Es geht nicht um die Wahrheit – Der Weg des Meinungsterrors in den totalitären Staat

Falkenauge, Freitag, 31.03.2023, 09:03 (vor 421 Tagen)3690 Views

Im heutigen Parteiensystem ist an die Stelle inhaltlicher Auseinandersetzungen um die Wahrheit und die rechten Wege gesellschaftlicher Gestaltung der politische Kampf um Teilinteressen getreten und um die Macht, sie gegen die Anderen durchzusetzen. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern im parteipolitischen Links-Rechts-Schema polar als extremistischer Demokratie-Feind verortet, um ihn auf diese Weise in der medial verseuchten öffentlichen Meinung persönlich zu diskreditieren, zu isolieren und auszuschalten. - Doch wer die Erkenntnis-Ebene verlässt und zur Diffamierung parteipolitische Einordnung betreibt, dem geht es nicht um die Wahrheit, sondern mit den Mitteln seelischen Terrors um die Macht.

Das Streben nach Wahrheit

Die Wirklichkeit ist viel größer und umfassender als die schmale Seite, die wir durch unseren gegenwärtigen Gesichtspunkt gerade erfassen. Halten wir diese bereits für die volle Wirklichkeit, leben wir im Vorurteil und in der Illusion. Kommen mehrere Menschen zusammen, kommt objektiv eine Vielfalt von Gesichtspunkten und Aspekten der Sache zusammen. Denn jeder steht biographisch an einem anderen Ausgangspunkt, von dem die Perspektive seines Wahrnehmens und Denkens bestimmt wird. In einem gemeinsamen Erkenntnisbemühen kommt es darauf an herauszufinden, von welchem Gesichtspunkt der andere spricht, und anzuerkennen, dass dieser ebenso berechtigt und notwendig ist wie der eigene. Falsch sind seine Gedanken nur, wenn sie auch von seinem Gesichtspunkt aus irrtümlich sind. So müssen alle Aspekte einer Sache zu einem Gesamtbild zusammengestellt und daraus Handlungsinitiativen im Interesse des Wohles aller entwickelt werden.

Um dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: Sozialisten blicken auf den Aspekt der benachteiligten Arbeitnehmer, die für den Profit weniger Kapitaleigentümer ausgebeutet werden, und wollen diese entmachten, indem sie das Privateigentum am Kapital in Gemein-, in Staatseigentum überführen wollen. Liberale haben die unternehmerische Freiheit im Auge, die erst große Leistungen ermögliche und auch ihre Belohnung verdiene. Sozialdemokraten schauen auf den Staat, der die Arbeiter gesetzlich schützen und über Steuern zum Ausgleich ein Sozialsystem finanzieren solle. Jede Seite hält ihre Beobachtungen und Gedanken für richtig und die damit nicht übereinstimmenden der anderen für falsch, so dass sich die verschiedensten Auffassungen wie monolithische Blöcke gegenüberstehen, zumal die anderen ja nicht als wohlmeinende Erkenntnissuchende, sondern als Gegner um die Macht betrachtet werden.

Selbstverständlich ist die Forderung des Sozialismus objektiv berechtigt, die Ausbeutung der Arbeitnehmer zu beseitigen, die auf einem Abhängigkeitsverhältnis vom Unternehmen beruht, das wiederum aus dem Privateigentum am Unternehmenskapital hervorgeht. Die Forderung der Liberalen nach der unternehmerischen Initiative, die des freien Verfügungsrechts bedürfe, ist aber ebenso berechtigt. Man muss also eine neue Eigentumsform entwickeln, in der die Ausbeutung der Arbeitnehmer ausgeschlossen wird, zugleich aber die unternehmerische Freiheit und schöpferische Initiative erhalten bleiben. Auch die Forderungen der Sozialdemokraten sind berechtigt, indem Arbeitszeit, Kündigungen, Lohnhöhe etc. an rechtliche Standards gebunden werden. Ja man muss sogar noch weitergehen und in der Betriebsverfassung alle Betriebsangehörigen, die unternehmerisch Leitenden wie die übrigen Mitarbeiter, im Verhältnis zum Unternehmen rechtlich auf eine Ebene stellen.

Das Streben nach der Erkenntnis der vollständigen Wirklichkeit muss allen Debatten und Beratungen eines demokratischen Parlaments zugrunde liegen, wenn es ein solches sein soll. Wer dagegen seine eigene Ansicht für die einzige berechtigte hält, auf ihre unbedingte Gültigkeit pocht und daneben keine andere duldet, hat nicht den Willen zur Wahrheit. Es geht ihm in unbewusstem Egoismus um die alleinige Deutungshoheit. Oder – noch schlimmer – er verfolgt bewusst bestimmte Ziele, die nur erreichbar sind, wenn die eigene Ansicht als die einzig korrekte gilt und dies mit gleichgeschalteten Medien abgesichert wird, aus der Position der parlamentarischen Stärke alle abweichenden Ansichten ignoriert oder dadurch aus dem Feld geschlagen werden, dass man gar nicht auf sie eingeht, sondern denjenigen, der sie äußert, als Kommunisten, Rechtsextremen, Nazi, Demokratiefeind, Rassisten, Antisemiten, Querdenker etc. etc. diffamieren und zum Schweigen bringen will, wobei diese Bezeichnungen beliebig mit diffusen Inhalten gefüllt werden. Damit ist die Auseinandersetzung aus dem geistigen Niveau der gemeinsamen Wahrheits-Suche in die Niederungen der seelischen Gewalt abgesunken.

Das erinnert an die Auseinandersetzung von Halbstarken, bei denen unbequeme Argumente schnell mit geringschätzigen und herabsetzenden Schimpfworten, also mit seelischen Verletzungen des Anderen beantwortet werden, die aus der Position physischer Stärke oft noch in körperliche Schläge übergehen. Es ist im Grunde dasselbe Niveau, nur dass es in der Politik in der Regel bei seelischen Verletzungen bleibt, die aber auch schwere physische existenzielle Folgen haben können; zu Schlägereien ist es aber in europäischen Parlamenten auch schon gekommen.1

Der peruanische Nobelpreisträger für Literatur Mario Vargas Llosa, der 1987 als Präsidentschafts-Kandidat für drei Jahre in die Politik ging, schilderte seine Erfahrungen so:
„Sie können die hehrsten Ideen haben, aber sobald es an deren Verwirklichung geht, sind Sie Intrigen, Verschwörungen, Paranoia, Verrat und Abgründen an Schmutz und Niedertracht ausgesetzt. Wenn ich eins über den Morbus der Politik gelernt habe, dann dies: Der Kampf um die Macht lockt die Bestie in uns hervor. Was den Berufspolitiker wirklich erregt und antreibt, ist das maßlose Verlangen nach Macht. Wer diese Obsession nicht hat, wird der kleinlichen und trivialen Praxis der Politik angeekelt den Rücken zukehren.“ 2

Das Parteiensystem

Parteien (lat. pars = Teil) vertreten von vorneherein weltanschauliche, politische, wirtschaftliche oder kulturelle Teil-Interessen, die sie durch möglichst viele Vertreter im Gesetzgebungsverfahren des Parlamentes und in der Regierung durchsetzen und zu den allein bestimmenden machen wollen. Es handelt sich um organisierte Gruppeninteressen, die primär nicht das Ganze, das Wohl und die berechtigten Interessen aller, sondern Einseitigkeit, Egoismus und Macht eines Teiles im Auge haben. Sie sind in ihrem Machtstreben auf Konfrontation und Kampf angelegt, was durch das polare Links-Rechts-Schema noch schlagwortartig verschärft wird. Parteien sind daher Feinde eines freien und umfassenden Erkenntnisbemühens um die rechten Wege gerechter Gemeinschaftsgestaltung. Sie sind in Wahrheit Feinde eines offenen Diskurses und damit einer wirklichen Demokratie.

Dies zeigt sich extrem in den heutigen Parlamenten darin, dass eine neue Oppositionspartei wie die AfD von den alteingesessenen Parteien permanent als neonazistische und demokratiefeindliche Partei beschimpft und diffamiert und auf ihre inhaltlichen Argumente überhaupt nicht ernsthaft eingegangen, sondern sie überwiegend keifend ignoriert werden. Im Parlament Berlins z. B. treibt das solche Blüten, dass stets dann, wenn ein AfD-Abgeordneter ans Rednerpult tritt, die anderen Fraktionen ihre Ignoranz und Verachtung dadurch zeigen, dass sie teilweise beginnen, auf ihrem Handy zu tippen, auf dem Laptop zu schreiben, demonstrativ hinausgehen, sich in diskutierenden Gruppen zusammenstellen und dabei z.T. auch auf dem Boden sitzen.

Nicht einmal im Fahrstuhl werde man als AfD-Abgeordneter von den anderen gegrüßt, auch wenn man selbst höflich grüße, so berichtet der Abgeordnete Antonin Brousek, gebürtiger Tscheche und Richter am Amtsgericht: „Das ist eine subtil-primitive Art, wo man eigentlich Schläge durch Ignoranz ersetzt. Manchmal hat man das Gefühl, die würden einem am liebsten ins Gesicht schlagen.“ Diese Leute „wollen keine Diskussion und lehnen diese ab, weil sie ja davon ausgehen und wissen, dass sie die Weisheit ohnehin mit Löffeln gefressen haben.“
Er bezeichnete das Parlament als eine Mischung aus „Irrenhaus und Lyzeum“.3

Deutlicher, arroganter und unverfrorener können die wahren antidemokratischen Gesinnungen dieser Parteivertreter nicht zutagetreten. Aus den Parteien wächst der Meinungs- und Gesinnungsterror der heutigen Zeit, der das fundamentale demokratische Grundrecht aller, ihre Auffassung gleichberechtigt geltend zu machen, aggressiv ausschaltet.

Das Parteiensystem hat sowieso schon längst das tragende Funktionsprinzip eines demokratischen Rechtsstaates, die Gewaltenteilung, de facto außer Kraft gesetzt. Die Mehrheitspartei im Parlament beherrscht die Legislative - eine Opposition kann nichts verhindern, sondern nur fürs Fenster reden - wählt und stellt die Exekutive, die wiederum die Verwaltung der Gerichte in der Hand hat, die Richter einstellt, beurteilt und befördert – oder auch nicht. Alle drei staatlichen Gewalten sind in der Hand ein und derselben Partei oder Koalition, womit die gedachte Demokratie zur Parteien-Oligarchie deformiert ist, die sich durch das Parteien-Wahlsystem stets selbst erneuert. 4

Der Basler Philosoph Karl Jaspers wies schon in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auf die Wirklichkeit der Parteien-Oligarchie hinter demokratischer Fassade hin, welche die Tendenz zur Diktatur in sich trage, eine Tendenz, die sich gegenwärtig bereits weitgehend realisiert hat. 5

Dadurch, dass auch die „vierte Gewalt“, die großen Medien, gleichgeschaltet und von den herrschenden Parteien und der Regierung zum einseitigen Propaganda-Apparat instrumentalisiert sind, nimmt das Ganze totalitäre Züge an. Durch die flächendeckende einseitige und oft verfälschende Berichterstattung lebt der Bürger nicht in der vollen Wirklichkeit, die freie Erkenntnismöglichkeit des Volkes, des demokratischen Souveräns, wird eingeengt und weitgehend verhindert, so dass es selber gar nicht mehr urteilsfähig ist, sondern folgsam den vorgegebenen Wirklichkeitszusammenhang und die einsuggerierten Urteile übernimmt.

Das bedeutet: Die heutige totale Lügenpropaganda der Mainstream-Medien, insbesondere des staatlichen Rundfunks, hat die Demokratie bereits von innen, in ihrem Kern, beseitigt. Die demokratischen Organisationen und Abläufe bleiben zur Täuschung als hohle Kulisse bestehen, aber alle Staatsgewalt geht in Wahrheit gar nicht mehr vom Volk als dem ursprünglichen Souverän, sondern von den herrschenden Parteien aus. 6

Der Stellenwert der parteipolitischen Diffamierungen

Vor diesem Hintergrund zeigt sich der Wert der parteipolitischen Einordnung von Kritikern in das Extremfeld des Parteienspektrums: eine primitive, gegen die Integrität und Würde des Menschen selbst gerichtete Kampfmethode einer antidemokratischen Parteien-Oligarchie, die die Ausbreitung einer allgemeinen gemeinsamen Suche nach Erkenntnis der Wahrheit um jeden Preis verhindern will, da dadurch ihre unumschränkte Machtposition gefährdet wird.

Das führt sogar zu der irren Methode, dass allein schon der Kontakt zu jemandem, der vorher als rechtsextrem erklärt worden ist, die Betreffenden ebenfalls dazu macht, so etwa durch die gemeinsame Teilnahme an einer Demonstration, wobei oft der eine gar nichts vom anderen weiß. Selbst ein Gespräch oder ein Vortrag kann ja gerade dem Versuch dienen, die Position des Anderen aufzuweichen. Eine schuldhafte Verbindung wird auch allein darin gesehen, dass jemand der Erkenntnis eines angeblich Rechtsextremen zustimmt. Absurd, denn deren Wahrheit wird ja nicht dadurch unwahr, dass dieser sie äußert, sondern nur, wenn sie inhaltlich falsch ist. Es werden gezielt oberflächliche, gedankenleere Assoziationen hergestellt, die einzig der Diffamierung der Menschen dienen und von den Inhalten, ihrer Wahrheit und evtl. Bedeutung für die Gesellschaft ablenken sollen.

Geradezu grotesk wird es, wenn die systemisch und auch vielfach in ihren Methoden Verfassungs- und Demokratie-feindlichen Parteien bzw. ihre Vertreter und Sympathisanten den Kritikern in der Querdenker-Demonstrationsbewegung z.B., die eben auf diese Demokratie-Feindlichkeit hinweisen, Staats-, Demokratie- oder Verfassungs-Feindlichkeit vorwerfen.
Wer wirklich selbständig denkt und nicht wie stromlinienförmig vorgegeben, muss kreuz- und quer denken, um zur Wahrheit zu kommen. „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“, heißt es treffend. Es ist für die erkenntnisfeindliche Stimmung in der Öffentlichkeit symptomatisch, dass gerade „Quer-Denker“ so diffamiert werden.

Es handelt sich um einen allgemeinen Verfall der politischen Kultur, ein Absinken vom geistigen Niveau gemeinsamer Erkenntnisbemühungen um die Wahrheit und die rechten Wege sozialer Gestaltung in die Abgründe persönlicher Niedertracht und seelischen Terrors, die totalitäre Ausmaße angenommen haben.
Dies ist das allgemeine Kennzeichen: Wer den Anderen nicht in der Sache widerlegt und begründet, inwiefern seine Aussage verwerflich ist, sondern stattdessen persönlich diffamiert, offenbart damit, dass es ihm nicht um die Wahrheit geht.

Eindringen in anthroposophische Institutionen

Diese Gesinnungen und Methoden sind zu weiten Teilen auch in das sonstige gesellschaftliche Leben eingedrungen und vielfach zur Gewohnheit persönlicher Auseinandersetzungen geworden. Beispielhaft seien Erscheinungen in der Anthroposophischen Gesellschaft und im „Bund der Freien Waldorfschulen“ betrachtet. Beide sahen sich in der Corona-Krise heftigen Angriffen der Mainstream-Medien gegen die Anthroposophie und die Waldorfschulen ausgesetzt. Erneut flammten Vorwürfe wegen Rassismus und aktuell wegen der Teilnahme zahlreicher Anthroposophen und Waldorfleute an regierungskritischen Corona-Demonstrationen der „rechtsextremen“ Querdenker auf, die dort eine treibende ideologische Kraft bilden würden.

In der Vierteljahresschrift „Anthroposophie“, Ostern 2022, herausgegeben von der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland, schrieb der leitende Redakteur Jost Schieren, Professor für Waldorfpädagogik an der Alanus-Hochschule Alfter, in einem Artikel „Anthroposophie in der Kritik“ zur Abwehr solcher Angriffe:
„Ohne Zweifel gibt es auch unter den Anthroposophen:innen – wie übrigens überall in unserer postmodernen Gesellschaft – eine ´neue Rechte`, die als solche in ihren Protagonist:innen (Beispiele: Axel Burkart, Martin Barkhoff, Caroline Sommerfeld-Lethen, Thomas Meyer) und auch Publikationsorten leicht identifizierbar ist. Für deren krude Argumentation muss Steiners Esoterik herhalten.“
Das seien aber Ausnahmen, die „wegen ihrer skurrilen Unzeitgemäßheit auffällig sind, die aber nicht die anthroposophische Bewegung und nicht deren offizielle Institutionen vertreten.“ Die „Anthroposophie als System und auch in ihrer öffentlichen Repräsentanz“ sei „demokratisch und humanistisch aufgestellt“.

Schieren geht also völlig unkritisch auf die parteipolitische Diffamierungs-Ebene ein, welche die von links-grünen Journalisten dominierten Mainstream-Medien vorgeben. In einem beflissen sich anpassenden Streben, wissenschaftlich und gesellschaftlich anerkannt zu werden, das in seinen Artikeln zum Ausdruck kommt, gibt er, mit dem Finger auf einige „neue rechte“ schwarze Schafe deutend, den Medien eilfertig Recht, um dadurch umso wirkungsvoller von sich und der Anthroposophischen Gesellschaft abzulenken.

Da er die Erkenntnisebene verlassen hat, auf der die Anthroposophie eigentlich zu Hause ist, weist er nicht nach, worin die „krude Argumentation“ dieser vier Menschen, die sich ihr ganzes Leben mit der Anthroposophie befassen, denn bestehe, die sie – das ist im diffusen Begriff „rechts“ ja inbegriffen – zu Faschisten oder Nazis mache, denen gegenüber er das „demokratische und humanistische“ Aufgestelltsein der „Anthroposophie als System und auch ihrer öffentlichen Repräsentanz“ betonen muss.
Damit zeigt er, dass es ihm auch nicht um Erkenntnis, sondern um infame Diffamierung geht, ob er sich dessen in seinen edlen Vorstellungen bewusst ist oder nicht.

Noch offensiver schwenkt auf die Methoden parteipolitischer Diffamierung der Bund der Freien Waldorfschulen ein, der das November-Heft 2022 der von ihm herausgegebenen Monatsschrift „Erziehungskunst“ schwerpunktmäßig dem Kampf gegen „rechts“ u.a. auch in den eigenen Reihen widmet, wobei unter „rechts“ unmissverständlich rechtsextrem, nationalsozialistisch, verstanden wird. Unter der Parole „Klare Kante gegen rechts“, die seit Jahren wörtlich so von Politikern linker Parteien als Kampfmethode eingesetzt wird, werden auch hier langjährige Anthroposophen namentlich direkt oder durch „Kontaktschuld“ rechtsextrem verortet, ohne dass eine erkenntnismäßige Auseinandersetzung mit ihren Auffassungen stattfände. Ich habe mich damit detailliert in einem vorigen Artikel auseinangesetzt.7

Während bei dem Prof. Schieren als publizistischem Repräsentanten der Anthroposophischen Gesellschaft die beflissene Anpassung an die öffentliche Meinung und die Gier nach gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Anerkennung das treibende Motiv seines Abfalls in die Ebene menschlicher Niedertracht erscheint, ist der Bund der Waldorfschulen ganz offensichtlich von aktiven Politikern linker Parteien und ihrer Sympathisanten unterwandert, welche die Waldorfschulen von ihrem anthroposophischen Geist ab in eine ganz andere Richtung lenken.

Stephan Eisenhut, Redakteur der zweiten von der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland herausgegebenen Zeitschrift „Die Drei“, schreibt immerhin treffend:8
„Das berechtigte Anliegen, problematische Ansichten als solche zu kennzeichnen, sollte möglichst konkret und aus der Anthroposophie heraus verwirklicht werden, nicht durch die Einordnung in ein diffuses Rechts-links-Schema.“
Damit ist die Erkenntnisebene angesprochen, aus der heraus allein eine menschenwürdige Auseinandersetzung stattfinden kann. Sie setzt Unvoreingenommenheit und ein sorgfältig ausgebildetes Verantwortungsgefühl voraus, nur das zu behaupten, was man als Tatsache selbst überprüft hat.

Rudolf Steiner stellte dafür an die Anthroposophen die höchsten Anforderungen. Er ist ja schon zu seinen Lebzeiten auf das heftigste diffamiert und auch verleumdet worden, da man vor Entstellungen und Fälschungen seiner schriftlichen und mündlichen Ausführungen nicht zurückscheute. Er appellierte an die Anthroposophen nicht nur, dem durch Entlarven der Unwahrheiten entgegenzutreten, sondern in ihren eigenen Mitteilungen selbst die größte Sorgfalt auf Wahrhaftigkeit zu üben:

„… wenn dasjenige, was ich hier Geisteswissenschaft nenne, in der Welt wirklich durchdringen will, so ist dazu erforderlich, dass ein Boden ehrlichster und aufrichtigster Wahrhaftigkeit für dasjenige, was die Geisteswissenschaft der Welt zu sagen hat, da sei. Und ich habe oftmals darauf aufmerksam gemacht, dass im Kleinsten es notwendig ist von denjenigen, die sich beteiligen wollen an solch einer geisteswissenschaftlichen Bewegung, zu sehen, wie selbst in den unbedeutendsten Worten und in der unbedeutendsten Mitteilung der alltäglichsten Tatsache absoluteste wortgetreue Wahrhaftigkeit herrschen müsse.
Denn dasjenige, was das Nichtgenaunehmen mit der Wahrheit in der Alltäglichkeit ist, das hat eine innere Wachstumskraft, das wächst, das hat eine eigene Vitalität, und das wächst sich dann aus zu diesen Dingen, die eigentlich nicht mehr charakterisiert werden können, weil sie alles Maß des Menschlich-Gemeinen überschreiten, weil in Menschen, die in einer solchen Weise ihre gemeine Verleumdungssucht auf Papier mit Druckerschwärze vervielfältigen dürfen, dasjenige steckt, was unsere Kultur korrupt macht. Und es ist durchaus eine Wahrheit, dass, solange nicht der Kampf aufgenommen wird in ernstlicher und ehrlicher Weise gegen alles dasjenige, was aus solcher Ecke herauskommt, die Menschheit weiter in die Dinge hineinsegeln wird, die heute nun gründlich wahrzunehmen sind.“
9

Es geht um die Erkenntnisebene, die sachliche Auseinandersetzung auf der Suche nach der Wahrheit. Voraussetzung dafür ist die sorgfältige und genaue Wiedergabe dessen, was der Andere gesagt oder geschrieben hat. Das hat Rudolf Steiner hier im Zusammenhang mit der Wiedergabe seiner mündlichen und schriftlichen Aussagen gesprochen, weist aber auf allgemeine Gültigkeit. Was den Artikel von Jost Schieren und die Artikel in der „Erziehungskunst“ kennzeichnet, ist das „Nichtgenaunehmen mit der Wahrheit“. Es wird entweder überhaupt nicht oder nur verkürzt interpretierend oder entstellend zitiert.

Mit diesen Dingen, die alles Maß des Menschlich-Gemeinen überschreiten, haben wir es heute in breitestem Maße zu tun. Wir befinden uns in sich beschleunigender Fahrt erneut auf der abschüssigen Bahn in totalitäre Verhältnisse, woran sogar Anthroposophen oder solche, die sich so bezeichnen, kräftig mitwirken.

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Quelle mit Anmerkungen:

https://fassadenkratzer.wordpress.com/2023/03/31/es-geht-nicht-um-die-wahrheit-der-weg-...


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