Die Kirche hat fertig in ihrer jetzigen Form

re-aktionaer, Sonntag, 25.02.2024, 19:24 (vor 53 Tagen) @ helmut-12080 Views

Ich bin der Ansicht, dass die Kirche am absteigenden Ast ist, weil sie beliebig wurde. Sie hat ihre Überzeugungen für eine vermeintliche Modernisierung verraten. Das 2 Vatikanische Konzil war hier der Anfang vom Ende. Denn es hat eine Glaubensgemeinschaft mit strengen Regeln in einen beliebigen Sozialverein verwandelt. Kein Teufel mehr, keine Hölle und letztendlich auch kein Gott. Der Priester ist im gesellschaftlichen Ansehen von der absoluten Respektsperson und Inhaber der Wahrheit zum schrulligen Aussenseiter geworden. Mit der Entscheidung, Priester zu werden ist heute keinerlei Sozialprestige verbunden, entsprechendes Personal hat die Kirche dadurch heute - Sonderlinge, die vielleicht in ein Kloster passen, jedenfalls aber nicht im Leben stehen und normale Leute ansprechen.
Interessanterweise wurde durch die Dummheit des 2.Vatikanums nicht einmal das beseitigt, was beabsichtigt war - das verstaubte Image. Das ist der Kirche nämlich geblieben. Und die Menschen die früher im Weihrauchdunst ihre Rosenkränze beteten und die Heiligenbilder sammelten, sind in den Esoterikshop gegangen und hocken jetzt mit ihren Klangschalen rum.

Um es im Marketingsprech zu sagen: Die Kirche hat ihren USP zerstört. "Gemeinde" ist nicht genug und "Nächstenliebe" klingt gut aber ist nicht das, was Menschen an Religionen bindet.

Der Glaube an den Besitz der ultimativen Wahrheit, die Befriedigung des Wunsches der durchschnittlich Begabten durch konformes Verhalten "etwas besseres zu sein", die Gewissheit "Auf der richtigen Seite" zu stehen und spirituell mystische Zeremoniale - das sind die wahren Motive der Menschen, in die Kirche zu gehen.
Aus genau diesem Grund liegt die Zukunft der Kirche, so sie eine hat, bei den Radikalen. Nur sie haben den notwendigen Fanatismus um neue Schäfchen zu werben, in ihrem Umfeld sozialen Druck auszzuüben und die Leute in die Kirchen zu treiben. Nur sie haben noch den USP - "Mystik" "Suprematismus" und "Dogma". Nur sie schnallen den Bußgurt enger, predigen von der Kanzel und beten auf Latein, dampfen die Leute mit Weihrauch zu und hauen in die Orgel! So muss Katholizismus.

Wohlwissend um die Blödheit meiner Mitmenschen ist mir auch bewusst, dass deren gesellschaftlich spirituellen Bedürftnisse irgendwie befriedigt werden müssen und die christliche Kultur hier momentan die erträglichste am Markt vorhandene Triebabfuhr darstellt. Auf der anderen Seite wird die Marke aber im Moment so schlecht geführt, dass auch Leute wie ich keinen Anlass mehr sehen, dabei zu bleiben. Es ist ein seidener Faden aus Traditionalismus, Hoffnung und Antipathie gegenüber den anderen Religionen und Linken Kirchenhassern die mich noch an den Verein bindet. Ich merke aber, wie meine Lust, diesen zu durchtrennen seit Corona und Flüchtlingskrise größer wird.

Mein soziales Leben in der Kirchengemeinde habe ich bereits 2015 durch eine schlichte Frage beendet. Als Herr Pfarrer und seine fleissigsten Schäfchen sich im Flüchtlingshelfen ergingen und es kein anderes Thema mehr in den Predigten gab, wagte ich im Pfarrcafe anzumerken, dass auch die Mission unsere Christenpflicht sei und ob sie sich auch darum mühen würden den armen Heiden aus dem fernen Afghanistan von unserem Herren Jesus Christus zu berichten und ob schon fleissig getauft werden würde.
Wie es in diesen Kreisen üblich ist, sagte man darauf gar nichts sondern überging, peinlich berührt die unangenehme Frage um fortan mit mir nicht mehr zu reden. Soviel zu gehet hin... Meine Sonntage verbringe ich seither lieber im Museum und die wenigen Feiertage, die mich noch in die heiligen Hallen bringen erinnern mich an die zehn kleinen Negerlein, die mit jeder Strophe weniger werden.

Ach ja und dann ist da noch die Sorge der Kirche um die Seelen der verbliebenen Schäfchen. Ich erhalte ja regelmäßig Post von ihr. Ein Brief, möchte man meinen wie es mir geht, oder warum ich nicht mehr so oft in die Messe komme. Customer Care... Mitnichten! Sämtliche schreiben, die ich von diesem Verein bisher erhalten habe, drehten sich um Geld, nämlich die Kirchensteuer die ich gefälligst entrichten soll. Das ist nämlich das einzige, was die frommen Jünger Jesu tatsächlich an mir interessiert und ich bin der festen Überzeugung an Alten und Flüchtlingen ebenso. Viele Aktivitäten wären in dem Augenblick beendet, in dem die Republik der Caritas das Geld dafür nicht mehr rüberschiebt.

Aus all diesen Gründen sehe ich keine Zukunft, es sei denn, die Fundis übernehmen das Ruder, aber dafür ist es wahrscheinlich auch schon zu spät.


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