen gegen
uns abgehalten werden". Ist ein bisschen mehr als Neutralität. Ist
eigentlich Bindung. Wurde in den 1970ern und 1980ern wieder aufgegriffen in
der Ostpolitik, KSZE, Wandel durch Handel etc. Ist heute komplett
verloren.

Ja, trotz Exportüberschuss. Von einem rohstoffarmen Land kann man halt nicht so wirklich abhängig sein. Andererseits lastet auch der Ressourcenfluch nicht auf uns. Es macht keinen Sinn uns zu überfallen und dabei alles zu zerstören, denn dieses Land ist eben nur durch seine Industrie und Menschen reich.

Solange wir uns also ruhig verhalten, eine friedliche und freundliche Außenpolitik betreiben und konsequent die Einmischung in unsere Angelegenheiten (Spionageabwehr!) und entsprechende Manipulationen verhindern, halte ich das für machbar.

Ja, das ist schwierig einzuhalten, sehen wir ja an den konzertierten Aktionen gegen Russland, aber bisher haben es die Russen geschafft, zurückhaltend und doch wehrhaft zu bleiben. Ich denke Deutschland könnte das auch, im Verbund mit anderen Staaten sowieso.

Ja, die Neutralität muss bewaffnet sein. Trump wird vermutlich an der
NATO-Schraube drehen, aber die Europäer werden wohl nur jammern - statt
dass sie konsequenterweise die Sache in die eigene Hand nehmen.

Das ist zu befürchten, zumindest im Falle Deutschlands. Die Marionetten haben ihren Spieler verloren und wissen nicht mehr, was sie tun müssen :-)

würde Geld kosten, und braucht außerdem Know How, das hier aktuell nicht
vorhanden ist - und sich eben beides mit "neokonservativer"
Kleinstaaterei nicht organisieren lässt.

Welches KnowHow sollte das sein?

Und ehrlich gesagt, finde ich Deutschland eher schon zu groß, als zu klein. Die optimale Größe eines Staates ist schwierig zu ermitteln, aber sie liegt ziemlich sicher nicht in den Extremen, sondern irgendwo in der Mitte (wie du mit dem Saurierbeispiel ja selbst anführst).

Ich sehe das eigentliche Hindernis eher in der Regierung bzw. unserem politischen System, welches immanent immer mehr und mehr unfähige Plappermäuler nach oben spült.

Neben diesen systemischen Zwängen gibt es gesetzesgleiche zyklische
Strukturen in den historischen Entwicklungsprozessen. Ich werde meine
kryptischen Bemerkungen hierzu bei gegebener Zeit aufklären.

Jetzt hast du mich neugierig gemacht. Aber ja, ich sehe auch "Zyklen". Aber meinst du nicht auch, dass die schon bisher in Öffnung und Schließung nach außen bestanden?

Wenn die Welt unsicher und feindlich wird, entdeckt man das Eigene und schafft sich da wieder Spielraum. Irgendwann ödet es einen dann wieder an und man nutzt die geschaffene Sicherheit dazu, sich wieder mehr zu öffnen, bis das Spiel wieder von vorn beginnt.

Zusammenhänge bemühen, damit man weiß, welchen Handlungsspielraum man
überhaupt hat.

Der da wäre?

Der besteht nun wirklich mehr nicht darin, wieder neue
Mauern zu errichten (gab's im Mittelalter, also vor dem Nationalstaat, um
jede größere Stadt!!) oder vaterländische Flaggen aus dem Schrank zu
holen.

So? Was dann? Offene Grenzen haben es nicht gebracht, Freihandel und versuchte Selbstauflösung auch nicht. Also wird es eine nationale Rückbesinnung geben, angesichts existenzieller Krisen (Banken, Flüchtlinge, Zerfall der EU usw.).

Das ist sinnvoll und muss nicht schlecht sein, kommt drauf an, was man daraus macht. Nationale Identität ist ein starkes psychologisches Moment...

Wir haben komplexe Identitäten, die sich wie Schuppen übereinander
schichten: Familie/Freundeskreis/Geschäftspartner, die Gemeinde, die
Region, der Staat, Europa/Abendland.

Zuerst aber mal ganz Mensch sein!

Das ist wohlfeil und sagt in unserer poststrukturellen Zeit nichts mehr aus. Was macht denn den Menschen aus? Sein Glaube? Sein Geschlecht? Seine sexuelle Orientierung? Sein Vermögen? Seine Sozialisation? Seine Gene?

Es macht m.E. Sinn, Menschen nach ihrer Sprache und historischen Erzählung zusammenzufassen, schon weil es effektiv ist. Alle Abweichungen und Öffnungen sind strikt direktdemokratisch zu handhaben.

Menschen sind eben nicht alle gleich (sonst wären es deren Staaten auch). Ebenso wie ich nicht in einem maoistischen Arbeitslager ohne Familie vegetieren möchte, will ich auch nicht in einer Welt ohne eine übergeordnete Nation mit eigener Sprache, Kultur und demokratischem Handlungsspielraum leben. Ich empfinde das nicht als rückwärtsgewandt, sondern als Rückbesinnung auf Funktionierendes, nachdem all die großen Utopien gerade zerbrechen.

Ich bin da auch ganz bei Trump und Bannon, wobei die eher noch auf der ökonomischen Schiene fahren, "ökonomischer Nationalismus":
https://ef-magazin.de/2017/01/12/10406-donald-trump-stephen-bannon-und-der-oekonomische...
was mir etwas zu kurz springt.

Die Nation als etwas Negatives zu sehen, ist wahrscheinlich eh nur eine sehr deutsche (historisch begründete) Eigenschaft. Verstärkt noch durch die Einigungserfahrung der Deutschen, die aber nur sehr bedingt auf z.B. Europa anwendbar ist...

US-Abgeordnete mit erschütterndem Bericht aus Syrien

Monterone @, Sonntag, 29.01.2017, 16:27 vor 2726 Tagen @ nereus 3038 Views

Tulsi Gabbard: *Die Syrer flehen uns an, damit aufzuhören, die Terroristen zu unterstützen.*

http://www.egaliteetreconciliation.fr/Tulsi-Gabbard-sur-CNN-Les-Syriens-nous-supplient-...

Nicht nur die verbal übermittelten Informationen, auch die Bilder im Hintergrund zeigen, welche Folgen es hat, wenn in einem Land die US-Democracy einzieht.

Ähnlichkeiten mit Hamburg, Köln, Würzburg, Pforzheim und Dresden nach dem Besuch der alliierten Bomberflotten sind garantiert kein Zufall.

An den Einwürfen des Moderators wäre zu erkennen, wie alles, womit die westlich-amerikanische Wertegemeinschaft ihre Politik begründet, auf nichts anderem beruht als Lügen, Lügen und nochmals Lügen.

Monterone

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