Welche Konsequenzen hat eine hohe Staatsquote auf den Arbeitsdruck? Warum hohe Abgaben die Probleme im Pflege- und Gesundheitsbereich erzeugen.

Morpheus ⌂, Sonntag, 12.03.2023, 03:11 (vor 444 Tagen)7508 Views

Hallo alle Freunde des Debitismus,

Haben wir alle gar nicht nachgerechnet, was die hohen staatlichen Abgaben eigentlich bedeuten?

Geld kann man nachführen, qualifizierte Arbeitskräfte, wie alle derzeit erleben, eben kaum.

Durch das laufende Gejammer von Knall Lauterkrach über das fehlende Personal im Gesundheitssystem, hatte ich versucht mir mal die Auswirkung der staatlichen Verantwortung für das Problem anzuschauen. Und was sich zeigte, wenn ich richtig liege, ist interessant.

Man betrachte die folgende Rechnung:

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Kann mir jemand einen Rechenfehler vorrechnen oder liegt die von Mitarbeitern zu leistende Mehrarbeit wirklich bei deutlich über 80 Prozent, wenn die Abgabenquote bei 45% liegt und man den Mitarbeitern bereits 22 Prozent Gehaltszuschlag für die notwenige Mehrarbeit gezahlt hatte?

Zur Sicherheit die Rechnung noch einmal langsam erklärt:

Ich nehme 1000 Mitarbeiter der Branche X an. Bei einer Abgabequote von 45% kann ich netto davon 550 bezahlen. Wenn ich jetzt annehmen in dem Gehalt der 1000 wäre bereits ein um 22% erhöhtes Gehalt enthalten, dann müsste ich die 1.000 Mitarbeiter auf 1282 korrigieren, um eine Vergleichsgröße ohne die Gehaltssteigerung zu bekommen. Wenn ich jetzt von diesen 1282 eine von mir festgelegte, akzeptable Abgabequote von 20 Prozent ansetze, ergeben sich als netto-Vergleichsgröße von 1026 Mitarbeitern. Deren potentielle Arbeitsleistung setze ich jetzt in das Verhältnis zu den 550 Mitarbeitern der primären Annahme, was eine Mehrarbeitsbelastung von 86,5 Prozent ergibt.

Findet jemand einen Fehler in diesem Denkansatz?

Wenn da keine Fehler drin sind, kann man die Rechnung mit verschiedenen Parametern ausführen und erhält folgende Ergebnisse.

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In hellblau ist pro Bereich der variierte Zahlenbereich eingefärbt.

Im ersten Bereich wurde die Abgabequote von 25 auf 50 Prozent gesteigert. Dabei steigert sich die Mehrarbeitsbelastung von 36 auf 105 Prozent.

Im zweiten bis vierten Bereich wird der angenommene Ausgleich der Mitarbeiter von 20 auf bis auf 45 Prozent erhöht. Man sieht, dass dies quasi unmöglich ist, weil in der Folge die Mehrarbeitsbelastung noch viel weiter steigt. Der dritte und vierte Bereich unterscheiden sich vom zweiten in der Abgabequote und man sieht deutlich, dass die Mehrarbeitsbelastung bei höheren Abgabequoten sich viel schlimmer auswirkt. Aber auch wird klar, je höher die Ausgleichszahlungen für die Arbeitnehmer in der Vergangenheit waren, desto mehr müssen sie in einer Zeit ohne Preiserhöhungen zusätzlich schuften. Was auch den Hang zum Niedriglöhnen in Deutschland erklärt, weil sich Lohnerhöhungen eben deutlich negativer auswirken als gedacht.

Im letzten Bereich ist eine angenommene, feste Abgabequote von 45 Prozent mit einer angenommen festen Gehaltsanpassung von 22 Prozent kombiniert und die akzeptable Abgabequote wird zwischen 15 und 45 Prozent variiert.

Preiserhöhungen wären sicher auch eine Variante gewesen, aber wir müssen schon sehen, dass wir von 1983 bis 2020 eine sehr lange Phase der stabilen Preise hatten, die beispielsweise beim Handwerk sogar stark deflationär also von zurückgehenden Preisen geprägt war.

Insgesamt sieht man, dass Industriebetriebe, die Maschinen einsetzen, oder Banken, die Computer nutzen, solche Abgabenquoten tragen können, aber wo das nicht der Fall ist, wie in der Pflegebranche oder im Gesundheitswesen, aber auch auf dem Bau, im Handwerk erlebbaren Personalprobleme, haben simple Ursachen. Und die liegen eben NICHT an den Arbeitgebern, sondern, am Gesetzgeber selbst, der für die nicht nachhaltige Abgabequoten verantwortlich zeichnet.
Handwerksbetriebe, wie Bäcker, die bislang durch günstige Energiekosten, hohe Arbeitskosten kompensieren konnten, geraten durch die Energiepreissteigerungen natürlich auch verstärkt in große Probleme.

Insgesamt sind die 45 Prozent Abgabenquote wahrscheinlich zu niedrig angesetzt, denn so dürfte heute allein die Brutto-Netto Differenz der Arbeitslöhne liegen. Letztlich ist es aber egal, ob die Steuern bereits vorher auf die Arbeit erhoben werden, oder erst später auf den Konsum. Man müsste wahrscheinlich eher die Staatsquote ansetzen und selbst die ist wahrscheinlich für Arbeitnehmer zu niedrig angesetzt, weil gerade Einkünfte aus dem international mobilen Kapital massiv begünstigt sind und die leider immobilen Arbeitnehmer das durch einen höheren Anteil an der Staatsquote ausgleichen müssen.

Was klar verständlich wird, warum sich normale arbeitende Menschen kein Haus mehr leisten können. Sie bekommen heute für das vergleichbare Geld nur noch ein Bruchteil der notwendigen Arbeitsleistung. Und was früher durch günstige Materialpreise wenigstens teilweise ausgeglichen wurde, läuft durch die Inflation gerade völlig aus dem Ruder. Wobei die Preissteigerungen natürlich endlich auch eine Möglichkeit sind, die Arbeitnehmer besser zu bezahlen. Was sich gerade für Handwerker recht positiv entwickelt hat. Im Gesundheits- und Pflegebereich sind Preiserhöhungen sehr problematisch, weil sie erhöhen in der Folge auch die Abgabenquote, was dann den Kreislauf wieder von neuem beginnen lässt.

Aber vielleicht habe ich ja einen schweren Denkfehler in meiner Rechnung.

Falls nicht, wäre völlig klar, dass die eigentliche Ursache für den regelmäßigen Kollaps des Kapitalismus nicht die auf die Wirtschaft selbst zurückgeht, sondern auf die Herrschenden, die immer dafür sorgen, dass die Abgabequoten so weit steigen, dass immer mehr Betriebe die notwendigen Einnahmen nicht mehr erwirtschaften können. Denn wie sollten arbeitsintensive Branchen im Wettbewerb um Arbeitskräfte, die Arbeitslöhne steigern, wenn sie in der Folge weniger Personal bezahlen können und der Mehrbedarf an Arbeitsleistung dank der Abgabenquote noch weiter steigt. Sie müssten in der Lage sein, die Preise für die angebotenen Leistungen deutlich zu erhöhen, was aber derzeit von niemanden gewünscht wird, denn alle wollen, dass die Inflation möglichst rasch wieder verschwindet.

Wie immer bin ich gespannt auf Eure Kommentare. Danke im Voraus.

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