Demokratie und Anarchie

Taurec ⌂, München, Montag, 21.08.2017, 22:01 (vor 2428 Tagen) @ Monterone4793 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 21.08.2017, 22:09

Hallo!

Spengler beschreibt die Demokratie als verfassungsmäßig

festgeschriebene

Anarchie.

Die genaue Passage lautet wie folgt und die Verwendung des Wortes Anarchie ist womöglich mehr eine stilistische Frage:

"Was Metternich unter dem Chaos verstand, das er durch seine entsagungsvolle, unschöpferische, nur auf die Erhaltung des Bestehenden gerichtete Tätigkeit solange als möglich von Europa fernhalten wollte, war aber weniger der Verfall dieses Staatensystems mit seinem Gleichgewicht der Mächte als der daneben hergehende Verfall der Staatshoheit selbst in den einzelnen Ländern, die uns seitdem selbst als Begriff so gut wie verloren gegangen ist. Was wir heute als 'Ordnung' anerkennen und in 'liberalen' Verfassungen festlegen, ist nichts als eine zur Gewohnheit gewordene Anarchie. Wir nennen das Demokratie, Parlamentarismus, Selbstregierung des Volkes, aber es ist tatsächlich das bloße Nichtvorhandensein einer ihrer Verantwortung bewußten Autorität, einer Regierung und damit eines wirklichen Staates."

Man geht gewiß nicht in die Irre, wenn man, was wir heute von Kind auf an als "Staat" zu verstehen lernen, in einem größeren Rahmen betrachtet und gegen die organisch gewachsene Ordnung stellt, in der sich die Völker früher gänzlich unkonstruiert selbst einen Staat gaben. Dagegen sind die heutigen Republiken nur eine konterkarierende Nachahmung, ein Zwangskorsett aus Regelungen, das einen morschen, nicht mehr tragenden Kern durch äußerliches Stützwerk zu ersetzen versucht. Die Demokratie ist tatsächlich die Verneinung jedes echten Staates, sie ist "Unstaat" in jedem Sinne, ein "Zombie", totes und durch satanische Energie künstlich am Leben erhaltenes Fleisch.
Man kann die Tiefe des Bruches nicht groß genug bemessen. Der Staat war früher ein Spiegelbild der inneren, seelischen Verfassung der Kultur eines Volkes – mit Goethes Worten "geprägte Form, die lebend sich entwickelt" nach dem (inneren) Gesetz, wonach sie angetreten. Dem entsprechend war eine geschriebene Verfassung gar nicht nötig. In Ermangelung dieser inneren Form, welche die äußerliche prägt, geben wir uns heute kodifizierte Verfassungen, die letztlich äußerlich (anorganisch, steril, unfruchtbar, tot) ersetzen sollen, was uns als Volk im Inneren fehlt. Es ist das komplette Gegenteil.

Anarchie heißt Gesetzlosigkeit. Paßt das wirklich auf die Demokratie?

Etymologisch ist "Anarchie" die Verneinung von "árchein" ("herrschen"), daher korrekt als "Nichtherrschaft" zu übersetzen. "Gesetzlosigkeit" ist schon etwas freier und interpretativ übersetzt.

Da immer irgend jemand herrscht, auch in der Demokratie, wäre "Anarchie" wohl nie die passende Wortwahl, da es sich per se um ein Ding der Unmöglichkeit handeln würde.

Geht man davon aus, daß die Monarchie die einzig legitime Herrschaft ist, weil sie mit transzendenten Bindungen versehen sozusagen höheren Segen hat, so wäre Anarchie als deren Verneinung das korrekte Gegenteil. Da es außerhalb der natürlichen/gottgegebenen Ordnung auch keine Rechtmäßigkeit gibt, wäre sogar die Übersetzung "Gesetzlosigkeit" nicht fehl am Platze. Vom Standpunkt der Monarchie betrachtet sind alle demokratischen Gesetze als nichtig zu bewerten.

Es ist schwer zu beurteilen, inwiefern Spengler seine Wortwahl in allen Details sorgsam bedacht hat. Seinen Selbstzeugnissen ist zu entnehmen, daß er oft wochenlang unter Schreibblockade litt, wenn er in schlechter Stimmung war. Dem entsprechend mag er im Schreibrausch die Gedanken so niedergeschrieben haben, wie sie ihm gerade in den Sinn kamen, ohne nachträglich viel daran zu ändern, froh darüber, daß es endlich raus war. Anders als seine Sprachgewalt und die Physiognomie vermuten lassen, war er wohl eine recht zartbesaitete Künstlerseele, die leicht aus dem Gleichgewicht geriet.

Schnitzer sind ihm wohl bei manchen historischen Details unterlaufen, wobei mir (weil mein Faktenwissen noch immer weit hinter Spenglers liegt) persönlich noch nichts aufgefallen ist. (Wie käme ich dazu, ihm z. B. in der Kunstgeschichte zu widersprechen.) Der Richtigkeit des Grundgedankens seiner Philosophie, d. h. der "metaphysischen Wahrheit" tut das keinen Abbruch.

Gruß
Taurec

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