Textauszug aus dem Roman .... man habe in Gedanken die Aussenministerin vor Augen --> Juliette ...

NST, Südthailand, Donnerstag, 30.03.2023, 03:45 (vor 386 Tagen) @ NST1525 Views
bearbeitet von NST, Donnerstag, 30.03.2023, 04:11


Könnte interessante Gedanken wecken, die man längst vergessen hat, aber trotzdem im Hintergrund wirken.

III.
Ich finde es an der Zeit, meine lieben Freunde, euch ein wenig von mir zu
erzählen, besonders euch meinen Luxus zu beschreiben, der Lohn der
schrecklichen Ausschweifungen, damit ihr ihn vergleichen könnet mit der
trübseligen Lage meiner Schwester, der Lohn für ihre Tugend. Ihr werdet daraus
die Folgerungen ziehen, welche euch eure Philosophie gebietet. Mein Haushalt
war enorm. Ihr werdet es vielleicht bezweifeln, wenn ihr alle die Auslagen
bedenket, die ich für meinen Liebhaber hatte. Trotzdem blieben mir, abgesehen
von den zahllosen Dingen, die seine Lüste verlangten, für meine Person ein
entzückendes Haus in Paris, eine reizende Besitzung in der Gegend von Lecaux,
ein wollusterfülltes Häuschen an der Barrire Blanche, zwölf Lesbierinnen, vier
Kammerfrauen, eine Vorleserin, drei Equipagen, zehn Pferde, vier Lakaien mit
ausgesuchten Liebeswaffen, kurz der Haushalt eines größten Stiles, schließlich
für meine Person, vom Haushalt abgesehen, mehr als zwei Millionen jährlich.
Soll ich euch jetzt meine Lebensweise schildern?
Täglich stand ich um zehn Uhr auf. Bis elf Uhr empfing ich nur die intimsten
Freunde, dann bis ein Uhr große Toilette in Gegenwart aller meiner Verehrer.
Punkt ein Uhr empfing ich alle, die an mich Bitten hatten, oder den Minister, wenn
er in Paris war. Um zwei Uhr entfloh ich zu meinem Häuschen, wohin mir täglich
die besten Kupplerinnen vier Männer und vier Frauen schafften, mit denen ich
meinen ausschweifendsten Launen die Zügel schießen ließ. Damit ihr eine
Ahnung habt, was für Leute ich dort empfing, so versichere ich euch, daß keine
von den Personen weniger als fünfundzwanzig Louis kostete, oft auch das
Doppelte. Ihr habt auch keine Ahnung, was für entzückende und seltene
Exemplare des einen oder anderen Geschlechtes ich dort hatte. Ich habe dort oft
Frauen und Mädchen aus den höchsten Klassen vorgefunden, und ich kann euch
nur sagen, daß ich in diesem Häuschen die süßeste Wollust und die erlesensten
Genüsse durchkostet habe. Um vier Uhr kehrte ich nach Hause zurück und dinierte
immer mit einigen Freunden. Ich erzähle euch nicht von meinem Tische. In ganz
Paris gab es kein Haus, wo mit solchem Glanz, Geschmack und Fülle serviert
wurde. Nichts war mir genug schön oder genug selten. Ich huldige diesen Freuden
und zwar bis zum Laster und bin überzeugt, daß man ohne dieses Laster alle
anderen nicht auskosten kann. Nachher ging ich ins Theater oder empfing den
Minister, wenn sein Tag war.
Meine Garderobe, meinen Schmuck, Möbel und Ersparnisse schätze ich auf
wenigstens vier Millionen, obwohl ich erst zwei Jahre mit de Saint frei lebte. Zwei
Millionen in Gold hielt ich in einer Kassette aufbewahrt, und öfters begeilte ich
mich in ihrer Gegenwart so wie es Clairvil tat, bis bei dem Gedanken: Ich liebe die
Sünde und hier liegen vor mir zu meiner Verfügung alle Mittel des Verbrechens,
meine Wollust sich ergoß. O meine Freunde, wie süß ist der Gedanke und wieviele Säfte habe ich durch ihn verloren.
Wenn ich ein neues Schmuckstück wollte, eine neue Toilette? Mein Geliebter, der
mich nicht dreimal in denselben Sachen sehen wollte, befriedigte meine Wünsche
sofort, ohne dafür etwas anderes von mir zu verlangen als Lasterhaftigkeit,
Ungebundenheit, Liederlichkeit und die äußerste Sorgfalt im Arrangement seiner
täglichen Ausschweifungen.
So gelangte ich dann zur Erfüllung aller meiner Wünsche, indem ich meinen
eigenen Wünschen die Zügel schießen ließ. Ich folgte meinen Sinnen auf ihren
Irrpfaden und gelangte so zu ihrer Befriedigung.
Aber wie war es mit dem Gemüt bestellt mitten in diesem Wohlleben. Ich wage es
kaum zu sagen und doch muß ich es euch anvertrauen, meine Freunde. Die
äußerste Sittenlosigkeit, in welcher ich mich täglich badete, hatte so alle
Regungen meiner Seele verschlungen, daß ich, gestützt durch die gefährlichen
Ratschläge meiner Umgebung, kaum einen Franc von allen meinen Schätzen dafür
gegeben hätte, um einem Unglücklichen das Leben zu retten. So ziemlich um
diese Zeit herrschte eine entsetzliche Hungersnot in der Umgebung meiner
Güter; alle Bewohner waren in der größten Verzweiflung. Es gab entsetzliche
Szenen. Die Mädchen in die Schande getrieben, verlassene Kinder, ja sogar
Selbstmorde. Man kam nun mein gutes Herz anzuflehen. Doch ich hielt mich
tapfer und entschuldigte voll Hohn meine Weigerung mit den ungeheuren Kosten
meiner Gärten. Kann man Almosen spenden, höhnte ich, wenn man
Spiegelboudoirs in Bosquetten erbauen läßt, und wenn man seine Alleen mit
Statuen der Venus, der Sappho und des Amor schmückt? Vergebens enthüllt man
vor meinen steinernen Blicken das Schrecklichste, womit man mich zu rühren
glaubte: weinende Mütter, nackte Kinder, schattenverzehrt vor Hunger. Nichts
rührte mich, nichts brachte mich aus meiner Ruhe, und man erlangte nichts von
mir, als ein »Nein«. Damals war es, als ich mir Rechnung gab von meinem
Seelenzustand, und so wie es die mir vorher gesagt, die mich erzogen, statt des
traurigen Gefühles des Mitleides empfand ich eine gewisse Erregung, erzeugt
durch das Unheil, welches ich durch meine Weigerung hervorzurufen glaubte, und
dies ließ in meinen Nerven ein Feuer kreisen, ähnlich dem, welches wir fühlen,
wenn wir eine Fessel zerrissen oder ein Vorurteil gebrochen. Damals kam ich auf
den Gedanken, welche Wollust es bieten kann, diese Prinzipien in Taten
umzusetzen. Und von dem Augenblick an fühlte ich, daß, wenn schon der Anblick
des Unglücks, welches das Schicksal mit sich bringt, solchen auserwählten
Sinnenreiz den dazu disponierten oder in solchen Prinzipien erzogenen Seelen
bietet, um wie viel mehr muß das Unheil, welches wir selbst hervorrufen, dieses
herrliche Gefühl steigern. Und da, wie ihr wißt, mein Geist bis an die äußersten
Grenzen sich wagt, so könnt ihr euch vorstellen, daß ich das möglichste und
entzückendste erfand.

Die Schlußfolgerung war eine ganz einfache. Ich empfand Vergnügen bei derWeigerung, weil sie Unglück schuf, wie groß muß erst das Vergnügen sein, wenn
ich selbst das Unglück herbeiführte.
Wenn es süß ist, sagte ich mir, sich dem
Guten zu widersetzen, wie himmlisch muß es sein, Böses zu stiften. Ich rief mir
diese Ideen ins Gedächtnis zurück, ich kitzelte mich mit ihnen in gefährlichen
Momenten, wo die Stimme des Leibes zu den Begierden des Geistes spricht,
Momente, in welchen man sich selbst um so weniger widersteht, je weniger
Hindernisse die Ausschweifung unserer Wünsche und der Sturm unserer Brunst
findet, und wo die Wollust nur genossen wird nach der Zahl und der Heiligkeit der
Bande, die man zerreißt. Der Traum entflogen, würde man vernünftig, wahrlich
mäßig wäre der Fehltritt, das waren nur Verirrungen des Geistes. Damit kränkt
man niemanden, aber leider Gottes man bleibt nicht dabei stehen. Wie schön,
sagt man sich, wäre die Durchführung dieser Idee, wenn schon die leise
Berührung mit meinen Nerven mich so erregt. Man setzt im Leben nur die
grausame Chimäre, und sein Dasein bedeutet das Verbrechen.

Weitere Visualisierungen mit den Bildern, Ricarda Lang, Marie-Agnes Strack-Zimmermann und der süsse Adonis Robert der Schöne ....

Auf internationalem Rahmen finden sich überall die gleichen Phänomene.

Das Volk schaut auf und will das auch .... was glaubst du was die Freisetzungen der Beschäftigten in den späten 80er Anfang 90er für Andrang in den damals 3. Weltländern ausgelöst hatte?

Ich hatte das alles vor Ort erlebt - meine damalige Motivation war allerdings eine andere, ich hatte auch keinerlei Support durch leistungsloses Einkommen.

Verstanden hatte ich das Anfangs auch nicht, erst nach und nach viel der Groschen.

Kommen wir zum philosophischen Teil - was für Erkenntnisse sehe ich, ganz stark vereinfacht. Ich sehe das was ich als Karma kenne - das Ursache - Wirkungsprinzip als erfüllt an. Die gesetzten Ursachen kommen heute zur Wirkung, die Verbrechen/das Leiden kehrt dahin zurück, von wo sie schwerpunktmässig ausgingen - das ist es was wir sehen.

In den Büchern von de Sade vermute ich, kann man all das finden, was im Westen Zukunft werden wird. Die heutige Form unterscheidet sich in den technischen Spielereien die es heute gibt, es dürfte im Gesamtergebnis um einiges perfider werden und viel mehr Opfer geben. Erkennt der Osten nicht die getauschten Rollen, wird ihn das in der nächsten Stufe ebenso in den Abgrund reissen. Diese Dramen spielen sich in Jahrhunderten ab, der Osten hätte Chancen etwa zu ändern ..... noch hat er die meisten Dinge nicht getan .... er kann noch wählen ....

Die Frage dabei ist überall die Gleiche - lässt sich das Volk verführen - z.B. mit Sozialklimbim .... alles spricht leider genau für diese Vermutung. Überall dort, wo diese Art von Wohltaten eingeführt werden, setzt der moralische Verfall automatisch ein. Wie das mit den Wohltaten funktioniert - das ist es was man z.B. bei de Sade erfahren kann - es steigert das Vergnügen der Wohltäter auf jeden Fall.
Gruss

PS: das Leben der Juliette das war schon auf Neudeutsch komplett über Steuern finanziert ... schon zu damaligen Zeiten war das überhaupt kein Problem. Diese Dinge versteht man automatisch, wenn man den Roman liest. Das hat sich seit Buddhas Zeiten nie geändert.

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Jeder arbeitet im Ausmass seines Verstehens für sich selbst und im Ausmass seines Nicht-Verstehens für jene, die mehr verstehen!


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