Fiatgeld, richtig verwendet, funktioniert bestens. Und weder Schulden noch der Kapitalismus sind Ursache der regelmäßigen Zusammenbrüche.

Morpheus ⌂, Samstag, 25.03.2023, 13:46 (vor 482 Tagen)6270 Views

Liebe Foristen und Noch-Debitisten,

In diesem Beitrag versuche ich aufzuzeigen, dass und wie unser heutiges Geld, innerhalb vernünftig gewählter Strukturen perfekt funktionieren würde. Was damit gezeigt werden soll: Es gibt Strukturen, die zu stabilen Gesellschaften führen und andere Strukturen, die regelmäßig – angeblich an den Fehlern des Kapitalismus – kollabieren müssen.

Nehmen wir an, wir haben eine Volkswirtschaft „Smartland“, so groß wie Luxemburg, die auf einer sehr kleinen Fläche (weniger als ein Prozent der Fläche Deutschlands, mit weniger als ein Prozent der Einwohner Deutschlands) mit seiner eigenen Währung, dem „Clever“, wirtschaftet. Ich will jetzt nicht auf die Spezifika Luxemburgs hinaus, sondern das volkswirtschaftliche Prinzip des Geldsystems erörtern.

„Clever“ ist wie Euro, Dollar oder frühe die DM ein Kreditgeld. Wird also ausschließlich mittels Kreditvergabe geschöpft und in den Verkehr gebracht. Ein reines Fiatgeld, wie einige Halbwissende sagen würden. Man muss aber den positiven Aspekt dieses Geldes betrachten. Außer den Kosten für die Prüfung, ob der Kreditnehmer seinen Kredit wird zurückzahlen können und die Absicherung des Kredites durch Sicherheiten, entstehen bei diesem Prozess nur noch geringe Dokumentations sowie Liquiditäts-Kosten. Kreditgeld ist das billigste Geld, das am besten verteilbare Geld und ein quasi unbegrenztes Geld, aber trotzdem ein werthaltiges Geld. So etwas vorteilhaftes hatte die Menschheit noch nicht erlebt und erst diese Geldform hat die wirtschaftliche Entwicklung der letzten achtzig Jahre ermöglicht. Denn auch die Energievorräte, die die Menschheit aktuell nutzt, konnte nur durch diese preiswerte und unbegrenzte Form der Vorfinanzierung erschlossen werden. Das Kreditgeld bekommt seinen Wert, weil der Kreditnehmer für jeden geliehenen Euro und zusätzlich sogar für die Zinsen Waren liefern oder Arbeit ableisten muss. Es kann zwar am Anfang ohne jede Leistung durch die Bank erzeugt werden, aber es kann seitens des Kreditnehmers erst nach einer erbrachten Leistung an die Bank zurückgegeben werden. Und diese Rückgabe des Kreditgeldes muss regelmäßig zu wiederkehrenden Tilgungs-Terminen, mit Straf-Androhung (Kreditkündigung/Sicherheiten-Verwertung beim Versäumen von Terminen), erfolgen. Warum die Menschen überhaupt mittels Krediten wirtschaften, liegt daran, dass sie zuvor schon ihre Steuern zu festen Terminen unter Straf-Androhung (Strafzahlung/Gefängnis) abliefern müssen.
Aus Kostengründen und wegen der Stabilität des Gesamtsystems gibt es in Smartland nur Giralgeld. Da dieses Geld nur im Computer existiert, ist es fast völlig kostenlos. Um trotzdem anonyme Zahlungen durchführen zu können, lassen sich technische Möglichkeiten realisieren, die Anonymität auch bei Giralgeld ermöglichen.

Die These ist: Solange das Clever-Geld ausschließlich im Territorium des absichtlich recht kleinen Smartlands kursiert, weil es kein Bargeld gibt und ein Transfer ins Ausland nicht vorgesehen ist, ist dieses Geldsystem dauerhaft stabil. Die öffentlichen Aufgaben, was wir heute als Staat bezeichnen, werden von maximal 19 Prozent der Wirtschaftsleistung an Steuern finanziert, zusätzlich darf die Allgemeinheit sich für einzelne größere Investitionen von öffentlichem Interesse für die Dauer von 75 Prozent der erwartbaren Lebensdauer des Objekts verschulden. Wobei der Zins und die entsprechende Tilgung jährlich für jedes Investitions-Objekt einzeln (innerhalb der 19 Prozent) zu zahlen und zu verbuchen sind.
Damit das System stabil ist, sollte die Geldmenge und damit das Vermögen der Smartland-Bewohner möglichst wachsen oder sollte zumindest nicht stark und unkontrolliert schrumpfen. Betrachten wir dazu die Geldmenge im Smartland-Gebiet. Sie wächst bei einer Neukreditvergabe über dem Gesamt-Tilgungsbetrag und schrumpft, wenn die Gesamt-Tilgung über der Neukreditvergabe liegt. Bei einer geringen wirtschaftlichen Aktivität und einer niedrigen Verschuldung beginnt sich selbige primär durch betriebliche Investitionen und die Vorfinanzierung von Arbeitsleistungen (Betriebsmittel) zu entwickeln. Während Betriebsmittel in der Regel gar nicht getilgt werden, sind betriebliche und später auch private Immobilien-Investitionen eher langfristig und deshalb mit niedriger Tilgungsrate verbunden. Das bedeutet in der Folge, dass nur eine niedrige Neuverschuldung erforderlich wird, um die Kreditmenge zu halten. Denn bei einer Tilgung von zwei Prozent, kann ein neuer Kredit pro Jahr fünfzig gleichhohe Kredite derselben Höhe kompensieren. Später im Wirtschaftszyklus, bei hohem Geldumlauf und niedrigen Zinsen, wird es dann sogar Konsumentenkredite geben, die kleiner ausfallen und schneller getilgt werden. Was aber bei einem robusten Kreditbestand nur kleine Schwankungen im Gesamtvolumen bedeuten wird.

Wir werden sehen, solange kein Geld zu weit abfließen kann, bleibt das Gebilde dauerhaft stabil. Alle Zinsgewinne bleiben im Währungsgebiet und können gespart oder ausgegeben werden, auch alle Steuern bleiben im Währungsgebiet und werden i.d.R. alle einmal pro Jahr wieder ausgegeben.
Wenn es einem Schuldner nicht mehr gelingt seinen Kredit zu bedienen, und er fällt als Zahler aus, dann wird die Bank die Sicherheiten verwerten und sofern eine Differenz zu den Schulden besteht, selbige aus dem eigenen Guthaben ausgleichen. Damit wird das Risiko des Kreditausfalls über die Zinseinnahmen unter allen Kreditnehmern ausgeglichen. Sollten irgendwann die Bürger den Konsum oder ihre Investitionen stark reduzieren, dann würden die Spar-Einlagen stark anwachsen und es könnte passieren, dass sehr viele Schuldner gleichzeitig nicht in der Lage wären Zins und Tilgung zu leisten. Wenn die Bank den Verlustsaldo nach Sicherheiten-Verwertung nicht aus dem ihrem eigenen Guthabenbestand sowie dem Vermögen der Bank ausgleichen kann, müssten die Sparer, die selbst zuvor ihr Geld zurückgehalten hatten, es dann einsetzen, um die Verluste auszugleichen. Sinnvollerweise werden dafür alle Sparer von Smartland herangezogen, nicht nur die der Pleite-Bank. Und zwar würde man es so berechnen, dass alle völlig gerecht einen einheitlichen Prozentsatz ihres Vermögens abgeben müssen. Diese Verfahren werden heute unter dem Begriff „bail-in“ diskutiert.
Die heutige Regelung sieht vor, dass nur die Sparer der betroffenen Bank enteignet werden, was erstens ungerecht ist, zweitens Bank-Runs provoziert, welche das Problem verschärfen und drittens eine Motivation für gewisse informierte Kreise wäre, Risiken zu Lasten von uninformierten Mitbürgern zu entsorgen. Ziel ist es, das Gesamtsystem so robust wie möglich zu machen, während es heute stets darauf ausgelegt wird, dass einige wenige Informierte zu Lasten anderer besonders gut abschneiden können.
Werden die Regeln richtig gestaltet, haben alle Menschen folgende gemeinsame Interessen, die das System stabilisieren:
1. Dass die Wirtschaft funktioniert und Menschen sowie Unternehmen Kredite bedienen können.
2. Dass ausreichend aber nicht zu viele Kredite vergeben werden, die am Ende nicht bedient werden können.
3. Ein Bankwesen, dass seriös arbeitet und keine Risiken eingeht, um das Geld-Vermögen der Bevölkerung nicht zu gefährden.
Bei einem geschlossenen, kleinen Währungsgebiet, kann also ein Kollaps stets vermieden werden, weil immer ein regionaler Ausgleich von Guthabenhaltern und Schuldnern möglich ist, der das System sogar vorbeugend stabilisiert. Denn selbstverständlich werden Guthabenhalter ihr Geld prophylaktisch ausgeben, sobald sie fürchten müssen, dass es ihnen sonst im Rahmen einer Bankpleite ganz oder teilweise verloren gehen könnte. Bei großen Währungsgebieten ist das Bail-In-Verfahren nicht sinnvoll einsetzbar. Denn es würde unweigerlich dazu führen, dass eine wirtschaftliche schwache Region absichtlich oder unabsichtlich zu viele und zu riskante Kredite vergeben würde, um dann anschließend auf Kosten der Sparer des gesamten Währungsraums sanieren zu lassen.
Am Anfang, wenn die Geldmenge klein ist, sind die Risiken von Kreditausfällen, relativ zum Geldumlauf gesehen, hoch. Deshalb muss der Kreditzins am Anfang relativ hoch sein. Um genug Liquidität für Auszahlungen in der Bank zu binden, muss parallel auch der Einlagenzins höher sein, was die Kredite ebenfalls verteuert. In einer späten Phase, wenn die Geldmenge hoch genug ist, können die Kreditzinsen deutlich niedriger liegen, weil durch das insgesamt größere Kreditvolumen auch bei Niedrigzinsen genug Einnahmen entstehen, um einzelne Ausfälle zu kompensieren. Auch die Einlagenzinsen können stark sinken, weil es keine Liquiditätsprobleme gibt. Sogar Negativzinsen sind sinnvoll und denkbar, um das Horten von Geld unattraktiver zu machen und Geld so im Umlauf zu halten. Durch die geringe Größe des Währungsgebiets entsteht dadurch Nachfrage, die tatsächlich den verschuldeten Unternehmen der direkten Nachbarschaft hilft ihre Leistungen zu verkaufen.
Hat der Geldumlauf eine ausreichende Menge erreicht, sollte diese Geldmenge einigermaßen stabil gehalten werden. Wenn das Währungsgebiet nicht zu groß ist, ist es ab einer gewissen Liquiditätsmenge auch nicht kritisch, wenn die Geldmenge mal etwas schrumpft, solange bei der Kreditvergabe die Sicherheiten nicht zu hoch beliehen wurden. Insgesamt ist eine langfristige Steigerung der Wirtschaftsaktivität nicht unwahrscheinlich, denn die Menschen stecken Jahr für Jahr kontinuierlich ihre Arbeitsleistung in das System und auch Sonne, Wind und Regen liefern Einträge in das System. Die zunehmende Erfahrung der am Wirtschaftsleben Beteiligten und die in der Folge intensiver werdenden wirtschaftlichen Verflechtungen sollten eine regelmäßige leichte Ausweitung der Wirtschaftsaktivität und damit auch der Geldmenge rechtfertigen. Denn es werden durch diese Einträge und Investitionen auch regelmäßig Sachwerte mit einer gewissen Lebensdauer geschaffen, die eine produktivere Wirtschaft fördern.

Wenn der Anteil gemeinschaftlicher Aufgaben (bisher Staat) bescheiden bleibt und mit ca. 80 Prozent des jährlichen Steuervolumens seine festen Auf- und Ausgaben finanzieren kann, könnten selbst kleine Absenkung der Einnahmen bei einem fallen Wirtschaftsleistung durch temporäre Ausgabenkürzungen bei den variablen Kosten aufgefangen werden. Heute steuern die Regierung nach Keynes mit den Mitteln der Allgemeinheit gegen solche wirtschaftlichen Rückschläge, weil es die Reichen nicht machen wollen. Und die Herrschenden steuern auch gerne mit öffentlicher Verschuldung dagegen, weil sie so an der Macht bleiben dürfen.

Solche kleinen, geschlossenen Systeme wie Smartland gibt es natürlich in der Praxis heute leider nur wenige. Stattdessen strebt alle Welt nach besonders großen gemeinsamen Währungsräumen. Wobei wir jedoch aktuell erleben, dass die heutigen Geldsysteme von Dollar, Euro, Pfund etc. nicht stabil funktionieren und wir eine breite Verarmung des Mittelstandes erleben müssen, um vom extremen Leid der armen Schichten erst gar nicht zu reden. Was ist heute anders?

Erstens können sich Bargeldhalter heute der Haftung entziehen. Die Motivation dafür ist verständlich. Die Menschen haben keinen Einfluss auf die Kreditvergabe oder Geldmengen und sind dem gesamten System hilflos ausgeliefert. Deshalb wollen Menschen ihre Guthaben schützen. Bargeld wird auch benötigt, um anonyme Zahlungen leisten zu können. Aber letzteres kann man technisch auch anders regeln. Nicht ohne Grund versuchen viele Staaten Bargeld deshalb heute abzuschaffen. Was bei dem bestehenden System allerdings unberechtigt ist, denn der Räuber in diesem System sind die Staaten, die über zu hohe Ausgaben und damit zu hohe Steuern und Verschuldung, die Wirtschaftssysteme zum Einsturz bringen.

Machtsysteme sind aus Sicht der Herrschenden stabiler, wenn sie größer sind. Sie können leichter überhöhte Abgaben fordern, wenn es in der Nachbarschaft keine Mafia gibt, die weniger verlangt. Aber wenn ein Währungsgebiet größer wird, kann Geld in entfernte Regionen abwandern (durch Gewinne überregionaler Unternehmen oder Steuerforderungen des Zentralstaates) und damit lokal agierende Kreditnehmer in die Zahlungsunfähigkeit treiben, weil sie in ihrer Region einfach nicht mehr genug Geld erwirtschaften können. Genau der Effekt, den wir heute als Deflation erleben. Denn das großflächig genutzte Geld kursiert dann in anderen Regionen des großen Währungsgebietes, üblicherweise in der Hauptstadt-Region oder wichtigen Wirtschaftszentren. Wenn dann in den unattraktiven Zonen lokale Banken pleitegehen, ist das nur bedingt ein Verschulden der dort lebenden Menschen. Die Verarmung ganzer Regionen, sowohl in den USA als auch in Euro-Land oder dem ehemaligen Imperium Groß Britanniens sind dem Umstand geschuldet, dass die Eliten nur für sie vorteilhafte Währungssysteme betreiben. Die Gewinne der großen Player sollen gemehrt und abgesichert werden. Und natürlich sind selbige nur erzielbar, wenn die kleinen Player entsprechen verlieren. Damit das so blieb, wurden im Rahmen der Finanzkrise, die betroffenen Banken statt mittels „bail-in“ (was in großen Währungsgebieten nicht funktionieren kann) mittels „bail-out“ gerettet, indem die von massiven Kreditausfällen bedrohten Banken von den staatlichen Zentralbanken mit Geld geflutet wurden, um die Verluste temporär kompensieren zu können. Was den kommenden Kollaps allerdings nur in die Zukunft verschiebt und gleichzeitig in seinen Auswirkungen verschlimmert.

Ganz besonders schwierig wird es, wenn die Bewohner von Smartland ihr Clever-Geld nehmen und damit Waren im Ausland direkt bezahlen können. Dann kursiert ein Teil der Geldmenge im Ausland und ist für die Kreditnehmer absolut unerreichbar und auch ein nationaler Sicherungsverbund der Banken, kann Schuldenkrisen dann nicht mehr auffangen. Die USA mit ihrem Dollar sind eine solche Kombination. Allein in Argentinien sollen geschätzt 50 Milliarden an US-Dollar-Noten umlaufen, die dort anstelle des argentinischen Pesos ein viel beliebteres Bargeld sind.

Klar konnten solche Staaten und deren Bevölkerung, wie die USA und andere Kolonialmächte so über lange Zeiträume viel Waren im Ausland einkaufen. Nur wird es mit der Zeit für die US-Schuldner selbst, wie oben geschildert, unmöglich Geld für Zinsen und Tilgung oder nur den Kauf von Waren zu finden. Durch die hohe Nachfrage, dieser Schuldner, nach Dollar, wertet der Dollar dabei stets weiter auf. Was dazu führt, dass es den restlichen Geldbesitzern und dem Staat noch leichter fällt, Waren im Ausland einzukaufen. Was wieder dazu führt, dass weiter Geld abfließt. In den 1990er Jahren bekämpfte Greenspan das Problem der Dollarverknappung mit der erneuten Verschuldung bereits schuldenfreier Häuser. Wir wissen, dass durch die neuen Kredite wieder frisches Geld in Umlauf kam, denn genau dort liegt der Vorteil von Kreditgeld. Dieses frische Kreditgeld lief dann wieder etwas vor Ort um, bevor es auch wieder ins Ausland verschwand. Als 2006 die Beleihungsgrenzen für fast alle Häuser erreicht waren, begannen die US-Banken Subprime-Kredite zu vergeben, an Kreditnehmer, von denen man wusste sie würden das Geld nicht zurückzahlen können. Und so kam es dann zur Finanzkrise von 2008.

Im Rahmen der Bankenrettungen von 2008 wurden im Nachgang viele der Kreditsicherheiten verwertet. Oft waren die Bewohner von US-Häusern sogar froh, wenn Sie die Häuser einfach an die Bank abgeben durften, sobald der Wert des Hauses unterhalb des Kreditsaldos lag. Aufkäufer der Sicherheiten waren reiche Privat-Eigentümer oder gleich Fondsgesellschaften wie Blackrock oder Vanguard die Vermögen aus allen erfolgreichen Wirtschaftszonen der Welt einsammelten. Weil anfangs die Mieten günstiger waren als die nicht mehr bedienbaren Kreditraten gewannen die verarmten Regionen so wieder etwas Luft zum Wirtschaften. Nur floss jetzt mit jeder Mietzahlung noch mehr Geld aus den armen Regionen in die reichen Wirtschaftszentren ab und die Schieflage stellte sich vor der Pandemie gerade wieder ein. Daraufhin versuchten die Regierungen weltweit unter dem Deckmantel der Pandemie endlich das Geld in der Realwirtschaft zu verteilen, statt stets immer nur in der Finanzwirtschaft. Weil sie dabei ungeschickt und maßlos vorgingen, erzeugten sie damit Inflation, die der finale Auslöser der Massenverarmung wird. Weil die Menschen in der Folge für Essen und Energie bereits soviel Geld ausgeben müssen, müssen andere Ausgaben immer weiter zurückgestellt werden.
In den verarmten Regionen ist es mit ehrlicher Arbeit immer weniger bis gar nicht mehr möglich Einkünfte zu erzielen, weil regional bis auf wenige Reiche, einige Schergen der Bundesregierung sowie Sozialleistungsempfänger niemand mehr über Geld verfügt. Noch so gute Produkte oder Dienstleistungen können keine Abnehmer mehr finden, weil fast niemand mehr ausreichend Zahlungsmittel hat, weder als Bargeld noch als Giralgeld auf dem Konto. Genau deshalb fallen die Preise und wir erleben Deflation bei der Arbeit. Natürlich auch, weil der Geldzustrom in Folge der Pandemie-Ausgleichsmaßnahmen versiegt ist.

Dieses Gesamtsystem wäre schon vor langer Zeit zusammengebrochen, wenn die Ausländer ihre Dollar-Guthaben nicht zwecks Verzinsung in die USA zurückgeschickt hätten. Weil die Ausländer dabei als Zeichner von Anleihen (Firmen- oder Staatsanleihen) oder Käufer von Aktien oder den vormals überschuldeten US-Immobilien die eingenommenen Dollar wieder in das US-System zurückgaben, blieb der Kollaps des Dollars bis heute aus.
Stattdessen wird die Nachfrage nach Dollar zwecks kreditvertraglich vereinbarter Tilgung trotzdem zu einer immer verzweifelten Bemühung der vielen, vielen Dollarschuldner. Diese sorgt in Krisenzeiten, wenn die Ausgabebereitschaft der Dollar-Halter zurückgeht, dann regelmäßig durch Dollar-Verknappung für eine Dollar-Aufwertung. Denn die reichen Dollarbesitzer in den erfolgreichen Wirtschaftszentren, wollen keinesfalls das kaufen, was die verzweifelten Dollarschuldner in den verarmten Gebieten anbieten. Sie müssen auch nicht fürchten, dass ihre Guthaben, wie in Smartland mittels „Bail-In“ beschlagnahmt werden, um unbezahlbare Kredite zu tilgen. Stattdessen sind die Regierungen gezwungen, die Banken zu retten.

2008 kamen die Zentralbanker deshalb auf die schlaue Idee neues Geld statt über Kredite einfach mittels QE direkt als Staatschulden in den Kreislauf einzuspeisen, um den Reichen ihr Geld zu belassen. Das so in Verkehr gebrachte Geld ist jetzt wirklich Fiatgeld, denn erst jetzt gibt es keinen Kreditnehmer mehr, der für Rückgabe des Kredites arbeiten muss. Und erst dieses Geld ist – statt dem bisherigen Kreditgeld – ein wirklich leistungsloses Fiatgeld. Mit diesem Fiatgeld kann jede Zahlungsunfähigkeit des Staates dauerhaft vermieden werden, und dieser Staat kann „seine Banken“ unbegrenzt schützen. Wie man in den letzten 14 Jahren seit der Finanzkrise aus dem Jahr 2008 sehr gut erkennen kann. Nur werden die Werte, die mit diesem Geld erworben werden, anzeigen, dass der Wert des Geldes stark sinkt, also die Preise in Geld nominal stark ansteigen. Was über die letzten Jahre mit Aktien, Immobilien und Anleihen passiert ist. Im Gegensatz zu Aktien und Immobilien ist der Preisanstieg bei Anleihen schwerer zu erkennen. Aber die gesunkenen Zinsen machten das völlig klar. Man muss auch hier viel mehr investieren, um mit früheren Zeiten vergleichbare Einnahmen zu erzielen.
Warum bis 2020 die Güter der Realwirtschaft nicht angestiegen waren, ist auch leicht erklärt. Die durch QE leistungslos erstellten Dollars, wurden nur in die Finanz-Wirtschaft injiziert und deshalb zeigten sich die Preissteigerungen auch nur dort, wo dieser Wirtschaftszweig sein Geld investiert. Aber mit der Corona-Krise wurde im gesamten Westen sehr viel dieses leistungslosen Geldes als staatliche Almosen in den Kreislauf der Realwirtschaft geleitet und hat jetzt auch dort zu einem erheblichen Preisanstieg durch partiell stark angestiegene Nachfrage (beispielsweise nach Computer-Chips) geführt.
Inzwischen macht sich bei den Investoren in US-Finanzwerte auch eine gewisse Unruhe breit, ob die Mieten, Zinsen und Dividenden zukünftig noch so wie bislang erwirtschaftet werden können. Was auch dazu führt, dass diese Investoren sich den noch sehr niedrig bewerteten Rohstoffen zugewendet haben, was dort zu Preissteigerungen und damit die Inflation in der nachgelagerten Realwirtschaft verstärkte. Die Russlandsanktionen waren das allerdümmste, was man in diesem Umfeld machen konnte. Lieferengpässe verstärken jede Inflation, die stets auf Lieferengpässen beruht.
Das gesamte US-Dollar-System funktioniert nur, weil es den USA gelungen ist das ins Ausland abgeflossene Geld mit Fondsgesellschaften, wie Blackrock oder Vanguard ins eigene Land zurückzuholen. Das hält die Finanzzentren am Leben, weil die Eliten weiter über unbegrenzte Gelder verfügen, die nach wie vor mittels QE leistungslos erzeugt werden. Nur darüber können die USA ihren völlig aberwitzigen Militär-Apparat finanzieren. Nur das gemeine Volk muss immer mehr leiden und leiden, die schnell wachsenden Zeltstädte sind der Beweis.


Was ich hier als These aufgestellt habe:
Geld funktioniert umso länger je kleiner und abgeschlossener ein Währungsgebiet ist. Was im Mittelalter durch die fehlende Mobilität durchaus auch für lokalen Metall-Münzen gegeben war. Alle Imperien sind aber stets nach spätestens 100 Jahren an den Folgen der Gebietsausweitung kollabiert. So werden auch die USA in Kürze kollabieren. Was eigentlich schon lange überfällig ist. Aber Kreditgeld ist durch seine quasi kostenlose und unbegrenzte Herstellbarkeit natürlich viel länger in der Lage die Defizite auszugleichen. Münzen aus (Edel-)Metall konnte früher eben nicht leistungslos in den Umlauf gebracht werden.

Das Problem der regelmäßig kollabierenden Wirtschaften liegt also an:
1. Zu großen Währungs- bzw. Staatsgebieten
2. Zu großen Staatsausgaben bzw. Steuereinnahmen (was ein hier Thema ist)
Keinesfalls sehe ich die Ursache in der Verschuldung oder dem Kapitalismus an sich. Das Kreditgeldsystem ist ein sehr gutes, extrem effizientes System, um Mittel für die (Vor-)Finanzierung von Investitionen bereitzustellen. Ein Vorteil ist auch, dass darüber die Verteilung des Geldes im Währungsgebiet gut organisiert wird. Überall dort, wo Kredite aufgenommen werden, kommt Geld in den Kreislauf. Die Geldverteilung war bei rohstoffgebundenem Geld, wie es Goldmünzen sind, in großen Währungsgebieten ein äußerst schwieriges Unterfangen. Deshalb wurden früher neben Steuerzahlungen (Geldleistungen) auch stets Arbeitsleistungen oder Ernte-Erträge als Abgaben gefordert. Es war nämlich einfach nicht möglich, das Geld ausreichend zu verteilen, damit sich jedermann hätte, zwecks Steuer-Abgabe, selbiges vorher besorgen können.
Der Zeitablauf in Verbindung mit der Höhe der Gesamtschulden, oder sogar das oft als Fiatgeld bezeichnete Kreditgeld selbst, die bislang stets in den Mittelpunkt verschiedener Kollaps-Theorien gestellt wurden, sind zwar am Problem beteiligt, aber verursachen es nicht. Das erledigt die Übergröße von Währungsgebieten. Wobei der Kollaps, durch Geld-Abfluss / -Konzentration keinesfalls schlagartig erzeugt wird, sondern natürlich nur im Zeitablauf entsteht. Bei einem geschlossenen, kleinen Währungsgebiet, kann ein Kollaps jedoch stets vermieden werden, weil immer ein gerechter regionaler Ausgleich von Guthabenhaltern und Schuldnern möglich ist, der das System sogar – wie oben beschrieben – vorbeugend stabilisiert, ohne zu einem leichtfertigen Missbrauch des Ausgleichsverfahrens einzuladen.

Das ist meiner Meinung nach eine wichtige Erkenntnis, die wir nutzen können und sollten.

Viele werden jetzt fragen, wie geht denn Außenhandel, ohne Dollar oder Gold, rein auf Basis regionalen Währungen? Die Antwort auf diese Frage wird in einem separaten Beitrag publiziert werden.

Wer von den Debitisten kann mir sagen wo mein Denkfehler liegt und warum Smartland doch mit den Geld- / Währungs- / Bankenproblemen konfrontiert sein sollte, die wir aktuell erleben. Ich sehe diese Probleme nicht, was aber auch zeigt, das Schulden den Kollaps nicht verursachen, sondern falsche, konkret zu große Abgabe-Strukturen.

Grüße
Morpheus

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Wir - für die unbeschränkbare Freiheit.


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