Woher die aufs Vier- bis Fünffache gestiegenen Strahlenmeßwerte in Thailand? Natürliche und künstliche Radioaktivität vor Ort

Literaturhinweis, Freitag, 24.02.2017, 19:27 (vor 2614 Tagen) @ NST5342 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 28.02.2017, 18:44

Die ursprünglichen Meßwerte von 1,5 Mikro-Sievert/Stunde scheinen sich nach weiträumigeren Messungen zu bestätigen, wenn auch mit Schwankungen.

Hier ein paar Quellen zur Lage in Thailand:

- Terrestrial gamma radiation in Phuket Island, Thailand - durch den Zinnabbau gibt es dort vereinzelt Orte mit bis zu 250 Milli-Sievert/Jahr, weit über dem üblichen Durchschnitt in unbelasteten Gebieten. Dies hat mit den Abraumhalden der Zinnerzgewinnung zu tun.

- Thailand Country Status Report on Radiation Protection - Übersicht über den Stand des Strahlenschutzes in Thailand

Vereinzelt gibt es regionale 'Hotspots':

- A high natural radiation area in Khao-Than hot spring, Southern Thailand, weltweit z.B.:

"... beträgt die natürliche Strahlung im deutschen Schwarzwald-Kurort Menzenschwand 20 mSv pro Jahr. Die natürliche Strahlung in Kerala beträgt 80 mSv pro Jahr, jene im brasilianischen Espirito Santo 175 mSv und im iranischen Ramsar sogar 860 mSv." (win-swiss.ch: STRAHLUNG IST NATUR). Den nächsten Satz kann man allerdings nicht so einfach unterschreiben: "Sicher und gut verträglich ist eine Dosis von 250 mSv pro Jahr." - das sehen Teile der Strahlenschutzforschung anders.

Die Diskussion flammte neulich ja hier auf, das Thema ist aber zu komplex, um es ohne Studium von Grundlagenliteratur hier aufzufächern. Es ging ja auch eher darum, woher dieser 'Ausbruch' rühren könne.

Die Frage stellt sich jetzt, was sind die Ursachen der erhöhten Messwerte?

Siehe oben, es könnten durchaus auch Änderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung, Änderungen bei der Kraftwerksstruktur, Änderungen des Brennmaterials bei unveränderter Kraftwerksstruktur usw., sein. Auch Fracking kann zu höheren Dosiswerten in der Umgebung führen.

Das nächste Kernkraftwerk ist Luftlinie sicher 2000 km entfernt,

Auch wenn man es nicht sicher sagen kann, halte ich ein normales, nicht havariertes Kernkraftwerk für die unwahrscheinlichere Ursache, wobei allerdings alterungsbedingte Prozesse nicht linear ablaufen müssen, und es dann zu solchen Steigerungen kommen könnte - aber auf solche Entfernung?

Japan ca. 5000 Km.

Das ist allerdings so eine Sache mit Fukushima - es war zu erwarten, dass, von ggf. anfänglichen Spitzenwerten abgesehen, sich die dort ausgetretenen Radionuklide erst über Jahre auf anderen Kontinenten bemerkbar machen, und dann durchaus ganz unterschiedlich, je nach Windrichtungen, Niederschlägen u.v.a.m. Selbst in der näheren Umgebung von den havarierten Fukushima-Reaktoren sind die Belastungen extrem unterschiedlich.

Wenn ich keine alten Messungen über 1 Jahr in 2012 hätte, könnte man ja annehmen, das hat natürliche Ursachen. Das würde ich aber auch verwerfen.

Nun ja, siehe oben -NORM- oder "Naturally Occurring Radioactive Materials", natürliche radioaktive Nuklide gibt es überall auf der Welt. Bei Kohle- oder Erzförderungen, bei Gasförderung, bei Kohleverbrennung, bei der Änderung der landwirtschaftlichen Bodenbearbeitungsmethoden, je nach Baustoffen (Kalium-40) und aufgrund vieler anderer Faktoren unterscheiden sich Gegenden stark voneinander und auch Wohn- oder Bürohäuser, je nachdem, ob mit Bambus, Holz oder Stein gebaut (es gibt auch strahlende Quarzite, Kalium-40 ist auch in Kalksandsteinen oder Beton enthalten usw.), Geothermie führt ebenfalls zu Dosissteigerungen, sogar Rückstände aus der Trinkwasseraufbereitung können radioaktiv (-er als die Normalumgebung) sein. Die Radonbelastung ist in Kellerwohnungen/tiefgelegenen Schlafzimmern z.T. erheblich usw.

Siehe auch:

- Industrielle Rückstände (NORM)

Hochgerechnet auf das Jahr sind das ungefähr 13 mSievert/Jahr der Grenzwert für normale Personen ist bei 1 mSievert/Jahr und bei Flugpersonal sind es 20 mSievert/Jahr. Als ich in meinem alten Job war, dürfte ich mir auf Flugreisen ähnliche Werte eingefangen haben.

Das ist ja nur die mit dem Gamma-Scout meßbare Exposition! Für Deutschland sind 0,7 Millisievert (mit einem solchen Geräte meßbare) normaler Durchschnitt:

"Die äußere Strahlenexposition beträgt circa ein Drittel der gesamten natürlichen Strahlenbelastung - woraus eine Dosis von rund 0,7 Millisievert im Jahr resultiert. Sie beinhaltet etwa zur Hälfte die kosmische Strahlung."

(Bundesamt für Strahlenschutz: "Wie hoch ist die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland?")

Siehe auch:

- Dosisgrenzwerte im Strahlenschutz

"Der Grenzwert für die effektive Dosis zum Schutz von Einzelpersonen der Bevölkerung beträgt 1 Millisievert im Kalenderjahr (§46 Strahlenschutzverordnung)." - für zusätzliche künstliche Belastung. Da der gemessene Wert 2011/2012 bei ca. 3,5 - 4 Millisievert/Jahr lag, dürfte er nun, wenn erstmals künstliche Belastungen hinzugekommen wären, (in Deutschland) nur um dieses eine Millisievert gestiegen sein, er liegt aber um fast das Zehnfache des Grenzwertes höher - wäre in Deutschland Anlaß zum Handeln für das Bundesamt für Strahlenschutz, zumal das ja nur die äußere Strahlungsweinwirkung ist, die oben mit 0,7 Millisievert von insges. 4 Millisievert bei der natürlichen Strahlenbelastung in Deutschland angegeben war. Würde sich die äußere Zusatzbelastung analog der sonstigen Belastung verteilen, wären es u.U. mehr als 40 Millisievert/Jahr, die hinzugekommen wären, oder das Doppelte des für Flugpersonal zusätzlich zulässigen.

Siehe auch

- BfS: Grundsätze des Strahlenschutzes

- Wikipedia: Strahlenexposition

- Gabriele Hampel: Natürliche Strahlung (Abt. Kernchemie Universität Mainz - PDF, 68 Seiten/Folien, vgl. p. 18 Höhenstrahlung, p. 22 "Dosisleistung als Funktion der Höhe und geographischen Breite", p. 24: "Natürliche, primordiale Radionuklide außerhalb von Zerfallsreihen")

Speziell zu Thailand siehe auch:

- Samut Prakan radiation accident (falsch 'entsorgte' Kobalt-60-Strahlenquelle)

- Natural radionuclide concentrations in processed materials from thai mineral industries (Phosphorgips aus Düngemittelrückständen enthielt die 7.000-fache Radiumkonzentration wie die Phosphatfundstätte selbst)

Hier gibt es auch eine BACKGROUND RADIATION MAP OF THAILAND (leider ist die farbige Abbildung auf Seite 6 [=50] 'Fig. 2. Background Radiation Map of Thailand at 1:1,000,000' in schwarz-weiß wiedergegeben und daher unbrauchbar)

Wie die Lage in und um Nakhon Si Thammarat genau ist, kann ich so aus der Ferne ohne unverhältnismäßigen Aufwand allerdings nicht feststellen, auch nicht, ob dort z.B. andere industriell oder in der Forschung genutzte Strahlenquellen vorhanden sein könnten, die wie bei Samut Prakan zu einer lokalen Dosiserhöhung/Verseuchung führen hätten können.

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Fällt auch beim Geschlechtsverkehr nicht auf, vorausgesetzt Partner oder Partnerin haben entsprechende Vorlieben.

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