Geschichtsverfälschung

Mephistopheles, Montag, 17.04.2017, 12:18 (vor 2559 Tagen) @ nereus7908 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Montag, 17.04.2017, 12:28

Hallo Weiner!

Du schreibst: Es ist eine Peinlichkeit ohnegleichen, dass in einer
NT-Erzählung eine Frau, hier also Maria Magdalena, als Zeugin erwähnt
wird, denn nach dem jüdischen Prozessrecht konnten Frauen keine Zeugen
sein. Die Geschichte zeigt m.E., dass mit dem Christentum zum ersten Male
seit der Einführung patriarchalischer Traditionen (vor etwa 6000 Jahren),
wieder die Stellung der Frau aufgewertet werden konnte. Dieser Impuls ging
im Laufe der Geschichte zwar wieder verloren, jedoch gibt es in anderen
Religionen der letzten 2000 Jahre nicht annähernd so viele prominente
Frauen wie im Christentum. Die 'Emanzipation' der Frau im neuzeitlichen
Europa (wie immer man sie beschreiben und bewerten möchte) wäre ohne
diesen geschichtlichen Unterbau nicht denkbar gewesen. Die ökonomische
Instrumentalisierung der Frau war hier nur flankierend hilfreich. In
anderen Kulturen werden Frauen noch viel massiver ausgebeutet.

Überall in der Antike - mit Ausnahme des Judentums - gab es Priesterinnen - im katholischen Christentum gibt es sie bis heute nicht.
Selbstverständlich konnten Römerinnen selbstständig Geschäfte führen, studieren oder selbständig ein Erbe antreten - im Christentum konnten sie das bis in die Neuzeit nicht.
In den christlichen Staaten braucht eine Frau für so etwas einen männlichen Vormund.
Bis in die 50er Jahre des vergangenen Jh. durfte eine Frau ohne die Zustimmung ihres Mannes nicht einmal einen Arbeitsvertrag abschließen.

Du drehst in typisch christlicher Manier - weltweit erkennt man die Christen vor allem an ihrer Verlogenheit(!) - die tatsächliche Geschichte einfach um.

Für die Frauen bedeutete sogar der Islam eine Befreiung, weil die Frau behielt das als Eigentum, was sie in ihre Ehe mitgebracht hatte und konnte die Scheidung aussprechen. Der Ehemann musste dann das Heiratsgut der Frau rausrücken.
Im Christentum gab es das nicht, weil die Kirche im Normalfall keine Scheidung vorsah.

Sehr gut beobachtet! [[top]]
Ich würde allerdings nicht von Peinlichkeit reden sondern eher von
raffinierter Strategie!

Die Evangelisten dürften sehr wohl über die jüdische Rechtslage im
Bilde gewesen sein und haben es dennoch „zugelassen“ als erste Zeugin
für die Auferstehung Maria Magdalena zu benennen.
Das indiziert die Weitsicht der „Handelnden“.

Wen würdest Du als Zeugen vor Gericht zitieren, wenn Dir Anklage drohen
würde?
Alleine dieses kleine Beispiel läßt die Genialität der damaligen
Verfasser und der ganzen Heils-Geschichte aufblitzen.

Das lässt allenfalls die Rückständigkeit der Verfasser im Vergleich zu der umgebenden weltaufgeschlossenen griechischen Kultur aufblitzen.
In der griechischen Antike war es damals durchaus üblich, dass Frauen Regierungsverantwortung übernahmen.

Aber wir befinden uns wohl in der Phase der Rückverblödung (Rückfall hinter die Aufklärung), dass solch hanebüchener Unsinn überhaupt geschrieben werden kann.

mfG
nereus

Gruß Mephistopheles


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