1910/1920 war etwas anderes anders ...

Literaturhinweis, Sonntag, 21.05.2017, 21:47 (vor 2388 Tagen) @ DT7363 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 21.05.2017, 21:55

Ich glaube, daß das System der 1910/20er Jahre, wo der Lehrer vorne stand und mit dem Stock vorgesagt hat und die ganze Klasse nachbeten mußte, daß das gerade für die Grundlagen gar nicht so schlecht war.

Doch. Es hat 95%-99% dazu verdammt, mit der Volksschule abzuschließen.

Denn ehrlich, das was damals sozusagen im Gleichklang reingehämmert wurde in die Birne, das hält ein Leben lang.

Na ja ...

Ich weiß auch noch fast alles, was wir zB in Latein im Gleichklang aufsagen mußten, amare amo amas amat amamus amatis amant. In Englisch zumindest in der 5 und 6 nicht viel anders. Im Gymnasium.

Und ... kannst Du das sprechen? Latein ist eine Sprache. Ich kenne nur einen Lateinlehrer, der Latein auch sprechen konnte.

Der Effekt mit dem Lesenlernen und Schreiben kam ausschließlich daher, daß man noch gezwungen war, schreiben zu können. Selbst die Banken führten Konten von Hand!!! In Kanzleischrift!

Ich habe den letzten Banker in den siebziger Jahren noch kennen gelernt, der in Frankfurt sein Hauptbuch immer noch von Hand führte - die Bundesbank hatte wohl so eine Art Sonderregelung mit dem, wegen der Monatsausweise. Der hat auch noch in hohem Alter eine Kanutin trainiert. Diese Generation ist seither ausgestorben.

Dazu kommt natürlich heute, daß man durch das Internet und youtube viel mehr englische Filme anschaut und englisch hört. Vergleicht man zB die englische Aussprache von Holländern oder Schweden, wo die Filme im Fernsehen unsynchronisiert laufen und nur mit Untertiteln versehen werden, dann ist die viel besser als die deutsche.

Nein - die können tatsächlich Englisch sprechen. Weil die Filme unsynchronisiert sind.

Die deutschsprachige Bevölkerung ist zu zahlreich, der deutsche Sprachraum zu wohlhabend, da lohnt sich Synchronisation auch für B-Movies. Schade.

Ich hab ja schön öfters gesagt, daß Leute, die durch das Schulsystem vom dem II. WK gelaufen sind, und wenns nur 8 Jahre waren, oft bis ins hohe Alter richtig lesen, rechnen und schreiben konnten, und das ist schon wesentlich mehr, als das NRW- oder Bremen- oder sexy BERLIN-Schulsystem heute mit den "Facharbeiter"-Kindern zustande bringt.

Halt, haaaalt, halt ... das waren die Leute, die heute auf dem Gymnasium Überflieger wären, aber nie dazu die Chance bekamen.

Da in den zwanziger Jahren kaum einer aufs Gymnasium ging, war das eine Auswahl. Und in der Oberstufe trug man Anzug und ab der zehnten Klasse siezte der "Gymnasialprofessor" seine Schüler. Man sehe sich nur die Abituraufsätze von Marx und Engels in der Werkausgabe an - da liegen Welten dazwischen!

Da muß doch wohl was richtig gemacht worden sein. Auf dieser Grundlage konnte dann das deutsche Wirtschaftswunder aufbauen.

Nein, wer nicht zu dem System paßte, wurde aussortiert.

Mehr ist nicht wirklich dahinter. Es war das Bildungsbürgertum, das seine Kinder dahinschickte. Und man las nachts unter der Bettdecke. Die Eltern mußten den Kindern das Lesen verbieten. Mit der Schule hat das nur peripher zu tun.

Das Schulsystem war im Ausland im Übrigen nicht viel anders.

Es ist i.W. eine Kultur- und Religionsfrage, das war die deutsche und Schwyz-calvinistische 'Moderatorvariable'.

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