Die Hexenverfolgung der Hebammen ist nicht die Ursache

tar ⌂, Gehinnom, Mittwoch, 02.08.2017, 02:09 (vor 2543 Tagen) @ Rybezahl4740 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 02.08.2017, 02:13

Hallo,

die Gründe für die geburtenstarken Jahrhunderte und das plötzliche Abebben sind meiner Auffassung nach aber weniger in der religiösen Verfolgung von Verhütungswissen verborgen als vielmehr an den sich allgemein verbessernden Zuständen der breiten Bevölkerung, v.a. der Versorgung.

Es ist nun gerade so, dass eben nicht bevorzugt Hebammen verfolgt wurden:

[color=0077aa]Hebammen als Opfer der Hexenverfolgung?

Innerhalb der älteren wie auch der feministischen Forschung haben die Hebammen besonders viel Aufmerksamkeit erfahren, die – laut Hexenhammer – besonders verdächtig waren, sich selbst, aber auch die von ihnen ins Leben geholten Neugeborenen dem Teufel zu weihen oder gar um magischer Praktiken willen zu töten. Daraus wurde (vorschnell) der Schluss gezogen, die Hexenverfolgung sei gezielt gegen weibliche Heilkunst gerichtet gewesen; Am Ende des Mittelalters seien männliche Ärzte angetreten, um ihre weibliche Konkurrenz – insbesondere Hebammen und andere heilkundige Frauen – aus dem Feld zu schlagen. Teilweise wurde darin auch der Versuch staatlicher und kirchlicher Obrigkeiten gesehen, Verhütungswissen auszurotten und dadurch die Bevölkerungszahl gezielt zu steigern. Fachhistoriker haben diese Thesen zurückgewiesen, da sie deutliche methodische Mängel aufweisen und praktisch außerhalb jeglicher Quellenevidenz angesiedelt sind (Labouvie 1991, Harley 1990, Rummel 2001). Im Gegenteil, so betonen sie, die Hebammen seien ausgesprochen selten als Verursacherinnen von Behexungen angesehen worden, sie seien vielmehr wegen der Bedeutung, die sie für die Geburtshilfe im Dorf hatten, gegen Hexereibeschuldigungen in Schutz genommen worden, obgleich sie ohne jeden Zweifel im Rahmen ihrer Tätigkeit durchaus auch magische (Heil-)Praktiken ausübten. Dank ihren magischen Kenntnissen wurden „weise“ Frauen und Hebammen weit häufiger von Hexenjägern zu Rat gezogen worden, um „wirkliche“ Hexen aufzuspüren, als dass sie selbst vor Hexengerichten angeklagt worden wären.[/color]

Quelle: https://www.historicum.net

Dagegen spricht auch die sehr geringe Zahl an Opfern der Hexenverfolgung.

Meiner Auffassung nach sind die Treiber und Dämpfer der Geburtenrate primär an die Bedingungen zur Versorgungsgewährleistung der Frau und (ihrer) Kinder geknüpft - und sekundär mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau und insb. der Mutter. Das erneute Aufkeimen der Eigentumsgesellschaft ab 1381 trat nun erstmals mit freier Lohnarbeit auf, die zur Kostensenkung den Innovationsantrieb in sich birgt. Das daraus resultierende, effizientere Wirtschaften gebahr eine Verbesserung der allgemeinen Versorgungslage. Ferner war man es gewohnt, dass die Frau für den Nachwuchs da ist, denn bis auf wenige Ausnahmen hatten die Frauen keine außerhäuslichen Pflichten. Obendrein sorgte die Hofvererbung und -bewirtschaftung für den wirtschaftlichen Anreiz, Nachwuchs zu zeugen. Die Bindung der Frau und (ihrer) Kinder an den Mann war ebenfalls äußerst resolut und damit das Versorgungsrisiko der Frau relativ gering. Das änderte sich erst mit der Frauenrechtsbewegung, die u.a. den Arbeitsmarkt für die Frauen verfügbar gemacht und neue sittliche Grundlagen geschaffen hat. Erst damit sanken die Geburtenraten enorm.

Die Lösung des demographischen Youth Bulge wäre folglich, die gesellschaftliche, rechtliche Stellung der betroffenen Frauen entsprechend anzupassen, so dass ihr die wirtschaftlichen Anreize, Nachwuchs zu zeugen, genommen werden.

Wo kann ich die 1000 Friedensnobelpreise abholen? [[zwinker]]

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Gruß!™

Time is the school in which we learn,
Time is the fire in which we burn.


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