CB-Funk in Krisenfall - nützlich, oder eher nicht?

Fairlane, Sonntag, 05.02.2023, 21:59 (vor 393 Tagen) @ Hannes1381 Views

Ich lege mal meine Ansichten und Erkenntnisse zum CB-Funk dar, welche auf praktischen Erfahrungen beruhen und auch Überlegungen zur Nutzbarkeit in einer Krisensituation.

Vorab - ich bin kein Amateurfunker; meine Erfahrungen beziehen sich auf praktische Erkenntnisse und auf den Dingen, die ich mir selbst angelesen habe.

Wer sinnvoll funken will, kommt um eine vernünftige Antenne nicht herum, das fängt beim Handfunkgerät an und zieht sich über den standmobilen, oder die ortsfeste Anwendung hin. Sitzt man irgendwo im "Loch" so wird man recht wenig empfangen und ebenso schlecht gehört werden.

In bebautem Gebiet hat man es ebenso schwer und es ist eher die Ausnahme, als die Regel Verbindung zu bekommen.

Beispielsweise wohnt ein Bekannter und auch CB-Funk-Interessierter gerade mal 1,5km Luftlinie von mir weg und abends haben wir versucht uns per Handfunke zu verständigen - das Resultat war sehr dürftig. Jeder von uns hat es mit seinem Alan 42 Multi und einer besseren Hyflex Antenne samt großem Batteriepacken am Gerät versucht - draußen im Hof oder vom Balkon im 1. Stock aus; wir haben nach etlichen Versuchen eine Sprachverbindung hin bekommen, aber diese war leise und verrauscht - von Praxistauglichkeit kann keine Rede gewesen sein.

Der nächste Versuch sah anders aus: Ich habe auch im Auto ein CB-Funkgerät verbaut, ein President McKinley und eine Sirio FlexLog 4 Antenne mit 1,26m Länge auf dem Dach. Für den Alltagsgebrauch funktioniert diese bei mir hervorragend. Er war 2km weit von mir entfernt im freien Felde; ich war auf rund 210m ü.N.N. in den Weinbergen, mit freier Sicht in seine Richtung. Das Resultat war eine gut hörbare Verbindung, bei welcher man sich problemlos verständigen konnte.


Es ist also durchaus förderlich, wenn man mobil ist und von einem Hügel oder höheren Berg aus funkt, dann gelangt man auch in die Niederungen.
Eine große CB-Antenne auf dem Hausdach wollen wohl die wenigsten haben, Sinn macht es, wenn das eigene Haus günstig und vielleicht an einem Berghang liegt mit Blick über eine weite Talebene.

Die besten Ergebnisse habe ich mit 1/2 Welle oder 5/8 Drahtantennen an einem 14m Glasfaser-Mast standmobil mit dem Auto auf Berghügeln ab 220m ü.N.N. oder höher erzielt. Montiert ist sowas schneller als gedacht; es gibt Erdschrauben, die man für Sonnenschirme in den Boden drehen kann, das ist eine stabile Basis für einen derart langen Mast an dem man die Draht-Antenne mit ein paar Velcro-Streifen befestigen kann.
Mit solchen Antennen habe ich ohne Leistungsverstärkung (braucht man nicht) absolut klare und starke Verbindungen von an die 90km Reichweite erzielen können.

Ein Leistungsverstärker vergrößert natürlich den Sendebereich - aber welchen Sinn hat dies, wenn einen die Gegenstelle hört, aber nicht so weit antworten kann?

Zu meinen Überlegungen der Nutzung von CB-Funk im Krisenfall:

Zunächst sollte man sich einmal überlegen, welchen Sinn man damit verfolgt im Fall der Fälle zu funken. Klar kann man beim Zustandekommen eines QSO's fragen, wie die Lage vor Ort ist, auch die eigene Situation mitteilen. Das mag interessant sein, aber hat nicht den höchsten praktischen Nutzen. Allzu freizügig gemachte Aussagen über den Standort , ggf. beabsichtige Tauschgeschäfte usw. können sich bei unternehmungslustigen Mithörern zu einem Problemfall entwickeln.
Wenn man Funk in einer Krise nutzen will, dann macht es meiner Ansicht nach mehr Sinn den künftigen Funkverkehr planvoll und sicher zu organisieren:

1. Kanal, Modulation und Zeiten zu denen gerufen wird sind in der Gruppe für den Krisenfall abzustimmen. Beispielsweise Kanal 3 FM alle 60min zur vollen Stunde, ab 18 Uhr, fünf Rufe im Abstand von jeweils 5min. bis eine Antwort erfolgt.

2. Man sollte sich mit den Leuten, die in diesem Funkkreis sein wollen eine List erarbeiten, an welchen Treffpunkten man sich -für was auch immer- treffen will. Diese Treffpunkte sollte man codieren, um sich vor unliebsamen Besuchern zu schützen.

Im Kreise der Teilnehmer ist es auch erforderlich den Funkbetrieb zu üben, damit sichergestellt ist, dass jeder seinen eigenen, geeigneten Platz in der Landschaft findet, an welchem man den Rest der Gruppe gut empfangen und auch aufgenommen werden kann.

Überweiten und offenes Band sind keine Ereignisse auf die man zählen kann; es ist wahr, dass sich weite Verbindungen bis nach England oder Russland ergeben können, aber das ist nichts, was von dauerhafter Stabilität ist. Der nutzbare Bereich liegt von einem Berghügel und freier Sicht bei gut 80km, die Mindestanforderung sehe ich bei einer gut abgestimmten Antenne von 1,90m - 2,0m auf dem Autodach, damit lässt es sich sinnvoll funken.

Gruß, Fairlane


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