Lassen Sie es mich mit einem "kulinarischen" Vergleich ausdrücken:

LePenseur ⌂, Freitag, 07.06.2024, 15:32 (vor 41 Tagen) @ MausS3192 Views

Geschätzter Kollege MausS,


Sie sind auf einer Geschäftsreise nach einem Arbeitstag ziemlich hungrig und beschließen daher, ein Restaurant zu besuchen. Sie nehmen Platz und studieren die Speisekarte ...

Welche Gerichte auf dem Menü stehen - darauf haben Sie keinen Einfluß. Sie wissen auch nicht, ob sich nicht hinter einem "Kalbsbutterschnitzerl" bloß ein ziemlich ordinäres Fleischlaberl*) (das nur ganz von fern ein Kalb hat muhen hören) verbirgt. Welche Mogelpackung sich hinter gestelztem Küchenfranzösisch verbirgt. Ob der Wein korkt ... etc. pp.

Bei keinem der angebotenen Gerichte wissen Sie, ob es aktuell gut ist - denn auch wenn Sie beim letzten Mal das Schnitzel zäh und geschmacklos fanden, wissen Sie ja deshalb nicht, ob es diesmal besser, gleich schlecht oder gar noch schlechter ist (vielleicht hatte einer der der Köche Streit mit seiner Frau und verhaut daher jedes Gericht - oder, umgekehrt, war das damals vielleicht der Fall...?)

Der Ober, den Sie um Rat fragen könnten, wird Ihnen vermutlich auch nicht die Wahrheit sagen, denn der wird vom Restaurantbetreiber bezahlt und vermutlich Anweisung haben, die Bestellungen ein bisserl zu "steuern" .. damit auch Ladenhüter wegkommen).

Sie können theoretisch andere Gäste, die in der Nähe sitzen, fragen, was sie gerade essen und wie's schmeckt - aber wissen Sie, welch perversen oder abgestumpften Geschmack genau dieser Gast vielleicht hat?

Sie können (heutzutage) Ihr Smartphone wegen "Erfahrungsberichten" konsultieren - nur: wissen Sie, ob die Fakes von einer PR-Agentur sind, oder "echt"?

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Legende: der "Ober"**) im Vergleich sind die Systemmedien; "andere Gäste" die Alternativmedien, die Sie zufällig kennen; "Erfahrungsberichte" die Meinungsumfragen, Wahlomaten etc.

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Fazit: Sie sind weitestgehend dem Zufall ausgeliefert. Im Restaurant bei der Bestellung ebenso wie in der Wahlkabine beim Ankreuzen.

NUR: was wäre denn die Alternative für Sie? Nicht ins Restaurant zu gehen und lieber zu hungern? (Dafür "sicher" sein, keinen Durchfall oder Brechanfall zu erleiden! Sättigt Sie das?)

Sie können natürlich einwenden: essen muß man, sonst verhungert man irgendwann. Wählen "muß" man nicht.

Gegeneinwand meinerseits: wenn Sie nie wählen, dann wählen die andern für Sie, oder, um bei Vergleich zu bleiben: Sie werden zwangsernährt, weil Sie entkräftet umgefallen sind (okay, okay ... jeder Vergleich hinkt ...)

Im Klartext: was haben Sie davon, die Kräfteverteilung zwischen ganz, halb und gelegentlich fast überhaupt nicht durchgeknallten Polit-Astlöchern dem Gutdünken anderer, die Sie gar nicht kennen, zu überlassen. Würden Sie etwa im Restaurant dem Herrn am Nebentisch die Wahl überlassen, ob Sie Schnitzel oder Rindsroulade vorgesetzt bekommen - oder gar was nachhaltig "Veganes"?

Nein, sorry, da wähle ich mir mein Unglück doch lieber selber ...


P.S.: weil Sie die Zahl der Nichtwähler 1933 wissen wollten: es waren 11,26% der Wahlberechtigten. Und - was hat's ihnen genutzt ...?


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*) für Piefkes: Frikadelle, Boulette - nur daß in Österreich sogar ein Fleischlaber vermutlich schmackhafter ist *schnell wegduck* ...
**) für dieselben: hat nix mit Skat zu tun, sondern ist in Wien der "Oberkellner", zu dem traditionell jeder Kellner, der nicht gaaanz grün hinter den Ohren ist, von den Gästen ehrenhalber befördert wird: "Herr Ober, bitte zahlen ..."

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LePenseur


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