Die Praxis und die Legalität (auch an @Beo2 und @NST)

Weiner, Montag, 13.03.2023, 10:44 (vor 357 Tagen) @ Morpheus4742 Views

Hallo Morpheus -

ich danke für Deine Überlegungen, kann aber nur kurz antworten, da mit Wochenbeginn wieder andere Themen Priorität haben.

Ich teile Deine Gedanken und habe kaum Einwendungen. Ich würde auch akzeptieren, dass Gewalt und Herrschaft unumgänglich waren, um die gegenwärtige kulturelle und technische Entwicklungs'höhe' zu erreichen. Ich würde sogar vermuten, dass selbst die Opfer der Jahrtausende dauernden Gewalt und Unterdrückung heute, wenn sie es sehen könnten, sagen würden "es war gut so" - aber nur sofern WIR, die wir heute in der Verantwortung stehen, das alles zu einem akzeptablen Ende bringen. Ich wenigstens sehe mich daher in der Pflicht.

Eine vergleichbare Beurteilung kann m.E. auch für die Schäden an der Natur gegeben werden: der Industrie- und Finanzkapitalismus war nötig und vertretbar, wenn es jetzt gelingt, den Prozess geordnet abzubremsen und für den Nutzen einer Mehrheit auszurichten (und nicht nur für eine kleine Yacht- und Raketenelite). Ich bin damit voll und ganz auf der Linie der Grünen und der Fridays-for-Future-Fraktion (auch wenn ich andere Vorschläge zum Umbau hätte).

Für diesen Umbau oder die Transformation, die ja auch Beo2 skizziert, gibt es nur zwei Optionen. Entweder sie findet auf legalem Wege und im Konsens statt - oder sie ist die Folge eine Katastrophe. Beide Optionen hängen aber miteinander zusammen. Denn nach der Katastrophe, in einem Wiederaufbau, müssten die gleichen Maßnahmen ergriffen werden, wie auch jetzt, wenn wir die Transformation in unserer aktuellen Situation vollziehen wollten.

Heute bekommst Du aber keine Mehrheit und keinen Konsens mehr zustande, wenigstens nicht großflächig. Denn unsere produzierenden und konsumierenden und in der Mehrheit noch sehr entspannten Mitbürger haben Wichtigeres zu tun. Deswegen sind die "Fridays" ja auch so frustriert und aufgeregt - ich warte darauf, dass sie bald anfangen sich selbst zu verbrennen (aber nachhaltig bitte!).

Auf der von Dir genannten zellulären Ebene kann man aber heute schon sich Gedanken darüber machen, wie eine entsprechende Organisation des Lebens nach der Katastrophe aussehen sollte. Deswegen heißt VORBEREITUNG für mich, nicht nur Waffen und Büchsen (mit Eintopf ...) zu hamstern, sondern auch an die soziale und gesamtwirtschaftliche Organisation zu denken. Da geht es dann nicht nur um Nestbau (@NST) und Landwirtschaft sondern auch um eine Chip-Produktion, um die Herstellung von Monitoren, um eine Luftfahrtindustrie, um eine Schiffsbauindustrie etc. - und das kann man mit 'zellulärem' Aufbau alleine vermutlich nicht organisieren.

Der legale Rahmen, ob heute genutzt oder dereinst in einem Wiederaufbau, sind die Instrumente der Direkten Demokratie (=Bürgerbeteiligung, Volksinitiative mit ABSTIMMUNG usw.), und zwar als Korrektiv für die Mißstände, die durch die von den Parteien usurpierte und korrumpierte repräsentative Demokratie (=WAHLEN) entstanden sind. Ich sehe keine Schwierigkeiten, auch heute schon Menschen für solche Ideen zu bewegen. Ich sehe aber große Schwierigkeiten, die fachliche Kompetenz zu organisieren, um tragfähige politische Konzepte zu entwickeln, über die dann abgestimmt werden könnte.

Macht's gut!

W.


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