Leserzuschrift: Die Krise steht nicht nur vor der Tür ...

Plancius, Dienstag, 12.09.2023, 15:54 (vor 276 Tagen) @ Dieter2667 Views
bearbeitet von Plancius, Dienstag, 12.09.2023, 15:59

... es knirscht an alle Ecken und Kanten. Einige Beispiele:

Raffinerie eines wichtigen Rohstoffs der Farben und Kunststoffindustrie (kein Erdöl).
Rohstoffeinkauf erfolgt über ganz Kontinentaleuropa, die Liefermengen sind um gut 1/3 auf etwa 65-70% eingebrochen. Damit Auslastung an, bzw. knapp über der Grenze zur roten Null. Dauerhaft nicht darstellbar aufgrund der Fixkosten und Energiekosten. Auslastung muss min. 85-90% betragen. Wie in vielen Bereichen, verdient das letzte 1/10 den Betriebsgewinn. Absehbar keine Besserung in Sicht.

Chemieindustrie, ebenfalls Rohstofflieferant für Kunststoffe Automobilindustrie. Nennen wir den Betrieb "D".

Kaskadeneffekt, Anlage wird für 7-9 Wochen unter Volllast gefahren, bis alle Tanks, Kesselwagen und angemieteten Lagerstätten gefüllt sind, danach erfolgt Abstellung für 10 Wochen. Bei der Abstellung geht als nächstes der Ausgangsstoffbetrieb in Abstellung, da ja keine Abnahme, danach weitere in der Kaskade hängende Betriebe, weil wiederum Zwischen- und Nebenprodukte fehlen, die die daran angeschlossene Anlagen nicht mehr erhalten.

Der Nachfrageeinbruch bei "D" sorgt dafür, dass "C" ebenfalls aus der Produktion fällt, was dann Kraftwerk "B" zur Abstellung zwingt, weil diese enorme Strommengen an "C" liefern (nämlich der Jahresverbrauch der Stadt Gelsenkirchen für eine Größeneinordnung!), was im weiteren Verlauf dann "E" zur Abstellung zwingt, weil ein Nebenprodukt von "C" und "D" bei "E" fehlt.
Im Ergebnis sind bei "D" etwa 75 Mitarbeiter betroffen, im gesamten über die Kaskade dann annähernd 450 MA!

Weiterhin kostet das Abstellen und Anfahren an Reinigungskosten und weiteren Dienstleistungen jedes mal um die 250.000 €. Der Anlagenbetreiber gehört zu den großen Chemiekonzernen der Welt.

Mehrere Steuerberater aus meinem Umfeld berichten nicht mehr von einer bevorstehenden Insolvenzwelle, sondern von einem anstehenden Insolvenztsunami.

Mittelstand und Handwerk aus meinem Kundenumfeld: Die Auftragsbücher sind leer, ratzefatze leer. Noch liegen abzuarbeitende Aufträge vor, Laufzeit bis max. Ende Q.1/24. Danach ist Ende und die Signale seitens gewerblicher Abnehmer, als auch privater Konsumenten sind massive Zurückhaltung. Alle und Jeder fährt derzeit den Lagerbestand runter, auch bei drohendem Materialmangel will keiner Vorräte (=gebundenes Kapital) vorhalten. Cash ist King.

Größerer Stahlverarbeiter: Auftragsannahme und -abwicklung nur noch bei Materialanlieferung durch den Auftraggeber. Eine Eigenbeschaffung ist nicht mehr darstellbar, Tagespreise und Lieferschwierigkeiten machen eine Kalkulation unmöglich. Daher wird nur noch der Veredelungsprozess angeboten.
Großer Busreisebetrieb: Der Betrieb von ausgelagerten ÖPNV Strecken und Schulbus-Lohnfahrten ist so gut wie nicht mehr kalkulatorisch zu erfassen. Die Einstellung von Schulbuslinien aufgrund fehlender Finanzierbarkeit, sowie ÖPNV Pendelverkehr aufgrund geleerter öffentl. Kassen steht zur Disposition. Größenordnung: 50 MA und rd. 40 Busse kurz vor der Ausmusterung.

Was glaubst du, was hier los wäre, wenn die Leute wüssten, was hier los ist?

Die Wirtschaft der BRD steht nach meiner Einschätzung unmittelbar vor dem Kollaps. Tausende Stellrädchen und ineinander greifende Zahnräder knirschen und stehen vor dem Stillstand. Blockiert ein Rad in diesem Getriebe, steht alles.

Was der Winter in Punkto, Energie und Lebensmittel noch bringt, ist alles andere als positiv zu erwarten und ich gehe davon aus, dass spätestens 03/24 mit einem gewaltigen Rumms die ganze Karre stehen bleibt.

Wir haben fertig und die Ampel kann sich mit Mission Accomplished ans Revers heften: Wir haben das merkelsche Wir Schaffen DAS jetzt geschafft.

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER


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