Damals und Heute

Protoceratops, Dienstag, 14.03.2017, 09:33 (vor 2652 Tagen) @ Monterone2987 Views

Hallo Monterone,

vor dem geschichtlichen Hintergrund betrachtet hast du natürlich Recht.

Aber was hilft uns das in der momentanen Situation und ist es nicht eher hinderlich, wenn man bestrebt ist, die Zukunft der europäischen Völker erfolgreich zu gestalten?

Vergeben und Verzeihen sind hier die Schlüsselworte, alles andere führt uns Europäer nicht zusammen.
Diese alten Wunden mögen zwar schmerzhaft und noch nicht ganz verheilt sein, aber sie immer und immer wieder aufzureißen und darauf herumzureiten ist in meinen Augen kontraproduktiv.
Das gleiche gilt doch auch für den deutschen „Schuldkult“.
Unrecht hat doch in der 1. Hälfte des letzten Jahrhunderts fast jedes an den Kriegen beteiligte Volk auf sich geladen.
Die einen mehr, die anderen etwas weniger.

Natürlich sind die Benes-Dekrete noch in Kraft, aber das kümmert in Tschechien und der Slowakei ehrlich gesagt niemanden mehr.
Für die jüngeren Leute ist das sowieso alles „Geschichte“.
Aber selbst bei den Alten die alles miterleben mussten und hier kann ich von den Großeltern meiner Frau aus Tschechien berichten, ist der Hass auf Deutsche nicht so verbreitet, wie man meinen möchte.
Beide Großväter wurden mit Anfang 20 als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt.
Beide berichteten, dass sie gut behandelt wurden und mehr Angst vor den allierten Bombenangriffen, als vor den deutschen Aufsehern hatten.
Beide konnten damals Mitte der 90er, als ich meine Frau und deren Familie kennen lernte noch etwas deutsch.
Beide waren mir gegenüber nie voreingenommen oder gar feindselig, ganz im Gegenteil!
Beide wollten unbedingt noch einmal nach Deutschland zurück, in die Städte wo sie damals als Zwangsarbeiter lebten (Stuttgart und Leipzig).
Beide erhielten übrigens erst Ende der 90er eine Entschädigung, bzw. einer der Großväter hat das gar nicht mehr erlebt.
Ich könnte hier jetzt Seitenweise von Begegnungen und Dialogen mit alten Menschen, auch außerhalb der Familie in Kneipen oder auf der Strasse in Tschechien (aus der Mitte des Landes, aus Prag, aber auch viel aus dem „Sudetenland“) berichten.
„Deutschenhass“ habe ich nur einmal erlebt und der Mann war in meinem Alter (55J.), damals Ende der 90er also noch nicht einmal 40.

Ich will dieses Thema jetzt hier nicht weiter vertiefen, es gehört nicht zum Faden und wäre auch viel zu umfangreich.
Mit meinem Ursprungsposting wollte ich anhand der Kommentare nur das Stimmungsbild in der tschechischen und slowakischen Bevölkerung wiedergeben.
Das erlebe ich in persönlichen Gesprächen dort nämlich genau in dieser Form.


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