Eigenhofwirtschaft - das ist Hilaire Bellocs (meine Signatur) ungelöstes Problem

Mephistopheles, Datschiburg, Sonntag, 30.10.2022, 17:54 (vor 95 Tagen) @ Ostfriese3259 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Sonntag, 30.10.2022, 18:23

So haben wir dann auch auf diesem Wege den Eilmarsch hin zu einer vollsozialistischen Wirtschaft, in der nur noch für den Staat und seine Verteilungsmaschinerie gearbeitet wird und ansonsten - je nach Substrukturen - jeder einzelne für sich selbst arbeitet.

Das Ganze schaukelt sich dann immer tiefer, bis zum Schluss Arbeiten für die Verteilungsmaschinerie auch noch eingestellt werden (wir kennen dieses Phänomen sehr gut von den präkolumbianischen auch den nahöstlichen Kulturen, wo die gewaltigen Stadt- und Tempelanlagen quasi stante pede verlassen wurden und sich kein Forscher bis heute erklären kann: warum?) und wir dort ankommen, wo wir hergekommen sind: Bei der selbstversorgenden Eigenhofwirtschaft.

Dass dieser Rückbildungsprozess nicht ohne allergrößte Probleme ablaufen wird, ist klar. Aus der Geschichte lernen wir, dass sich die Redimensionierungen höchst blutig gestalten (siehe Rom, siehe die Maya, siehe China, usw.). [/i]

https://archiv.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=165607

Hillaire Belloc betrachtet ebenso die Wirtschaftsgeschichte ab dem Ende des römischen Reiches bis hin zum Mittelalter und dann zur Neuzeit.

Ihm fiel auf, so gegen Ende des Imperium Romanum, arbeiteten nur Sklaven auf den riesigen Dominien, also Herrensitzen. Das waren, sie müssen es gewesen sein, unsere Vorfahren.

So eine Villa rustica, etwa von der Größe eines großen Bauernhofes, etwa 100 ha, war nur mit Sklaven zu bewirtschaften. Diese wurden etwa ab dem 3., 4. Jh. wegen der überhandnehmenden Germaneneinfälle und Plünderungen zunehmend aufgegeben.

[image]

Das dauerte natürlich ein paar Jahrhunderte, bis aus den verlassenen Villae rusticae Einzelhöfe entstanden. (Die Prepper sollten also ausreichend Vorsorge treffen!)
Kann man sich nach diesem Szenario gut vorstellen, warum das so lange dauerte (diesmal wird es etwas länger dauern, weil viele Gebiete werden wegen der atomaren Strahlung ein paar Jahrtausende unbewohnbar bleiben):

https://archiv1.dasgelbeforum.net/index.php?id=193123

Und dann. plötzlich, so etwa 9., 10. Jh., nachdem es zur großen Erleichterung Aller wieder einen Kaiser gab, waren alle frei unsd wirtschafteten (ohne Geld, das damals praktisch unbekannt war)auf Einzelhöfen, ohne dass es eine Sklavenbefreiung gegeben hätte. Also Familienbetriebe. Eine Rolle - müssen dabei - die Klöster gespielt haben, obwohl Hilaire Belloc nicht näher darauf eingeht. Wer nicht auf einem Einzelhof unterkam oder ihn nicht bewirtschaften konnte oder keinen Ehepartner fand - gilt für Männer wie für Frauen - der ging eben ins Kloster. Dort war seine Versorgung - ora et labora - gesichert. Das War eben bis in die beginnende Neuzeit hinein die allgemeine Sozialversicherung.

So erleben wir etwa ab dem 9. uis ins 10., 11. Jh. die gleichzeitig die Klostergründungen und die Dorfgründungen. Die allermeisten unserer heute noch existierenden Dörfer und (verlassenen) Klöster und auch die Burgen, die die Rechtssicherheit (wieder) herstellten, lassen sich auf die damalige Zeit zurückführen.

Danke für den Tipp "Einzelhof"! So konnte ich eeiniges zusammenführen, was mir bisher noch nicht ganz klar war.

Gruß Mephistopheles

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Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc


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