Kostenlos Lebensmittel. Geschäftmodell? Sinnvoll? (Zum Verweis von Literaturhinweis)

Ankawor, Mittwoch, 12.04.2017, 19:40 (vor 2625 Tagen)5869 Views

Literaturhinweis hatte zu einem anderen Thema
( http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=432721 )
einen alten Verweis von mir hervorgekramt (Vielen Dank,
ich hatte das schon vergessen):

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=285909

Wer sich den Film nicht angucken will, ganz kurz der Inhalt:

Der oder die Initiatoren bauen Gemüse an und verschenken es.
Jeder kann sich was holen, es gibt keine Fragen.

Die Gewächshäuser werden mithilfe von Spenden errichtet
(Sachspenden?)

Die Arbeit wird von freiwilligen Helfern durchgeführt.
Ca. 500 haben bereits teilgenommen, und viele sind dadurch
Freunde geworden, Wohlfühlaspekt. Die freiwilligen Helfer sind nicht
notwendigerweise diejenigen, die sich die Nahrungsmittel
kostenlos abholen.

Soweit der Film.

Ich kenne einen, der Interesse hätte, sowas aufzuziehen
und seinen Hitech-Job an den Nagel zu hängen. (Ich kenne sogar
noch mehr, die aus der Tretmühle rausmöchten, aber nicht wissen wie.)

Ich habe ihm den Film gezeigt und es ergaben sich entscheidende
Fragen, die ich nicht beantworten kann.

1. Welches Geschäftsmodell ist das? Die freiwilligen Helfer kommen
ein paar Stunden oder ein Wochenende, um was Gutes zu tun, aber was
ist mit den Initiatoren oder Geschäftsführern. Die können nicht auf
Dauer ihre Arbeitszeit spenden, vermuten wir. Und die Organisation
dürfte Vollzeiteinsatz bedeuten. Wie finanzieren die Initiatoren
ihren Lebensunterhalt bei solchen Projekten?

2. Welche Auswirkungen hat sowas auf die lokalen Anbauer? Würde ich
meinem Bekannten Flächen zur Verfügung stellen, wo er so ein Projekt
aufziehen kann, könnte ich mich beim lokalen Gärtner um die Ecke
beim Grillen und Biertrinken nicht mehr blicken lassen. Er hätte
erhebliche Einbußen. Ähnliches ist ja aus Afrika zu hören, wo Kleiderspenden
oder das Entsorgen von Hähnchenkeulen aus Europa viele kleine Händler
zum Aufgeben zwingt.

3. Welche Auswirkungen hat sowas auf die Empfänger der kostenlosen
Lebensmittel? Lebenserfahrung zeigt, dass kostenlose Sachen nicht wertgeschätzt
werden. Bestimmte Personengruppen werden durch kostenlose Versorgung
ihrer letzten verbliebenen Initiativkräfte beraubt.

4. Wo ist sowas überhaupt sinnvoll? Hier auf dem Dorf gibt es noch eine
Menge (nur ältere) Leute, die sich teilweise selbst mit Gemüse versorgen.
Ist das nur ein Großstadtkonzept?


Die im Film vorgestellte Organisation gibt auf diese Fragen keine Antworten.
Es sind einige Jahre vergangen und auf deren Website ist zu sehen,
dass sie sich zu einer riesigen Organisation entwickelt haben, die auch
auf zahlreichen anderen Gebieten wohltätig ist.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung