Von Armut sind in erster Linie die Geschiedenen betroffen. +++ Spezielle Situation Ostdeutschland +++

Plancius, Montag, 01.04.2024, 12:08 (vor 48 Tagen) @ Otto Lidenbrock3188 Views
bearbeitet von Plancius, Montag, 01.04.2024, 12:11

Da ich nun so langsam auf die 60 Lenze zumarschiere, verfüge ich so über einige Erfahrungswerte an Neurentnern im Bekanntenkreis. Bezieht sich jedoch auf das Gebiet Ostdeutschlands.

Generell kann man für den Osten Deutschlands folgendes sagen.

- Je weiter der Rentenbeginn vom Jahr der Wiedervereinigung 1990 entfernt ist, desto geringer ist die Rente. Die DDR-Einkommen werden in der Rentenberechnung auf das durchschnittliche Westeinkommen der 80er Jahre hochgerechnet. Für die Zeit nach 1990 ist wiederum das geringe Osteinkommen entscheidend. So bekommt ein heute 85jähriger, der 1990 mit 60 Jahren in Frührente gegangen ist 1.700 EUR Rente, während sein 20 Jahre jüngerer Kollege jetzt mit 65 Jahren mit 1.150 EUR in Rente geht.

- Die ehemals in der DDR in der Landwirtschaft Beschäftigten bekommen nach wie vor eine sehr kleine Rente. Die beträgt auch bei heute 85jährigen häufig nur 700 EUR, so dass fast alle Rentner dieser Gruppe Zuschläge vom Sozialamt bekommen und auf Höhe des Bürgergeldes aufgestockt werden.

- Betriebsrenten spielen in Ostdeutschland so gut wie gar keine Rolle, während die Betriebsrenten in Westdeutschland in vielen Fällen die Höhe der gesetzlichen Renten übersteigt. Zum Beispiel haben Rentnerehepaare, die jetzt 80 Jahre und älter sind und früher in der Chemieindustrie (Bayer, BASF, ...) gearbeitet haben, eine gemeinsame Bruttorente incl. Betriebsrente von mindestens 7.500 EUR.

- Verbeamtete Pensionäre haben auch im Osten Deutschlands das große Los gezogen. Gehen sie jetzt in Rente, bekommen sie weit über 2.000 EUR Pension.

- Besonders von Armut betroffen sind diejenigen, die sich vor dem Renteneintrittsalter haben scheiden lassen. Nach 45 Beitragsjahren bekommt ein Jeder durchschnittlich 1.150 EUR Rente. Muss davon jeweils ein separater Hausstand finanziert werden, so reichen die 1.150 EUR Rente hierfür vorn und hinten nicht mehr. Aus diese Gruppe kommt daher ein großer Teil der noch als Rentner Arbeitenden. Ohne Zusatzeinkommen ist das Leben mit Miete, Heizung, Strom, weitere Nebenkosten, Mobilität, Nahrungsmitteln nicht zu finanzieren.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER


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