Noch'n Erklärungsansatz für Trumps Vorgehen in Syrien

Zooschauer, Donnerstag, 13.04.2017, 22:30 (vor 2649 Tagen)4941 Views

Auch wenn es jetzt eine Woche zurückliegt, sind die meisten von uns ja immer noch etwas verwirrt über die Art und Weise, wie Donald Trump auf die Giftgas-Nummer in Syrien reagiert hat.

Ich weiß, dass Alexander Wagandts Tagesenergien nicht jedermanns Ding sind, weil er die Geschehnisse auf eine Weise betrachtet, mit der viele nichts anfangen können oder wollen. Ich muss sagen, ich schau mir die Sendung immer gern an und mag diese querdenkerischen Impulse sehr, weil sie das eigene Denken herausfordern und bereichern, auch wenn ich nicht immer mit allem konform gehen.

Kurz um, Alexanders Ansatz in der 102. Tagesenergie ist durchaus interessant.

Er geht (natürlich) davon aus, dass die Giftgas-Nummer eine Geheimdienst-Aktion war, die auch Trump unter Druck setzen sollte. Trump musste also etwas tun, um nicht weiter ins Kreuzfeuer der Öffentlichkeit zu geraten. Er hat dann ja auch tatsächlich seeehr schnell gehandelt und diese Raketen auf die syrische Basis abgefeuert. Aber: er hat der russischen Regierung vorher Bescheid gegeben und musste (wollte) davon ausgehen, dass Moskau auch Assad Bescheid gibt, so dass beide Akteure darauf vorbereitet waren.

Und so wie sich alles darstellt, ist bei den Angriffen ja kaum etwas geschehen, keine Toten, wenig Treffer - einer soll eine Caféteria zerstört haben. Wie auch immer.

Alexanders These: Trump hat hier das Militär eingesetzt und damit den Geheimdiensten in die Suppe gespuckt. Und indem er wenig Schaden angerichtet hat, hat er Assad in dieser unangenehmen Situation nach den Giftgas-Vorwürfen letztlich sogar einen Dienst erwiesen. So verstehe ich den Ansatz jedenfalls. Jetzt ist es kaum noch glaubwürdig, Assad einen weiteren Giftgas-Einsatz in die Schuhe zu schieben.

Mal davon ausgehend, dass das Trumps tatsächliche Strategie war, dann hat "der Westen" sie offenbar nicht geschnallt und den Köder geschluckt, zumindest in den ersten Tagen. Die Merkels und von der Leyens hatten ja fast orgiastische Höhepunkte vor Freude, dass Trump endlich das macht, was er soll...

Und Putin? Der spielt das Spiel erstmal mit, indem er sich pflichtschuldigst empört hat. Aber Moskau und Assad waren nach meinem Eindruck über die Giftgas-Vorwürfe weit mehr empört als über den Militärschlag. Das würde die These bestätigen.

Ich halte das für überlegenswert. Möglicherweise sind die Geheimdienste tatsächlich nicht allzu erfreut über diesen schnellen Militärschlag, der am Ende noch nicht mal wirklich geschadet hat. Sie müssen sich jedenfalls etwas anderes überlegen, um Assad zu stürzen. So wie sich die Lage eine Woche danach darstellt, hat sich eigentlich nicht allzu viel geändert. Wirklich geschwächt sind Moskau und Damaskus nicht. Sie berappeln sich eher wieder.

Oder wie seht ihr das?


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