Natürlich, aber Staatsverschuldung läuft seit jeher rollierend.

Naclador, Göttingen, Mittwoch, 15.03.2023, 09:13 (vor 460 Tagen) @ Morpheus4218 Views

es ist ein Unterschied, einmal Schulden aufzunehmen und nicht mehr zu tilgen oder Schulden aufzunehmen und regelmäßig zu bedienen.

Denn im zweiten Fall müssen sich ständig Freiwillige finden, die dem Staat frisches Geld leihen. Und es war ein guter Indikator zu sehen, dass die ZB's irgendwann einspringen mussten, um das Geld zu liefern. In der EU primär, weil man die Zins-Differenzen, nicht zahlen wollte.

Richtig, es müssen Nachschuldner her. Ganz nach debitistischem Lehrbuch.
Dass die ZB's einspringen mussten war ein Indikator für was?

Die Zeichner von Staatsanleihen könnten es auch lassen, den Staaten ihr Geld zu übergeben. Denn wie erklärst Du uns die Zeit, wo der Zeichnende genau wusste, dass er vom deutschen Staat weniger Geld zurückbekommen würde, als er ihm am Anfang geliehen hatte.

Na ganz offensichtlich war die Rendite der Staatsanleihen, wenn auch negativ, so doch höher als die am Markt erwartete Rendite. Man war bereit geringe Verluste bei den Staatsanleihen in Kauf zu nehmen um nicht noch höhere Verluste bei anderen Geldanlagen hinnehmen zu müssen.

Zu solchen Vereinbarungen wurde niemand gezwungen. Die Zeichner haben es freiwillig gemacht.

Die Ursache bei den Problemen ist eben eine ganz andere. Es sind nicht die Summen des Geldes insgesamt. Das Problem von Geld ist seine Verteilung in großen Gebieten. In den USA ist das Zentrum, seit Anfang der 1990 Jahre komplett verarmt. Die haben nur durch die Neuverschuldung der Bestandsimmobilien wieder Geld in den Kreislauf eingespeist. Das endete mit dem Finanzcrash 2008 und bezahlen mussten es nicht die Banken sondern die Käufer der betrügerisch konstruierten Wertpapiere. Ist aber ein anderes Thema. Jetzt sind die Häuser alle auch noch vermietet und die Eigentümer sitzen wieder in den Küstenregionen oder im Ausland. Jetzt fließt das Geld noch schneller ab als vorher.

Das ist nicht prinzipiell ein Problem der Gebietsgröße. Der Teufel kackt immer auf den größten Haufen. Geldsysteme entwickeln sich immer nach einer Pareto-Verteilung. Kleine Unterschiede in den Grundvoraussetzungen verstärken sich mit dem Zeitverlauf. Nach unendlicher Zeit extrapoliert besitzt einer alles. So lange hält der debitistische Kreislauf nur nicht durch. Geldsysteme sind inhärent nicht nachhaltig. Jedes Geldsystem ist ein Ponzi-Schema.

Kleinere Währungsgebiete sorgen nur dafür, dass der Akkumulationsprozess langsamer abläuft.

Deshalb explodieren die Zeltstädte in den USA und auf Twitter sieht man jeden Tag zwei Videos, wie Leute in Läden reinmarschieren, einen riesigen Beutel mit Waren zusammenklauben und den Laden einfach verlassen, Shoplifting genannt. Die haben keine andere Chance und nichts mehr zu verlieren. Niemand hält sie auf, weil es keinen Sinn macht sein Leben zu riskieren.

Sobald sich der Betrieb der Läden nicht mehr lohnt werden sie geschlossen. Dann muss der Staat versuchen die Versorgung der Bevölkerung zu übernehmen. Die FEMA-Camps sind ja schon da.

Das sind die Symptome eines debitistischen Systems kurz vor dem Ende.


All das passiert NUR, weil (Kredit-)geld NICHT in großen Gebieten funktioniert. Rohstoffgeld, also Gold, würde noch viel schlechter funktionieren, weil das Gebiet automatisch die gesamte Welt wäre. Das hatte früher gut funktioniert, NUR WEIL das Leben der Menschen zu 99% regional war und der geringe überregionale Austausch nur sehr langsam Probleme erzeugte.

Falsch, das passiert in jedem noch so kleinen Kreditgeldsystem. Nur geht es in großen Systemen bedeutend schneller. Und in kleinen Systemen ist eventuell ein New Deal leichter umzusetzen.

Ich könnte noch viel mehr schreiben. Steht alles in meinem Buch. Alles was wir erleben ist einfach und logisch zu erklären. Nur die Vorfinanzierung des Staates ist eben nicht das Problem. Auch das Gelbe hat die Theorie bisher mehrheitlich nicht verstanden. Denn gerade das Zentrum der Macht, schwimmt im Geld. Das Problem ist die dauerhafte und gleichmäßig und Versorgung der Peripherie, um das System am Laufen zu halten.

Vielleicht muss ich erst Dein Buch lesen, aber ich sehe das als non-sequitur: Wie kommst Du denn von "Die Größe ist das Problem." zu "Die Vorfinanzierung ist kein Problem."?

Zum Schluss noch folgendes lustiges Detail: Deutschland wurde nach dem Krieg dezentralisiert, um ein überstarkes Zentrum in Berlin oder sonst wo zu vermeiden. Das hat Deutschland bis heute gestärkt, anstatt es zu schwächen. So kann es laufen, wenn man die Theorie nicht verstanden hat.

Grüße Morpheus

Ja, Dezentralisierung und Regionalisierung sind gute Tendenzen, aber sie lösen nicht das fundamentale Problem, nämlich dass wir alle Schulden zu bedienen haben. Immer. Bis zum Tod. Und dieser Umstand zwangsläufig zu einem verzinsten Geldsystem führt, in dem alles Geld immer dem größten Geldbesitzer zufließt. Und damit jedes Geldsystem ein Ablaufdatum hat. Und es keine nachhaltigen Geldsysteme geben kann, denn wir leben nicht in einem nachhaltigen Universum. Tempus fugit.

Gruß,
Naclador

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"Nur die Lüge benötigt die Stütze der Staatsgewalt. Die Wahrheit steht von alleine aufrecht."
Thomas Jefferson


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