Bei Etherum wirken die gleichen Effekte

CalBaer, Donnerstag, 16.03.2017, 18:06 (vor 2685 Tagen) @ Ötzi7363 Views

wegen dem Transaktionslimit bei Bitcoin..

Limits sind nicht irgendwelche willkuerlich gesetzten Konstanten, sondern haben rationale Gruende. Es ist eben nicht einfach eine administrative Entscheidung, die Kapaziataet eines Systems zu erhoehen, sondern sie muss sorgsam wissenschaftlich abgewaegt werden, weil es andernfalls das System zersoert.

Genauso wie man auf Autobahnen nicht beiliebig die Geschwindigkeitsbegrenzung erhoehen kann, um den Personendurchsatz zu erhoehen, kann man nicht einfach die Blockgroesse auf 16MB setzen, um den Transaktionsdurchsatz zu erhoehen. Irgendwann wird das Netz instabil und bricht zusammen. Es hat eben rationale Gruende und die dynamische Anpassung der Blockgroesse, wie sie von BitcoinUnlimited gewollt ist, wird irgendwann dahin fuehren. Die simple Skalierung hat also enge Grenzen. Loesung kann also nur der effizientere Umgang mit Ressourcen sein. Wenn man den Personendurchsatz auf der Autobahn erhoehen will, muessen sich eben mehrere Personen ein Auto teilen oder man setzt verstaerkt Busse ein, die wesentlich effizienter die Ressource Autbahn nutzen.

Ausserdem, jede Erhoehung des Transaktionsdurchsatzes fuehrt zur mehr Zentralisierung, es gibt keine starre Grenze, bis zu der man es ohne diesen Effekt tun koennte. Jeder der ein Full-Node betreibt, kann das bestaetigen (bekennende Informatik-Laien ohne Bitcoin-Praxiserfahrung natuerlich nicht, manche reflektieren sogar jeden Mist, den sie in Foren aufschnappen). Mit den heutigen 1MB-Bloecken musste ich mein Node bereits drosseln, weil das Datenaufkommen bereits bei 500GB/Monat lag, obwohl in diesem Zeitraum nur 4GB an Transaktionen anfallen (das liegt aber in der Natur von dezentralisierten, vertrauenslosen und zensurresistenten Systemen). Wenn nun die Transaktionsmenge erhoeht wird, muss ich mein Node noch mehr drosseln bis irgendwann nur noch kommerziell betriebene Nodes uebrigbleiben, die sich schnelle Glasfaseranschluesse leisten koennen. Natuerlich sinken auch die Kosten im Laufe der Zeit, aber nicht so schnell, dass man in absehbarer Zeit je an die Leistungsfaehigkeit zentralisierter Bezahldienste herankaeme, zumal diese Systeme aus den gleichen Gruenden ebenfalls leistungsfaehiger werden.

Auch Ethereum oder Alt-Coins koennen sich solchen Effekten nicht entziehen, weil es prinzipiell die gleichen dezentralisierten, vertrauenslosen und zensurresistenten Blockchain-Systeme wie Bitcoin sind, nur mit etwas anderen Parametern. Die Effekte sind dort derzeit nur nicht spuerbar, weil das Transaktionsaufkommen noch sehr gering ist. Auch die Ethereum-Entwickler sind sich dessen bewusst und verfolgen verschiede Ansaetze, um die Effizienz anstatt einfach die Blockgroesse zu erhoehen. Fertige Loesungen gibt es dagegen bei Ethereum noch nicht. Da man aber auf PoS umstellt, wird es auch auf Node- und Miner-Zentralisierung hinauslaufen, was aber dem Ansatz der Dezentralisierung entgegenlaeuft. Hat man wenige Nodes und Miner auf engem Raum konzentriert, kann man um mehrere Groesenordnungen groessere Bloecke problemlos verarbeiten, weil die Nodes und Miner untereinander mit schnellen Datenverbindungen leicht anzubinden sind. Das hat allerdings nur noch wenig mit einem dezentralisierten System zu tun und diese werden dann viel leichter anfaellig fuer Stoerungen und Manipulationen.

Und wenn's hart auf hart kommt, wir sich jemand finden, der einen
Bitcoin-Fork mit Segwit und neuem Mining-Algo ins Netz stellt. Sobald man
den auf einer Exchange traden kann, wird das ein Selbstläufer. Das hat man
bei ETC schön gesehen. Ich würde mich auch nicht wundert, wenn Core da
schon etwas fertig in der Schublade hat. Sie müssen das aber geheim
halten, damit niemand vorweg ASICs baut. Die chin. Miner werden dann von
Jihan Wu und Roger Ver abfallen und Segwit so schnell aktivieren, wie sie
können.

Das wurde auch schon von einem Entwickler vor einiger Zeit vorschlagen, ist also kein Geheimnis. Sha256 durch z.B. Scrypt zu ersetzen ist fuer Software-Entwickler ein Kinderspiel. Man muss nur die Quellen auf dem Github clonen und die Funktion ersetzen. Gut moeglich, dass es schon jemand gemacht hat (es gibt auf Github bereits Tausende Bitcoin-Projekte). Die Core-Entwickler setzen allerdings auf Kontinuitaet und vermeiden den Hardfork, einfach weil die Risiken zu gross sind. Deren Kapazitaetswerweiterung, die seit November 2016 zur Verfuegung steht und bereits auf ueber 60% aller Nodes laeuft (wobei auf Grund der Vorwaertskompatibilitaet die alten Versionen weiterhin nutzbar sind), muss nur aktiviert werden. Die Miner sperren sich dagegen, weil sie eben oekonomisch handeln, denn mit mehr Kapaziatet wuerden auch deren Gebuehreneinahmen erstmal kraeftig sinken.

--
Ein ueberragender Teil der Oekonomen, Politiker, Banker, Analysten und Journalisten ist einfach unfaehig, Bitcoin richtig zu verstehen, weil es so revolutionaer ist.
Info:
www.tinyurl.com/y97d87xk
www.tinyurl.com/yykr2zv2


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung