Der Niedergang unserer Kultur, oder: Das Dilemma, deutsch zu denken.

helmut-1, Siebenbürgen, Dienstag, 16.01.2024, 11:59 (vor 92 Tagen)3414 Views

Dieser Artikel wurde bereits heute im Penseur veröffentlicht.

https://lepenseur-lepenseur.blogspot.com/2024/01/der-niedergang-unserer-kultur-oder-das...

Nicht jeder liest den Penseur, zumal es sich um ein in Österreich ansässiges Forum handelt. Deshalb sind auch mehrere Wörter dabei, die "spezifisch" österreichisch sind. Wenn das jemand nicht versteht, ich "übersetze" es gerne.

Aber der Inhalt ist, so denke ich, auch für den interessant, der in Flensburg wohnt. Deshalb drucke ich es hier nocheinmal ab.

Zu Beginn möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass ich mich nicht immer der „gewählten“ Sprache bediene, sondern oft auch ins Triviale verfalle, so, wie mir eben der Schnabel gewachsen ist. Natürlich hat jeder, der auf diesen Artikel antworten will, dasselbe Recht dazu.

Worum geht’s:

Ein Video über einen Bericht in einem Flugzeug hat mich nachdenklich gemacht. Sehr nachdenklich sogar. Da sitzen Leute aus Rumänien in dem Flugzeug, zusammengewürfelt, und anlässlich des rumänischen Staatsfeiertages am 1. Dezember sind ein paar Musiker in dieser Passagierliste, die ein Lied anstimmen.

Welches Lied: Nicht die rumänische Nationalhymne, sondern ein anderes Lied, das die Zusammengehörigkeit der Rumänen zum Inhalt hat. Der Refrain: „Noi suntem romani“ was so viel heißt, wie „Wir sind Rumänen“. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht und mich zu diesem Artikel bewegt.

Man muss wissen, (und ich weiß das, nach zwei gelebten Jahrzehnten in diesem Land), dass es fünf grundsätzlich unterschiedliche Regionen in Rumänien gibt. Dazu kommt, dass manche dieser Regionen oftmals abfällig über die andere Region urteilen, so was wie Lokalpatriotismus. Aber, wenn es um das Land, um den Staat, um die Gemeinsamkeit geht, dann stehen sie alle zusammen. Sehr eindrucksvoll in dem Video in diesem Flugzeug zu erkennen.

https://www.facebook.com/watch/?ref=saved&v=319023407564558

Haben wir so etwas, in dem Sinne , wie die Rumänen singen. „Wir sind Österreicher“??? Nein, so was haben wir nicht. Wir haben nur unsere Nationalhymne, und daran wurde bereits herumgedoktert, aus irgendwelchen neumodischen Gründen. Diese Hymne wird bei offiziellen Anlässen gesungen, aber ich habe sie noch niemals gehört, wenn ein ungeplantes Zusammentreffen von Österreichern aus verschiedenen Gegenden unseres Landes stattfindet. Allenfalls, wenn bei einer Sportveranstaltung so was von den Organisatoren angeordnet wird.

Sind wir doch einmal ehrlich: Ist so was wie in dem Flugzeug vorstellbar, wenn da Österreicher drinsitzen? Wir haben doch nicht einmal ein Lied, das dieser Äquivalenz entspricht. Meine Frau hat sich während eines Fluges nach Florida geschämt, sich zu erkennen zu geben, dass sie mit einem Österreicher verheiratet ist. Der Grund dafür war, dass sich da eine Menge Leute, die vermutlich aus einem Hausmastermilieu aus einem der Arbeiterbezirke Wiens stammten, und denen ein frei gewordener Bausparvertrag die Möglichkeit dieser Reise gegeben hat, sich in einer Form im Flugzeug aufgeführt haben, dass man sich da eigentlich nur mehr schämen konnte.

Ja, wir haben in Österreich eine Form des Patriotismus, aber das ist immer nur ein Lokalpatriotismus. In vielen Orten habe ich das selbst erlebt, egal ob das im Lavanttal oder im Mühlviertel war. Aber wir haben nichts, was uns als Österreicher in der Gesamtheit emotional verbindet. Vielleicht gab‘s da mal Ansätze, aber die sind vermutlich im Sand verlaufen.

Wenn ich jetzt noch weitläufiger denke, dann bin ich sowieso schnell am Ende. Unsere deutsche Kultur, unsere Muttersprache, - wo befindet sich denn dafür die Wurzel? Dass das Deutschtum seine Wiege in der Nibelungensage hatte, das ist meine persönliche Auffassung, die nicht jeder teilen muss. Aber diese Nibelungensage hat sich geografisch von Südtirol bis in den Odenwald (heute Baden-Württemberg resp. Hessen) abgespielt. Damals gab‘s diese Grenzen, die die Herrschenden unserer Welt gezogen haben, noch nicht.

Daraus hat sich unsere Kultur entwickelt, mit Leuten, die genauso keine Grenzen kannten. Goethe, Schiller, Grillparzer, Strauß, Beethoven, - wie viele soll ich noch aufzählen. Wie dumm ich war, das einfach nachzuplappern, um z.B. den Bayern aus Rosenheim als „Piefke“ zu bezeichnen, das wurde mir aber erst bewusst, als ich mich mit Bayern auf der Fähre zum Nordkap getroffen und mit denen gesprochen habe.

Man muss halt viel reisen, nach Möglichkeit auch in andere Kontinente, um sich einfach einen Überblick zu verschaffen. Solange man sich nur in seiner Zwei-Zimmer-Kuchl-Wohnung im Gemeindebau aufhält, kann man das nicht beurteilen. Ich habe Leute in entlegenen Dörfern in Siebenbürgen angetroffen, die niemals aus ihrem Dorf herausgekommen sind, und die haben das Nachbardorf bereits als halbes „Ausland“ betrachtet.

Zurück zu uns. Stellen wir uns doch einmal vor, dass wir als Österreicher eine geschlossene Linie bilden. Stellen wir uns weiter vor, in Deutschland macht man dasselbe. Und dann stellen wir uns mal vor, dass wir als Angehörige der deutschen Kultur gemeinsam vorgehen und uns gemeinsam gegen den Unsinn wehren, der von Brüssel kommt.

Was würde dann passieren? Wenn dazu noch die Holländer oder/und die Franzosen kommen würden, dann hätte doch die liebe Ursula in kurzer Zeit ausgeschissen. Wenn wir dann noch lernen würden, uns mit diesem Europa, in dem wir leben, ernsthaft auseinanderzusetzen, dann gäbe es noch ganz andere Komponenten. Die Zeiten, wo wir uns auf begrenztem territorialem Raum aufhalten und unsere Denkweise darauf ausrichten mussten, die sind doch längst vorbei. Die Entfernungen in diesem Europa wurden doch durch die Verkehrsmittel schon längst gekappt.

Fast jeder hat in anderen Ländern Kinder, Verwandte, Freunde, und ist sehr wohl in der Lage, diese auch zu besuchen. Sofern er das überhaupt will. Das aber verpflichtet uns zumindest moralisch, uns auch damit auseinanderzusetzen, mit welchen Problemen man in anderen Ländern konfrontiert wird. Dann öffnet sich unser Horizont für eine Beurteilung, die uns davor unser limitierter Tellerrand nicht ermöglicht hat.

Was würde passieren, wenn sich gewisse Gruppierungen in verschiedenen Ländern zusammenschließen und eine einheitliche Front bezüglich der europäischen Forderungen erheben würden: Le Pen, AfD, FPÖ. AUR (Rumänien) , die Partei von Wilders, etc.?

Vielleicht gibt es da schon Tendenzen, aber ich habe noch nie etwas davon gehört. Diejenigen, die das Sagen haben, beginnend mit Brüssel und weiter in den nationalen Regierungen, die haben ein vorrangiges Interesse daran, dass sich solche weitreichenden Zusammenschlüsse niemals etablieren können. Divide et impera (Teile und herrsche), das hat schon Cäsar mit Erfolg praktiziert.

Deshalb werden wir uns in unserem Kleinbürgertum und unserer beschränkten Sichtweise weiterhin wohlfühlen und darauf hoffen, dass es die Politiker schon richten werden. Wir werden weiterhin ins Beisl am Eck gehen und dort lauthals unsere Thesen verkünden, weil wir sicher sind, dass es dort niemand hört. Wir werden weiterhin in Foren und den sozialen Medien unsere Meinung verkünden und darauf stolz sein, wie verwegen wir sind. Aber in Wirklichkeit sind wir doch arme Schleimscheisser, denen nichts anderes gebührt, als das, was wir täglich erleben.

Denn ein alter Mann hat mir schon vor 50 Jahren mal etwas erklärt:

Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient. Die Politiker kommen weder von einem anderen Stern, noch werden sie in der Retorte produziert. Die Politiker sind der Spiegel des Volkes. So, wie das Volk ist, so sind auch seine Politiker.

Wenn man dann die Situation in dem künstlichen Gebilde, genannt EU, vergleicht, dann gehen einem die Augen auf. Nicht nur, dass z.B. die Krankenversicherungen noch lange nicht angeglichen sind, nicht einmal die Verkehrsregeln, usw. Dafür aber hat man den Euro ganz schnell eingeführt, weil hier übergeordnete finanzielle Interessen maßgeblich waren. Zum Nachteil der Völker natürlich.

Ein kleines Beispiel für die katastrophale Lage der EU will ich im link für die Renten/Pensionsversicherungen anführen. Wenn man den Bericht weiter nach unten scrollt, und sich die Tabelle ansieht, dann kann man nur mehr den Kopf schütteln.

https://www.merkur.de/leben/geld/deutschland-rente-vergleich-europa-netto-lohn-prozentu...


Nun kann sich jeder, der in Deutschland lebt, über sich und Deutschland so seine Gedanken machen, inwieweit man das umlegen kann.


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