Zustimmungen und Einsprüche - die ausgebildeten Einzelkämpfer besiegen ganze Bataillone!

Literaturhinweis, Dienstag, 23.05.2017, 11:45 (vor 2553 Tagen) @ Heinz7159 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 23.05.2017, 12:00

Ich möchte aber einwenden, dass es im Ausland nicht viel besser aussieht, zumindest nach meinen Informationen, schließlich basiert z.B. das japanische Schulsystem auf wilhelminischer Vorlage.

Das habe ich auch gar nicht anders behauptet. Die PISA-Erfolge von singaporeanischen oder südkoreanischen Lehranstalten basieren darauf, einfach solange zur Nachhilfeschule zu gehen, bis der Stoff entweder sitzt, oder man muß sich umbringen. Jedenfalls droht sonst der soziale Absturz und ein Hilfsarbeiterleben. Lebensfreude als westliches Konzept ist dort unbekannt.

Mit andren Worten: das asiatische staatliche Bildungswesen taugt gar nichts - offenbar könnten sich sämtliche Schüler den Vormittagsunterricht ja sparen!!!

Dort gehen viele morgens in die Schule, nachmittags in die Nachhilfeschule, am späten Nachmittag in die zweite Nachhilfeschule und abends in die dritte Nachhilfeschule. Und wer dann noch Defizite hat, geht wochenends in die vierte, fünfte Nachhilfe.

Selbstverständlich sind staatliche Schulsysteme und an sie angelehnte private systembedingt defizitär. Worauf ich abgehoben habe, ist, daß, Asien mal außen vor gelassen, wo sie eine völlig andere Tradition haben, daß es in Deutschland wegen des Schulzwanges nicht möglich ist, Schulversuche vorzunehmen, die im angrenzenden Ausland problemlos möglich sind und auch existieren. Warum ist das so? Weil es im Ausland keine Schulanwesenheitspflicht gibt, sondern eine Bildungspflicht. Wie die Eltern der nachkommen, ist ihnen freigestellt. Der Schulrat überprüft nur ab und zu den Kenntnisstand und wenn sich herausstellt, der wird auch nach einer Nachfrist nicht besser, erst dann werden Eltern Auflagen erteilt, wie sie sich, bis zur Behebung des Defizits, zu verhalten haben. Aber auch dann ist die Lösungsstrategie, sofern sie nur Erfolg verspricht, freigestellt. In Deutschland wären diese Eltern die Kinder schon längst los, sie wären in Psychiatrien und Pflegefamilien untergebracht, die Eltern säßen, je nach Bundesland, im Knast, die Kosten der "Betreuung" dürfen die leiblichen Eltern dann auch noch bezahlen. Deshalb sitzen zehntausende geflohene deutsche Familien ja in Österreich, Polen, Frankreich, Italien, Irland, England usw., ja bis in die USA und nach Kanada verschlägt es sie zum Wohle ihrer Kinder.

Wenige bleiben in Deutschland, meist unter erbärmlichsten Verhältnissen in einer Art Untergrund, etwa, weil sie es sich nicht leisten können, auszuwandern. Auf diese wird dann auch noch mit dem Finger gezeigt, als Negativbeispiele versagenden Hausunterrichts. Na klar waren die Juden in Berlin, als Goebbels als dortiger Gauleiter die Judenfreiheit verordnete, auch nicht in der Lage, ungezwungen Hausunterricht zu erteilen, wenn sie nachts um drei von einem "safe house" zum nächsten flüchten mußten, vgl. den späteren Quizmaster Hans Rosenthal. Die Kritiker verweisen dann genüßlich auf diese abgerissenen Gestalten und vergessen geflissentlich, daß Homeschooler in den USA regelmäßig die vordersten Plätze bei Bildungswettbewerben belegen.

Also, da ich aus Jahrzehnten Diskussionen über dieses Thema mit Deutschen, die sich oft noch nicht mal vorstellen können, daß Deutschland mit seiner Schulpflicht eine Ausnahmeerscheinung darstellt, gewitzigt bin, nochmal:

In Staaten, in denen es keinen Schulzwang gibt, ist es möglich, in Deutschland nicht, Schulexperimente durchzuführen, denn das ultimate Schulexperiment ist ja der Hausunterricht, wie ihn der Rühmann in der Feuerzangenbowle genossen hatte. Alles, was auch nur etwas mehr einer Schule ähnelt, und sei es Sudbury oder Summerhill, kann dem auf Dressieranstalten fixierten Staat also nur umso willkommener sein - dort. In Deutschland dagegen achtet er peinlich darauf, daß sich keine Schulalternative entwickeln kann, die seine eigenen defizitären "Bemühungen" auch nur irgendwie gefährden könnte.

Vor einiger Zeit, den Link habe ich leider vergessen, habe ich mich durch eine Diplomarbeit über das Schulsystem in Südkorea durchgearbeitet. Der Erfolg dieses Systems beruht nicht so sehr auf überlegener Pädagogik, sondern darauf, dass Eltern und Schüler jede Menge Zeit und Geld, bis zu einem Drittel das Familieneinkommens, investieren, um den Leistungsanforderungen gerecht zu werden.

Ja, das gilt auch in Singapur. Asien sollten wir in dieser Diskussion außen vor lassen. Man sollte ja auch nicht anfangen, in einer Debatte über Gluten, zu schreiben "Ja, aber in Japan essen sie Reis". PISA ist ja mit demselben Problem konfrontiert, das auch zum Übersetzen im Fremdsprachenunterricht führt: man muß schriftliche Tests durchführen. Über Problemlösungskompetenzen und späteren Berufserfolg, gar Erfolge in der Selbständigkeit, sagen diese Zahlen gar nichts aus.

Was andere anderswo auch falsch machen, ist doch völlig unerheblich. Natürlich war das deutsche wilhelminische System lange Zeit Vorbild. Zu Zeiten der Taylorisierung glaubte man ja auch noch, die industrielle Fertigung sei am besten militärisch zu organisieren. Tempi passati.

Lange Jahrzehnte war der Gutenberg die Bibel der Betriebswirte mit dem denkwürdigen Satz, der wirtschaftlichste Personaleinsatz sei, an jede Stelle den gerade noch "hinreichend geeigneten" zu setzen (in der Annahme, der sei ja auch der kostengünstigste). Mit dem Erfolg, wen wundert's, der drüber nachdächte, daß man für fast jede Führungs- und Aufstiegsposition jemanden von außen anheuern mußte, denn der mögliche Aufstiegskandidat war ja für die nächste Karrierestufe zu blöd, da nur auf seiner Einstiegsposition "hinreichend" geeignet. Tempi passati. In Silicon Valley versuchen sie schon seit Jahrzehnten Leute einzustellen, die schlauer sind, als der Chef, der sie einstellt.

Diesen Wandel haben nur die kasernenmäßigen Schulsysteme noch nicht mitbekommen. Anpassungsvorgänge in staatlichen Bürokratien erfolgen in der Regel durch gewaltsame Umstürze, (fast) nie evolutiv.

Wir könnten uns darüber unterhalten, welchen Zweck die Schule, jenseits der vom Bildungsministerium herausgegebenen Hochglanzbroschüren, gesellschaftspolitisch überhaupt hat.

Es geht um Disziplinierung. Da die heutigen Staaten nicht auf Einsicht der Regierten beruhen, sondern auf Zwang, muß der Widerspruchsgeist ausgetrieben werden. Der liebevolle Hundebesitzer stellt seinem Hund freiwillig eine Schüssel hin und läßt ihn im Garten herumtollen, der Behaviorist zwingt die Ratte erst einen Hebel zu drücken - dann kommt ein Leckerli. Drückt sie den falschen, folgt Stromschlag.

Förster hat mal behauptet, die Schule ist eine Trivialisierungsanstalt.

Kybernetiker halt.

D.h. die Herrichtung des Individuums auf einen möglichst einheitlichen Menschentypus, der in einer modernen Industriegeselleschaft möglichst friktionsfrei funktioniert. Ich bin ähnlicher Meinung. Die deutsche Schule war ursprünglich organisiert wie eine preußische Kaserne. Alle Reformen änderten an dieser Struktur nichts, außer das sie den Spieß, den Zuchtmeister, aus dem System entfernten. Was noch weniger funktionieren kann, als der ursprüngliche Kasernenhoftypus.

Den gibt es durchaus immer noch. Warum herumbrüllen, wenn subtile Notenmanipulation auch genügt, das unwissenschaftlichste System der "Beurteilung", das je erfunden wurde?

In der Militärtheorie gibt es das Konzept der offenen oder geschlossenen Kampfformationen. Bei offenen Formationen ist jeder Krieger und der Erfolg hängt von den individuellen Fähigkeiten der einzelnen Kämpfer ab. Ein typisches Beispiel dafür war das homerische Zeitalter der Griechen. Bei geschlossen Formationen spielen die individuellen Fähigkeiten keine Rolle. Wichtig ist, das die Soldaten in der Formation bleiben.

Hätte Mirabeau nicht Frankreich verlassen, um der Armee Washingtons das Exerzieren beizubringen, dann wären sie u.U. den britischen Kolonial- und Entsatztruppen unterlegen; glauben sie jedenfalls in Westpoint. Der heutige Armee-Grundkurs der US-Armee (US Army Study Guide) beginnt heute noch mit dem Lob Mirabeaus.

Drum ja auch die extremen Erfolge vom Koreakrieg über Vietnam bis Irak und Afghanistan.

Einzelschicksale spielen überhaupt keine Rolle. Historisch haben sich die geschlossenen Kampfformationen den offenen als unbedingt überlegen gezeigt.

Da gibt es durchaus Militärhistoriker, die anderer Ansicht sind:

"Considering that the theory of guerrilla revolution had not yet been developed, it was remarkable that the Americans had the courage and initiative to employ it. As it was, all their victories were based on guerrilla-type concepts of revolutionary war, while all the American defeats came from stubborn insistence by such men as Washington on a conventional European type of open military confrontation." (Hervorhebungen von mir)

Ich bin in diesem Punkte ganz entgegensetzter Ansicht: siehe die Spezialtruppen weltweit. Von einem KSK-Soldaten oder Green Beret pflegt man zu sagen, sie ersetzten locker hundert Mann. Jaaaa, kommt dann der Militär-Schlaumeier aus der Führungsakademie: von denen gibt es aber nicht geüngend. Nein, nein, sage ich, Dein Schulsystem hat diese Leute derart dezimiert, daß Ihr sie aus dessen Hinterlassenschaften nur noch mit Mühe herauszüchten könnt.

Man muß sich das mal klar machen: seit hundert Jahren gibt es Kampfschwimmer und erst jetzt, seit ein paar Monaten, stellen die das Tauchtraining auf wissenschaftliche Basis!

Das kriegen nur Staaten hin. Ein Steve Jobs würde nicht mal glauben können, daß man so doof sein kann.

Und dieselbe Wissenschaftscheu gibt es eben immer noch im Schulsystem, denn, anders als bei den Kampfschwimmern geht es dort nicht genügend um Leben und Tod, um die Bürokraten zur Raison zu bringen.

Für Helden und Genies gibt es maximal noch in Hollywood einen Bedarf.

Doch, die Kommandeure der Spezialtruppen beklagen allenthalben Personalmangel. Weltweit. Nur zur Einsicht, woran das liegen könnte, haben sie sich noch nicht durchringen können, da sind sie viel zu sehr Produkt des eigenen Systems, das ihnen Scheuklappen aufsetzt. Außerdem darf ein hoher Militär seine Vorgesetzten nicht kritisieren. Da fängt das Problem ja schon an. Wie soll ein Verteidigungsminister etwas dazulernen können, wenn er keine Kritik zu hören bekommt. Daran scheiterte auch Wilhelm II. - Ludendorff schildert seinen Erinneringen, daß man "Majestät nicht widersprechen kann".

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