Patente und zum aktuellen Fall ein paar Größenordnungen

Martin, Donnerstag, 01.12.2022, 08:54 (vor 62 Tagen) @ paranoia1264 Views

Das referenzierte Patent ist schon vor fast 20 Jahren angemeldet worden. Nach meiner groben Einschätzung ist der praktische Nutzen gering, m.W. gibt es bisher auch keine breite Anwendung. Patente werden häufig angemeldet, um den Fuß in der Türe zu haben, falls es vielleicht doch mal eine Anwendung geben könnte (Habe selbst solche Patente angemeldet).

Größenordnungen: Ein Hörgerät läuft mit einer Batterie 100-300 mAh typ. 1,4 V ca. eine Woche, heute inkl. Bluetooth-Verbindung mit dem Handy. Das entspricht einer Leistung im einstelligen mW-Bereich.

Herzschrittmacher (bin aber nicht auf dem neuesten Stand) halten mit einer Batterie durchaus zehn Jahre und werden dann operativ ausgewechselt. Implantierte Defibrillatoren dürften in ähnlicher Größenordnung liegen. Da liegen die Elektroden direkt am Herzen, weshalb mit relativ kleinen Strömen gearbeitet wird (Defi natürlich entsprechend angepasst).

Der elektrische Widerstand des menschlichen Körpers liegt im 100 Hz-Bereich bei 500 bis 1000 Ohm und geht bei höheren Frequenzen schnell gegen Null (er wird im HF-Bereich durch eine Salzwassersäule simuliert). Signalübertragung oder gar Energieübertragung benötigt eine Spannungsdifferenz beim Ein- und Auskoppeln. Bei einem Widerstand von Null wird das nichts. Im 100 Hz-Bereich geht das ein bisschen, aber ich bin skeptisch: Die Spezifikationen bei der Muskelstimulation (Massage, u.a.) liegen bei 200 mApp max. (bei 100 Vpp max). Wenn zwischen zwei solchen Elektroden zwei weitere liegen, könnte über diese vielleicht etwas Leistung abgegriffen werden. Das wäre aber nach kurzer Zeit unerträglich, weil die Muskeln extrem stimuliert würden. Wenn ich so bei so hohen Strömen Energie-Harvesting am Handgelenk betreiben wollte (Versorgung Uhr) würde die Hand schmerzhaft und unkontrolliert herumzucken.

So lange aber Elektroden nicht unmittelbar in Herznähe sind, sprechen wir in diesem Zusammenhang über keine Energien, die Jemanden töten könnten.

Und ja, bei Gleichstrom kann es je nach Materialmix (Metall/Gewebe) Elektrolyse geben, das ist aber bei Wechselstrom kein Thema.


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