Schulden sind es nicht, sondern zu hohe Abgaben, wegen dem Sonderrecht der Herrschenden

Morpheus ⌂, Donnerstag, 16.03.2023, 04:02 (vor 466 Tagen) @ Naclador4182 Views

Lieber Naclador,

in Deiner Modellrechnung stecken sehr viele sehr willkürliche Parameter. Wie kommst Du gerade auf 22% Lohnausgleich für Mehrarbeit? Warum setzt Du 20% als akzeptable Staatsquote an? Warum rechnest Du aus, wie viele Arbeitnehmer man von dem gleichen Gehalt bei geringerer Staatsquote bezahlen könnte, wenn Du doch ursprünglich nur Geld und Arbeit für 1000 hattest? Wo kommt das zusätzliche Geld für die 22% Lohnanpassung her?

Ja, die 22% habe ich genommen, damit sich die Zahl von 20% unterscheidet, damit man nicht verwirrt ist, wenn eine Zahl zweimal kommt. Es ist eine Annahme, die ich ja dann in der Tabelle entsprechend etwas variiert habe, damit man die Auswirkungen sehen kann. In den 1.000 war die Lohnanpassung von 22% schon enthalten. Also habe ich ausgerechnet, wie viele man ohne diese vorherige Lohnanpassung hätte beschäftigen können. Auch das mit mehreren Annahmen in den Musterbeispielen.

Aber wie dem auch sei, Fakt ist, dass selbstverständlich dringende gesellschaftliche Aufgaben nicht mehr finanzierbar sind, wenn die Staatsquote zu hoch ist. Die reale Produktivität wächst schon lange nicht mehr, die derzeit noch auf dem Papier stehenden Produktivitätszuwächse sind ein Symptom der schleichenden Geldentwertung.

Ja

Warum steigt die Staatsquote unaufhörlich? Weil die Staatsausgaben unaufhörlich wachsen.

Ja

Warum steigen die Staatsausgaben unaufhörlich? Weil Schulden zu bedienen sind.

Nein, weil die Herrscher zu viel Geld ausgeben.

Dabei sind Staatsschulden derzeit für die Bundesrepublik der kleinere Faktor. Staatsanleihen des Bundes lassen sich noch immer zu sehr niedrigen Zinssätzen an den Käufer bringen.

Aber jeder andere Posten der Staatsausgaben ist mit Schulden belastet. Alle Produktion von Waren und Dienstleistungen muss vorfinanziert werden, und die Summe der Gesamtverschuldung muss in einem Kreditgeldsystem stetig steigen, was bedeutet, dass ein immer größerer Anteil der gesamten Wirtschaftsleistung für Zinsen aufgewandt werden muss. Das setzt sowohl den Staat als auch jeden anderen Nettoschuldner im System einem wachsenden Druck aus.

Das mit den Schulden ist richtig, aber lange lange vorher beginnt das mit zu viel Steuererhöhungen. Lies bitte hier, insbesondere den Schluss.


Es sind die Schulden, die die Staatsquote antreiben, weil alles immer teurer wird, weil von allem ein wachsender Anteil an Renten abgezogen wird, die denjenigen zugute kommen, die die Vorfinanzierung der Produktion ermöglicht haben. Es ist nicht die Gier des Staates oder der Regierung, die die Staatsquote nach oben treibt, denn der Staat ist selbst in erster Linie Schuldner.

Es ist die Lust am Ausgeben von Geld und an der Möglichkeit die Steuern zu erhöhen. Das Problem ist einfach. Wenn am Markt Preise ausgehandelt werden und man einen Konsens findet, dann ist es für beide Seiten akzeptabel. Nur müssen die Untertanen gehorchen, wenn die Herrschenden die Steuern erhöhen. Die Herrschenden können ihren lebensnotwendigen Egoismus ausleben, der Untertanen müssen ihren lebensnotwendigen Egoismus unterdrücken. Und dadurch entstehen die Schieflagen. Weil die Steuern viel zu stark erhöht werden können, steigen die Ausgaben zu hoch und deshalb werden irgendwann sogar zusätzlich zu den Steuern Schulden aufgenommen. Wobei Schulden für langfristige Investitionen in einer Gesellschaft genauso sinnvoll sein können, wie in einem Unternehmen. Schulden in seiner eigenen Währung kann jeder Staat immer tilgen und Zinsen gehen halt auf Null zurück, wenn zu viel Geld im Umlauf ist. Die Ursache für den Kollaps liegt woanders. Wir, und da schließe ich mich voll mit ein, waren jahrelang auf dem vollkommen falschen Dampfer.

Das ist vielleicht der entscheidende Unterschied der heutigen Zustände zum klassischen debitistischen Modell: Der Staat erhebt die Steuern, aber der größte Teil der Staatsquote ist nur direkt Steuerschuld. Indirekt, nämlich über den Umweg der Staatsausgaben, sind es die Nettogläubiger, denen das zusätzlich eingetriebene Geld zugute kommt. Die privaten Vermögen steigen mit der Staatsverschuldung und konzentrieren sich dabei auf immer weniger Gläubiger. Während zu Beginn eines debitistischen Durchlaufs, also z.B. kurz nach einer Währungsreform, die privaten Guthaben und Vermögen klein sind und der Staat hauptsächlich "auf eigene Rechnung" arbeitet, ist der Staat heute hauptsächlich Eintreiber für am Ende private Schulden. Es sind die privaten Verbindlichkeiten, die heute mehrheitlich zu Privatinsolvenzen führen, nicht die Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt.

Nein, es ist lustig. Wer heute seine Kredite nicht mehr bedienen kann, der hört auf zu arbeiten, geht zum Staat und kassiert Sozialhilfe. Das passte den Herrschenden ja nun gar nicht, statt Steuern zu kassieren, müssen sie Sozialleistungen zahlen. Deshalb haben sie die Privatinsolvenz eingeführt, anfangs mit 7 Jahren Bewährungsfrist (Wohlverhaltensphase), heute glaube ich mit drei. Damit werden die Gläubiger enteignet und der Staat kann wieder Steuern kassieren, weil der überschuldete Bürger wieder in seine Tasche und die des Staates arbeitet.

Das "haben müssen zum Termin" ist damit großteils privatisiert, nicht das öffentliche Finanzamt sondern die private Bank oder der private Investor sitzt dem Schuldner im Nacken.

Ja, Kredite wirken genauso wie Steuern. Auch sie sind ein strafbewährter Zwang zum Arbeiten. Könnte ich auch noch viel dazu schreiben.

Aber die Lösung ist, die Herrschaft von Menschen über Menschen muss aufhören. Dann bekommen wir stabile Verhältnisse. Ich habe dazu hier an verschiedenen Stellen verschiedenes geschrieben. Weil es braucht Voraussetzungen. Steuern müssen trotzdem erhoben werden, sonst gehen die Gesellschaften unter wie die Kommunisten untergegangen sind.

Grüße
Morpheus

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