Das ist Schwarz-Weiß-Malerei

helmut-1, Siebenbürgen, Mittwoch, 13.03.2024, 22:51 (vor 94 Tagen) @ JJB1795 Views

Die Ideen von Attali sind mir geläufig. Aber die haben eine spezielle Eigenheit, die sich niemals in einer zivilisierten Gesellschaft etablieren darf:

Bei Attali entscheidet nicht mehr der alte/kranke Mensch selbst, was das Ableben betrifft, sondern andere entscheiden darüber. Das wäre fatal.

Wenn ein kranker Mensch, der keine erfolgversprechenden Aussichten mehr auf Genesung hat, und dazu noch ein gewisses Alter erreicht hat, dazu durch sein Leiden täglich enormen Qualen ausgesetzt ist, die er möglicherweise nur mehr unter starker Morphiumgabe ertragen kann, dann soll ihm die Entscheidung über sein Weiterleben überlassen bleiben, sofern er im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Oftmals geht es doch dann nur mehr darum, den Leidensweg abzukürzen, da er vermutlich sowieso ein paar Monate später seiner Krankheit erliegt.

Das Beispiel mit der Familie hinkt, weil z.B. auch dann, wenn sich Demenz oder Alzheimer eingestellt hat, kein Familienangehöriger genau wissen kann, was im Gehirn und folgerichtig im wahren Willen des Patienten vorgeht.

Aber die Ansätze für so eine menschenverachtende Tendenz sind teilweise schon absehbar. Damit meine ich, dass bei altersbedingten Operationen (z.B. künstl. Hüftgelenk) oder auch notwendigen Organ-Transplantationen der alte Mensch zunehmend aufs Abstellgleis geschoben wird. Ihm wird eine längere Wartezeit zugemutet, nach dem Motto, wie es auf manchen Aktendeckeln in der öffentlichen Verwaltung zu lesen ist: "Erledigt durch längeres Liegenbleiben".


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