Deine Frage zur Schieflage der SVB

paranoia, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Montag, 27.03.2023, 17:13 (vor 385 Tagen) @ Rheingold2239 Views

Hallo Rheingold,

Habe ich das richtig verstanden? Die Schieflage entstand dadurch, dass deren alten "Wertpapiere", die mit zuwenig Zinsen ausgestattet waren, abgewertet werden mußten, da sie wegen der gestiegenen Zinsen nun einen geringeren Buchwert haben?

die SVB hat zuviel Fristentransformation betrieben, siehe auch:

https://archiv2.dasgelbeforum.net/index.php?id=462143

Liquiditätsrisiko

Wenn Du viele täglich, bzw. kurzlaufende Einlagen hast (Passivseite der Bank, Refinanzierung), aber dafür langlaufende Assets, z.B. Anleihen kaufst, Aktivseite der Bank), kann es Dir passieren, dass bei einem plötzlichem Abzug der Einlagen Deine Kasse soweit geleert wird, dass Du gezwungen bist, Assets zu verkaufen - und die unterliegen einem Kursrisiko.

Zinsrisiko

Wenn Du Dich kurzfristig refinanziert und langfristig anlegst, kannst Du ausrechnen, wie sehr sich eine Schwankungen der Zinskurve auf Dein Eigenkapital auswirkt. Steigende Zinsen => fallende Bondkurse. Das gilt genauso für die Passivseite, die aber aufgrund der kurzen Laufzeit erheblich unempfindlicher auf Zinsschwankungen reagiert.

Man kann die Simulation beliebig kompliziert gestalten (Zinskurve dreht sich und vieles mehr), aber im Falle SVB kann man wahrscheinlich die Risiken auch noch im Kopf ausrechnen.

Vermutlich hat das Management die Bank verzockt (amerikanisch "to bet the ranch") um noch ein paar Dollars Boni rauszukitzeln. Dass die so doof waren, das oben Beschriebene nicht zu kennen, glaube ich nicht, zumal es aus der Finanzmarktkrise 2008 eine Präzedenzfall gibt: Norther Rock. Die hatten 50% ihrer Assets (langlaufende Forderungen) im Interbanken-Tagesgeldmarkt refinanziert.

Die Sünderbanken verstoßen hier gegen Finanzierungsregeln, deren Einhaltung bei ihren Kunden vermutlich eine Voraussetzung für Kreditgewährung ist. [[top]]

Kommentar zu Deinem Beitrag


Das empfinde ich als grotesk. Denn:

A) Sehr viele Buchhaltungsregelungen sind seit 2008 für die Banken ausgesetzt. Banken können ziemlich nach Belieben Werte ihrer Wertpapiere selber festsetzen.

Welche Wertpapiere genau? Wenn die börsennotiert sein, dürfte das schwierig sein. [[lach]]
Schreib' lieber "besondere Wertpapiere selbst bewerten". "Werte festsetzen" gibt es nur im Kommunismus, wo Preise festgelegt werden - oder in der EU, wo das Zentralkomitee z.B. Preisobergrenzen festlegt. Nicht nur die Gedanken sind frei, die Preise auch und wir danken der EU für die offizielle Wiedereinführung des Schwarzmarkts. Wer dringend Öl braucht, wird auch in Ignoranz der Anordnung der kommnunistischen EU-Preiskomissare sich Öl zum darüber liegenden Marktpreis
beschaffen. [[applaus]]

B) Die Wertpapiere haben nach wie vor einen festgeschriebenen Zins, mit dem sauber kalkuliert werden konnte und eine Endfälligkeit, die garantiert, dass 100% des Geldes zurückbezahlt werden.

Das interessiert den Einleger doch nicht.

C) Solange die alten Wertpapiere nicht liquidiert werden (also zum verminderten Tageskurs gegen Cash getauscht), solange realisiert keine Bank irgendwelche Verluste.

Die Verluste sind schon da, "mark to market" gerechnet. Es nützt nichts, wenn diese Wertpapiere in der Zukunft fällig werden, wenn Du heute Geld brauchst.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.


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