Wahlberichte zur Bundestagswahl 2017

Mortimer, Sonntag, 24.09.2017, 16:02 (vor 2341 Tagen)3293 Views

Geehrtes Gelbes,
ich möchte einen (nach Intention nicht reißerischen) Bericht über den Verlauf meiner Wahl abgeben. Vielleicht machen andere mit und wir können auf diesem Weg einen Überblick darüber bekommen, wie die Wahl an unterschiedlichen Orten abgelaufen ist. Zusätzlich gebe ich noch einen kurzen Kommentar über die allgemeine Stimmung meines beobachteten Umfeldes ab und eine Meinung von mir selbst.

Ich bin:
Erstwähler, ca. 20, Azubi und Berichte aus einem Wahlbezirk im Norden Deutschlands.

Wahlbenachrichtigung und Informationspolitik:

Eine Wahlbenachrichtigung habe ich (und alle Wahlberechtigten im selben Haushalt) nicht erhalten. Die Auskunft über den Eintrag im Wählerverzeichnis konnte ich nach mehreren Telefonaten wenige Tage vor der Wahl bestätigen lassen. Die Webseite des Rathauses bat wenige Tage vor der Wahl eine zusätzliche Hotline an, da vielen keine Wahlbenachrichtigung zugestellt wurde. Nach Aussage eines Mitarbeiters des Rathauses handelt es sich wahrscheinlich um die Hälfte der Wahlberechtigten.

Die Adresse des Wahllokales war für mich per Internetrecherche nicht auszumachen. Sämtliche Wahlinformationen welche auf der Rathausseite zur Verfügung standen wurden heute am Tag der Wahl, oder schon gestern offline genommen (sind noch im Google-cache auffindbar). Auch dort gibt es jedoch keine Wahllokal-Adresse. Verfügbar ist auf der Rathaus-Seite jetzt nur noch ein Platzhalter für die kommenden Ergebnisse der Wahl. Im Rathaus wurde Ich augenrollend begegnet als ich mich über den Ort des Wahllokals informieren wollte. Man hielt mich offenbar für unorganisiert und dumm, als ich sofort anmerkte, dass ich im Wählerverzeichnis stünde und auch die Nummern zur schnellen Auffindbarkeit dabeihätte (mich also schon informiert und eingebracht hätte) begegnete man mir gleich viel freundlicher.

Abgabe der Stimme(n):
Das Wahllokal selbst liegt fußläufig gut erreichbar und bietet ausreichend Parkmöglichkeiten. Eine Wartezeit gab es nicht. Die Anmerkung im Wahllokal, das keine Wahlbenachrichtigung erhalten wurde überraschte niemanden. Es gab einen kurzen Kommentar der Wahlhelfer darüber, dass wirklich viele Leute keine Benachrichtigung erhalten haben. Einen Wahlbeobachter konnte ich nicht ausmachen, weiß aber auch nicht, wer von den (4) dort sitzenden Wahlhelfern vielleicht nur Beobachter war.

Ausgelegen zum Ankreuzen haben rote Buntstifte, es war in den „Wahlkabinen“ (Pappsichtschutz) außerordentlich dunkel, ich habe es trotz guter Sehstärke als schwierig empfunden den Text zu lesen. Für mich war es jedoch unproblematisch die Parteikürzel zum Ankreuzen auszumachen. Einer Person über 60 oder generell mit schlechtem Augenlicht wäre dies vielleicht nicht möglich gewesen. Zugegebenermaßen sind die anderen „Kabinen“ besser (wenn auch nicht gut) beleuchtet gewesen. Die Wahlurne ist zwar nicht überpräsent, aber öffentlich für jeden überwachbar platziert gewesen.

Informationen über Politische Äußerungen und Stimmung im pers. Umfeld:
Generell, viel Unentschlossenheit. Die vor Monaten noch im Raum stehende starke Abneigung der AFD gegenüber gab es nicht mehr, auch wenn keiner sich (direkt) positiv für die Alternative ausgesprochen hat. Mein Kommentar auf der Arbeit, dass ich mich als Erstwähler nicht mit den Altparteien Identifizieren kann wurde nicht als Rechtsradikal ausgelegt und traf auf Verständnis. Andere brachten sich mit ein und bemängelten den „Einheitsbrei“.

Auf sehr große Zustimmung traf der Kommentar, dass es schon schwer wäre aus wenigen zufälligen Personen Individuen zu finden die in etwas Übereinstimmen, das jedoch die etablierten Parteien, welche für die Meinungen dieser unterschiedlichsten Leute einstehen sollten, so ziemlich alle dieselbe Meinung haben. „Eine Repräsentation (des Wählers) findet nicht statt“
„Die Meinungsmaschine“ der Medien, die Anfeindung der anderen Parteien/Politiker der AFD gegenüber und die Aussage lieber nicht zu wählen als AFD zu wählen, sind auf extreme Kritik gestoßen und wurden als „Unterdrückung der Demokratie“ gesehen. Man gehe von einem Prozentsatz der AFD zwischen 10-20% aus und wähle hauptsächlich FDP und die Linke. Aus Kreisen der Berufsschule, werde hauptsächlich die Partei gewählt.

Meine Meinung:
Es besteht ein Vakuum (trotz Nachfrage) nach einer neuen „Mitte-Partei“, die Hauptsächlich deutsche Interessen vertritt und für finanzielle und generelle Sicherheit einsteht. Eine Partei mit konkreten Aussagen zu Bildung, Gesundheit und Lebenssicherung. Man möchte Ergebnisse und das sich „etwas tut“.
Der Wind in den Segeln der AFD ist der einer müde gewordenen politischen Mitte und einem taktischen Wählverhalten derer, die das Tun, was einer großen Koalition am ehesten entgegensteht. Es besteht auch ein starker Wunsch danach, nicht noch eine Legislaturperiode mit Merkel zu erleben, auch wenn Schulz in dem Zusammenhang nicht unmittelbar als alternative gesehen wird.

Ich bin noch recht jung und befinde mich in einem Umfeld von gehobenem Interesse am Weltgeschehen, kenne aber keine Zeit, in der Bürger so viel Zeit und Energie damit aufgebracht haben sich zu Informieren. Dokumentationen, alternative Medien, Themen-Foren und weitere stehen im Mittelpunkt.
Es sind vor allem die älteren die die Schnauze voll haben, die jüngeren die sich nicht in der Politik wiederfinden, die armen die sich unterdrückt fühlen und der Mittelstand der darum bangt, dass Deutschland von anderen Ländern eingeholt wird…


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