Karneval und Kannibalismus

Ostfriese, Freitag, 14.04.2017, 20:41 (vor 2627 Tagen) @ ebbes5129 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 14.04.2017, 21:13

Hallo ebbes,


Trump ist ein sehr intelligenter Mann.
Was zum Henker hat er vor?

in dem Beitrag hatte ich die Gedankenwelt von Jean Baudrillard schon in einen historisch weiteren Rahmen der drei Simulakren gestellt. In zeitlich zurückliegenden Fäden ist darüber im Forum auch ausführlicher gesprochen worden. Die Medien allgemein haben Trump erst ermöglicht – Georg Orwell hat die Situation in literarische Texte gefasst und Jean Baudrillard hat vor allem die theoretischen Grundlagen gelegt. In der ‚Transparenz des Bösen‘ schreibt er: „Dem ersten entsprach ein natürlicher Bezugspunkt, und der Wert entwickelte sich unter Bezugnahme auf einen natürlichen Gebrauch der Welt. Dem zweiten entsprach ein allgemeines Äquivalent, und der Wert entwickelte sich unter Bezugnahme auf eine Logik der Ware. Dem dritten entsprach ein Code und der Wert entfaltete sich hier unter Bezugnahme auf ein Ensemble von Modellen.“ Trump ist der Präsident im Zeitalter der Simulation. Die Eröffnung eines Diskurses mit ihm über „Wahrheit“ ist völlig sinnlos, weil zu verstehen ist, dass für das System von „Wahrheit und Lüge“ keine ewige oder „wissenschaftlich-objektive“ Realität besteht. Es handelt sich um eine Epoche, die jetzt zu Ende geht. Die postmoderne Simulation beruhte auf Modellen, Codes und der Semiotik, die „dem Realen vorausgehen“.

In einem von Baudrillard in ‚Transparenz des Bösen‘ noch eingeführten „vierten Stadium, dem fraktalen oder vielmehr viralen oder noch besser bestrahlten Stadium des Werts gibt es überhaupt keinen Bezugspunkt mehr, der Wert strahlt in alle Richtungen…“ Das Ergebnis ist: „Zwischen Ursache und Wirkung besteht kein Zusammenhang, lediglich ein viraler zwischen einzelnen Wirkungen.“ In der 4.Ordnung der Simulakra funktioniert die Simulation nur „durch Ironie, Parodie und Farce – als Selbstparodie der früheren Werte und Inhalte der Moderne, wie etwa Freiheit, Kultur, Wahrheit und Humanität.“ Wie @Ashitaka schon in vorangehenden Beiträgen geschrieben hat, sind auch Baudrillards letzten Texte kurz vor seinem Tod 2007, auf die mit den Sätzen:

The Agony of Power

“Once expelled, negativity returns from within ourselves as an antagonistic force--most vividly in the phenomenon of terrorism, but also as irony, mockery, and the symbolic liquidation of all human values.”

Carnival and Cannibal, Or The Play of Global Antagonism

“In the companion essay, “Ventriloquous Evil,” Baudrillard meditates on our present system of global technological and ideological domination which has eradicated human accountability. Baudrillard argues that “this entire electronic, cybernetic revolution is perhaps merely a piece of animal cunning (1984: „... ein unbewusst ausgestoßener Laut, wie das Quaken von Fröschen.”) that humanity has found in order to escape itself.”

hingewiesen wird, der feinfühligen und verträumten deutschen Seele nicht zumutbar – es finden sich keine Übersetzer und Verlage, die die Bücher herausgeben. Interessante Deutungen sind den zwei Beiträgen von Alan N. Shapiro zu entnehmen.

Das International Journal of Baudrillard Studies zeigt dagegen die Resonanz und die umfangreiche Rezeption, die das literarische Werk Baudrillards im englischsprachigen Raum mittlerweile – im Gegensatz zum deutschsprachigen – hervorgerufen hat.

Gruß â€“ Ostfriese


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