Woher kommt der Mehrwert.

Beo2, NRW Witten, Sonntag, 26.02.2017, 10:52 (vor 2612 Tagen) @ Mephistopheles4679 Views

Er kommt ausschließlich aus der Arbeitskraft/-leistung. Das Kapital selbst kann nichts erzeugen, sondern wird ebenfalls von der Arbeitskraft geschaffen.. Im Detail ...

Wer schafft eigentlich den Mehrwert? Ich füge das mal hier an, weil das der nächste Punkt ist, wo die Ideologen gerne postfaktisch die Tatsachen umdrehen.
Jeder kann arbeiten. Das, was er damit erreicht, ist der Wert seiner Arbeitskraft. Allerdings kommt dabei meist sehr wenig heraus.

Dies ist eine subjektive Bewertung ohne jegliche Beweiskraft. Der Wert einer Arbeitsleistung kann nur an dem Mehrwert gemessen werden, den sie nachweislich! erzeugt hat. Es gibt keinen "hypothetischen Wert" von Arbeitskraft. Wieviel Mehrwert erzeugt denn ein Unternehmer ganz allein, ohne Mitarbeiter?

Da gibt es jedoch Unternehmer, welche die Arbeiter zu einem Kollektiv zusammenführen und die Arbeit sozial organisieren.

Ich hole weiter aus:
Die Realität spielt sich nicht nur im (heutigen) Raum ab, sondern auch noch in der Zeit. Sie hat eine Geschichte, eine Entwicklung, eine Vergangenheit und eine Zukunft. Wenn wir in die Zeit zurück blicken, dann stellen wir fest, dass das heutige System, welches ein kapital'istisches** ist, mit der Einführung der SKLAVEREI geboren wurde. Die Einführung der Sklaverei war u.a. durch zwei markante Ereignisse markiert:

__ 1) Erstens, durch die blutig gewalttätige Privatisierung des bis dahin gemeinschaftlichen Guts 'Grund & Boden', mit allem, was sich darin und darauf befindet und wächst. Damit wurde den meisten damaligen Menschen ihre Lebensgrundlage entzogen, um sie ihnen anschließend gegen Lieferung von Arbeitsleistung zu verleihen.
__ 2) Zweitens, die Gründung der ersten privaten Unternehmen erfolgte unter Anwendung brutalster Gewalt durch die ersten Unternehmer, um so gefangen genommene Arbeit"nehmer" in geordneten Arbeitsprozessen "sozial zu organisieren". Dies begann zu geschehen vor etwa 10.000 Jahren.

Aus den ursprünglichen Leibsklaven sind nach und nach die Leibeigenen, die Fronbauern, die Landarbeiter (Tagelöhner), das Hausgesinde (Knechte, Mägde), die Manufakturarbeiter, und schließlich die industriellen Arbeit"nehmer" hervorgegangen. Diese Klasse von schwer arbeitenden Menschen, immerhin 4/5 der Bevölkerung, waren immer praktisch mittellos und auf den Abverkauf ihrer Arbeitsleistung zu jeglichen Bedingungen an die Land-, Geräte- und Werkanlagenbesitzer angewiesen, die zudem auch noch Waffen sowie bezahlte Schlägertruppen und Killer besaßen und davon gerne Gebrauch machten.
Durch die karge Entlohnung waren die Sklaven und Arbeit"nehmer" nicht in der Lage, Produktionsmittel (Kapital) zu erwerben und anzuhäufen .. dieses wurde aber auf der anderen Seite innerhalb Familiendynastien vererbt und über Jahrhunderte weiter akkumuliert. Rebellische Arbeiter, die von der Freiheit und der Mitbestimmung träumten und davon sprachen, wurden kurzerhand getötet oder anders beseitigt, was in der Wirkung auf die Population einem selektiven Zuchtprogramm entspricht, ganz ähnlich der Züchtung von Hunderassen. Das heutige Ergebnis dieser Selektion über viele Generationen hinweg ist eine Sklaven- und Sklavenhaltermentalität .. ein voller Erfolg der Zuchtmeister. Der heutige typische Lohnsklave träumt nicht von der Freiheit und Mitbestimmung, sondern davon, wie auch er/sie zu den Sklavenhaltern oder wenigstens zu den Sklaventreibern (Management) aufsteigen könnte.
Die Entlohnung der Lohnsklaven ist weltweit karg, wie sie es immer war. Sie reicht bei den meisten nur für das Allernotwendigste, denn die Arbeitskraft soll ja nicht sterben, sondern eine kalkulierte Zeit lang zur Verfügung stehen. Gibt es hier mal einen Überschuss, so wird auch die Entlohnung selbstverständlich gesenkt, ganz egal, ob sie zum Überleben ausreicht oder nicht.
Ökonomische Macht bedeutete immer auch (gekaufte) politische Macht. Die politische Macht (Legislative) wurde immer genutzt, um ein Kräfteungleichgewicht zwischen den Klassen aufrecht zu erhalten .. bis heute. Notfalls wurde und wird einfach drauf geschossen. Da bringt auch die dünne vertikal-soziale Mobilität von heute prinzipiell keine Änderung .. die Klassen, deren Größe und Machtverhältnis bleiben seit deren gewalttätiger Installation unverändert bestehen.

Folglich, die (strukturelle) Sklaverei als solche wurde gar nicht abgeschafft, sondern bekam wieder und wieder nur ein neues Gesicht (= plastische Chirurgie), eine neue oberflächliche Erscheinungsform. Die Peitsche und Kette des Sklavenhalters befindet sich nun in den Köpfen der Lohnsklaven .. es ist die blanke Existenzangst, der natürliche Überlebensinstinkt und die eigene Macht-/Mittellosigkeit (vgl. auch "Urschuld").
Die Sklaven von heute braucht man nicht mehr nach Feierabend anzuketten und ab und zu auszupeitschen oder sie physisch wie eine Sache zu besitzen. Denn darum ging es gar nicht. Sie erscheinen nun von selbst jeden Morgen an "ihrem Arbeitsplatz", da sie nirgendwohin weglaufen können, wo es anders wäre. Nur darum ging und geht es, um deren Arbeitskraft.

Damit sie überhaupt Arbeiter bekommen, müssen sie die Arbeiter über dem Wert ihrer Arbeitskraft bezahlen, also über dem, was die Arbeiter für ihre Arbeit ohne das Unternehmen erlösen würden.

Der Wert einer Arbeitsleistung kann nicht bestimmt werden, bevor der von ihr erzeugte Mehrwert nachweislich feststeht. Es gibt keinen "hypothetischen Wert" von Arbeitskraft.

Genauso wenig ist ein herumliegender Haufen von Werkzeug und Werkanlagen "ein Unternehmen". Ein solches entsteht erst durch die damit arbeitende Arbeitskraft. Ohne diese Arbeitskraft ist es fast nichts wert, da es aus sich heraus weder etwas Nützliches hervorbringen, noch als Nahrung, Kleidung etc. dienen kann. Das kann man aber von der Arbeitskraft als solchen nicht behaupten: Sie hat unter allen Umständen einen sehr bedeutenden Gebrauchswert und Nutzen, da bereits sie allein in der Regel zum Überleben von Menschen, wie auch immer, befähigt .. neben der Produktivkraft der puren Natur. Zudem, sie ist der Schöpfer von jeglichen bereits vorhandenen sowie von zukünftigen Produktionsmitteln (Kapital), außer den natürlichen Ressourcen.

Durch die kollektive Organisation der Arbeit entsteht ein Mehrwert.

Der Mehrwert entsteht nicht allein durch die "Organisationsfähigkeit" von kollektiven Arbeitsabläufen durch einen Koordinator, sondern durch die tatsächlich und kooperativ! erbrachte Arbeitsleistung aller Beteiligten und jedes Einzelnen, inklusive ständig erforderlicher Problemlösungen durch die Mitarbeiter.
Ein Unternehmen ist eine Unternehmung, wo etwas gemeinsam unternommen wird. Das heißt, erst die Arbeits-/Tatkraft macht aus einem Haufen von Sachanlagen (Werkzeug) ein Unternehmen. Kein Unternehmer kann also ohne Gewaltanwendung irgend Jemanden in Arbeitsprozessen "organisieren", wenn dieser Jemand nicht aktiv kooperiert.

Zahlreiche heutige Unternehmen werden von bezahltem Management geleitet, ohne dass die Kapitalgeber auch nur einen Handschlag in ihrem Unternehmen machen (vgl. Aktiengesellschaften u.a.). Es ist also durchaus möglich und üblich, auch mit einem geregelt entlohnten Management, was auch nur Mitarbeiter sind, einen üppigen Mehrwert zu erzeugen. Selbst wenn die Managervergütung per Gesetz flächendeckend auf die Hälfte oder gar ein Zehntel runter gedrückt würde, gäbe es nachwievor genügend qualifizierte und arbeitswillige Manager. Zudem könnte per Gesetz eine Festverzinsung des eingelegten Kapitals vorgeschrieben werden, sofern der jährlich erwirtschaftete Gewinn das hergäbe, und der Rest des Mehrwerts müsste auf alle Mitarbeiter (nach bestimmtem Schlüssel) verteilt werden.

Auch Unternehmen, welche überwiegend oder zur Hälfte der Kommune gehören, können Mehrwert erwirtschaften. Der entsprechende Anteil am Mehrwert würde unmittelbar der Allgemeinheit zufließen. Das gleiche gilt für die Unternehmensform der Genossenschaft. Würden nur genossenschaftliche Unternehmen per Gesetz zugelassen, so würde eben der gesamte Mehrwert einer VoWi von Genossenschaften erzeugt. Diese werden bekanntlich kollektivistisch von gewählten Mitgliedern geführt, wobei die Belegschaft ausschließlich aus Genossen bestehen kann. Der erwirtschaftete Mehrwert wird hier auf alle Mitglieder umgelegt.

Angenommen, es gäbe flächendeckend die gesetzliche Regelung (per Betriebsverfassungsgesetz), dass die höchste Pro-Stunde-Vergütung innerhalb eines Unternehmens nicht das 10-fache der niedrigsten Vergütung überschreiten darf. Zudem wäre das Eigenkapital fest zu verzinsen. Auch hierbei müsste der gegebenenfalls erwirtschaftete Mehrwert anders auf alle Beteiligten verteilt werden als heutzutage.

ZWISCHENFAZIT: Wem der in einem Unternehmen gemeinsam geschaffene Mehrwert und zu welchen Anteilen zu gehören hat, ist eine Sache der subjektiven Beurteilung der direkt Beteiligten, der Verhandlung oder des Souveräns (Gesetzgebers).

Wem steht also der Mehrwert zu? Den Arbeitern, die ohnehin [üb]er dem Wert ihrer Arbeit bezahlt werden, oder dem Unternehmer, welcher erst durch seine Fähigkeiten den Mehrwert erschafft, wozu die Arbeiter ohne ihn nicht in der Lage wären?

Die Produkte eines jeden Unternehmens entstehen aus einer Fusion von Kapital (Werkzeug) UND Arbeitskraft/-leistung. Es ist daher völlig unlogisch, wenn diese Produkte und die dafür erzielten Erlöse alleiniges Eigentum des Kapitalgebers sein sollen. Hier stimmt etwas Grundsätzliches nicht.

Meine Logik sagt mir, dass der Mehrwert (bzw. die Erlöse/Erträge) selbstverständlich allen Beteiligten, die an dessen Schöpfung mitgewirkt haben, gehören muss. Über die genaue Aufteilung wäre (im voraus) zu verhandeln. Hierfür werden Beteiligungskonzepte benötigt, die teilweise schon bereitliegen. Auch an ein (verzinstes) "Lohnkapital" anstatt Lohnarbeit kann gedacht werde. Später kann und muss dies gesetzlich neu geregelt werden. Das gleiche hat m.M.n. auch für die Entscheidungsprozesse auf allen Ebenen eines Unternehmens zu gelten.

Wer geht das Risiko ein, wenn der Mehrwert nicht wie kalkuliert erlöst werden kann? Der Unternehmer oder der Arbeiter? Aus all dem folgt: Ein eventuell anfallender Gewinn steht natürlich in vollem Umfang dem Unternehmer zu.

Dem kompletten Kapitalstock aller heutigen Unternehmen zusammengenommen stehen Umweltschäden in gleichem Nominalwert gegenüber. Wer trägt das Risiko? Per Saldo wurde da also nichts an Lebensqualität erzeugt. Wollte man diese Schäden beseitigen, so müsste man alle Unternehmen für mindestens 1000 Jahre dichtmachen und selbst sammeln und jagen gehen. Die Natur wird sich allerdings bald zu helfen wissen.
Selbst wenn wir die Umweltschäden ganz außer Acht lassen, so stellen wir bei annähernd Nullwachstum des BIP fest, dass der Mehrwert eines Unternehmers exakt der Minderwert (Verlust) eines anderen ist. Wir haben hier mittlerweile gesamtwirtschaftlich eine Nullsumme an Mehrwert. Dementsprechend findet z.B. in der EU oder gar weltweit per Saldo kaum noch eine zusätzliche Wertschöpfung statt, da es im Durchschnitt kaum Wachstum gibt. Es findet nur noch eine ständige Um- und Neuverteilung von Unternehmenskapital sowie von Privatvermögen statt. Der gesamtwirtschaftliche Mehrwert (Gewinn) wird immer geringer, trotz immer größerer Menge an Arbeitsleistung oder trotz steigender Arbeitsproduktivität.
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Wenn wir durch die Zeitdimension hin und her reisen, können wir weiter feststellen, dass das heutige Wirtschaftssystem, welches seit etwa 10.000 Jahren, seit der gewalttätigen Privatisierung von Grund & Boden (mit allem drauf und drin) sowie der Einführung der Sklaverei im wesentlichen unverändert besteht, alle paar Jahrzehnte vollständig kollabiert. Unzählige Menschen wurden dabei getötet oder verhungerten; das Leiden war gigantisch. Jeder nachfolgende Kollaps wurde schlimmer (vgl. die Kriege, die immer Wirtschaftskriege sind). Der nächste wird mit großem Abstand der schlimmste sein, denn die Fallhöhe war noch nie so groß wie heute. Das werden vorübergehend nur ziemlich wenige Menschen überleben.

Mein FAZIT: Dieses System ist durch und durch parasitär: Mensch ist Parasit anderen Menschen gegenüber sowie gegenüber der Natur und der gesamten Schöpfung. Es basiert auf dem Gedankenkrebs, welcher ansteckend ist und zu einer weltweiten Epidemie angewachsen ist. Es hat inzwischen das Denken von etwa 95% der Menschheit befallen und unter seine Kontrolle gebracht. Dieser Krebs tötet alles Leben und jedes Mitgefühl. Es zerstört den Boden, das Grundwasser, die Flüsse und Seen, die Ozeane, die Luft, das Klima, die Pflanzen und Tiere, die menschliche Gesundheit, die Kultur und Moral, den Frieden zwischen den Völkern, die Lebensgrundlagen der Menschen, und alles, einschließlich sich selbst. Sein Gott ist unbarmherzig und heißt: Kapitalrendite.

Mit dem heutigen Wirtschaftssystem, welches ein altes ist, kommt die Menschheit nach nirgendwo hin. Sie marschiert ihrem Untergang entgegen. Ihr habt die Wahl zwischen den möglichen Alternativen.

Mit Gruß, Beo2

*) Kapital'Ismus = Kapitalrendite'Ismus = "Kapitalrendite_ist_der_oberste_Sinn_&_Zweck_von_Wirtschaft_und_Arbeit"-Ideologie (.. von der Notwendigkeit des Primats & Diktats der Kapitalinteressen) . . . Ausdruck und Ergebnis einer kollektiven Geisteskrankheit (Soziopathie);
*) -ismus/-istisch = bezogen auf, orientiert am, bestimmt/beherrscht durch, dienlich/verpflichtet dem ...


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