@neptun: Niall Ferguson zieht in seinem Buch 'Der Aufstieg des Geldes - ...

Ostfriese, Mittwoch, 02.11.2022, 16:38 (vor 398 Tagen) @ neptun4427 Views
bearbeitet von Ostfriese, Mittwoch, 02.11.2022, 16:49

Hallo mabraton

Ich erlaube mir, an dieser Stelle im Zusammenhang mit den Sätzen

Deine inhaltlichen Beiträge sind eine Bereicherung. Außer Du leugnest Fakten oder ziehst falsche Vergleiche.

auf @neptuns Aussage

… wie z.B. die Rothschilds, welche auch in den vergangenen Jahrhunderten Kriege (wie z.B. den Sezessionskrieg) inszeniert, lang am Leben gehalten und durch finanzielle Unterstützung beider Seiten ihren schier unglaublichen Reichtum noch weiter vermehrt haben.…

in https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=623200 einzugehen.

Hallo @neptun

Deine Aussagen über die Verwicklung der Rothschilds im Amerikanischen Sezessionskrieg sind falsch.

Die Britische Krone siegte in der Schlacht von Waterloo, weil die Rothschilds sich einmischten - die Südstaaten verloren im Amerikanischen Bürgerkrieg, weil die Rothschilds sich nicht einmischten, wie Niall Ferguson formuliert:

Sie hatten den Ausgang der Napoleonischen Kriege entschieden, indem sie ihr finanzielles Gewicht auf Seiten Großbritanniens in die Waagschale geworfen hatten. Jetzt würden sie mit über den Ausgang des amerikanischen Sezessionskrieges entscheiden – indem sie sich heraushielten.

Die Eroberung von Vicksburg durch die Nordstaaten gilt vielen Historikern als Wendepunkt im Amerikanischen Bürgerkrieg - so steht es wenigstens in den Geschichtsbüchern. Der Fall von New Orleans ein Jahr vorher war aus finanzieller Hinsicht aber verheerend für die Südstaaten - und damit kriegsentscheidend.

Wegen der ungenügenden industriellen Basis, den vielen sich selbst versorgenden Farmen, den vielen Kleinstädten und dem Fehlen eines zentralen Steuersystems war liquides Geldvermögen, das ja aus den Finanzierungen an der Basis der Ökonomie entstammt, nur in begrenztem Umfang vorhanden. Es konnte sich kein ausreichend großer eigenständiger Kapital- und Rentenmarkt als Grundlage zur Finanzierung der Sezession des Südens bilden - die Konföderation war auf ausländische Geldgeber angewiesen.

Jenseits einer tiefen Ablehnung der Sklaverei kamen die Rothschilds allein aus geldökonomischer Sicht zu der Erkenntnis, dass der Süden nicht kreditwürdig war. Der Versuch der Konföderation, konventionelle Anleihen auf dem europäischen Markt zu platzieren, scheiterte.

Wegen der fehlenden Steuerbasis wurde jetzt die Baumwolle als neue Art der Besicherung der Anleihen herangezogen. Unter klar definierten Bedingungen konnten die Pfund-Sterling-Anleihen in Baumwolle getauscht werden bei sieben Prozent Verzinsung und zwanzigjähriger Laufzeit. Trotz der militärischen Misserfolge der Konföderation bei Gettysburg und Vicksburg und auch der Fähigkeit die Baumwollernte wegen der Monopolstellung zu reduzieren, erhöhten sich die Kurse der Südstaaten-Anleihen.

Sicherheiten taugen nur etwas, wenn die Gläubiger im Falle der Einstellung der Zinszahlung auf sie zurückgreifen können. Das änderte sich mit dem Fall von New Orleans als zentralem Exporthafen für Baumwolle - er war der Wendepunkt des Sezessionskrieges. Die Ausfuhr der Baumwolle brach zusammen auch aufgrund des Embargos, das die Südstaaten gegen Großbritannien verhängt hatten - das Königreich sollte nämlich gezwungen werden, zugunsten der Konföderation in den Krieg einzusteigen. Sie bezog ihre Baumwolle fortan vorwiegend aus China, Ägypten und Indien.

Die Südstaaten waren mit ihrem Versuch, die Rentenmärkte und Kapitalmärkte zu manipulieren, gescheitert.

Die Regierung des Südens war jetzt gezwungen, ungedeckte Papierdollar schlechter Qualität herzustellen. In der Folge gab es zunehmende Geldfälschung und viele Gemeinden druckten einfach auch eigene Scheine. Das Ergebnis war eine Hyperinflation von 4000 Prozent - die Wirtschaft des Südens brach noch vor der Kapitulation zusammen. Bei Kriegsende betrug der Wert des Dollars der Konföderation nur noch einen Cent.

Die Hyperinflation ist ein unbewusstes und außer Kontrolle geratenes ins Verderben führendes immer wiederkehrendes Ereignis - ausgelöst von der Zentralmacht. In Niall Fergusons Worten:

Es sollte nicht das letzte Mal in der Geschichte gewesen sein, dass der Versuch, den Rentenmarkt anzuzapfen, in ruinöser Inflation und militärischer Demütigung endete.

… - Die Währung der Geschichte' allen nachfolgenden Dämonisierungen und Verschwörungstheorien über den fantastischen Aufstieg der Rothschild Bank, der nur das Ergebnis geldökonomischer Gesetze war, den Boden unter den Füßen weg.

Die Rothschilds beschäftigten sich vorwiegend mit der Staatsfinanzierung und brachten damit auch neue - bis heute gültige - Finanzinnovationen hervor. Ist der 'Krieg' nicht zwangsläufig eine Erweiterung der debitistischen Haftungsräume im Falle der Überschuldung? Kriege werden an den Börsen und an den Rentenmärkten gehandelt und auch dort entschieden - und nicht nur Kriege. Bertolt Brecht hat die Gegebenheit in literarische Texte gefasst, und die Debitisten haben mit der Machttheorie die theoretische Grundlage gelegt.

Gruß - Ostfriese


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