Wie viel Wirklichkeit erträgt ein Mensch?

Silke, Sonntag, 19.02.2017, 12:32 (vor 2614 Tagen) @ Ostfriese5442 Views
bearbeitet von Silke, Sonntag, 19.02.2017, 18:21

Lieber Ostfriese,

das ist eine sehr lesenswerte Antwort geworden.

deren Inhalte mir weitgehend bekannt sind.

Das ist mir bewusst.

„Je mehr Information es gibt, desto schwerer ist
die einzelne Information zu finden.“

Schlimmer noch.
Es ist wie in einem Lebewesen/einem Gehirn: "use it or loose it".
Werden nicht immer wieder bestimmte Denkweisen bewusst gemacht, gefestigt, weitergedacht, wie:
->Gescheiterte Urschuldbewältigung->gewalttätiges Zentralmachtsystem->Entartung des Menschen->Übernahme der Herrschaft durch die Symbolik
oder mit Baudrillard:
Imitation->Produktion->Simulation
dann "versinken wir in der Datenflut" wie ein Demenzkranker, der ratlos auf das Toilettenpapier und seine heruntergelassene Hose starrt.

Wenn nicht rechtzeitig der neuen Generation das im EWF/DGF und in all den wertvollen Publikationen niedergeschriebene Wissen nahegebracht werden kann (und dazu braucht es hochkompetenter Sender und Empfänger), werden die Spindoctors, VT'ler, Täuscher und Leugner uns zurück in den Sumpf der Tauschtheorie mit ihren tausenden Varianten führen.
Blinde werden wieder Taube führen. Lahme werden Stumme tragen.

Ich denke, dass bto
vornehmlich ein Blog für Anleger („Noch können wir uns mit der
Geldanlage darauf einstellen.“) und nicht als Plattform zur Ergründung
ökonomische Theorien gedacht ist – die Anzahl und die Inhalte der
entsprechenden Wortmeldungen zeigen es. Das ist ja auch in Ordnung.

Jedes Schaf in der Herde weiß instinktiv, "stehe ich näher der Mitte, wird der Wolf den Nachbarn reißen". Sie haben nicht gelernt, dass der so aufmerksame Hirte ihnen nicht dient...
Das Truthahn-Paradoxon kennen wahrscheinlich nur sehr wenige Truthähne.
Andererseits haben sowohl vor WWI als auch vor WWII sehr viele Menschen gewusst und geahnt, was kommen wird. Wir wissen es heute auch.

Zur Zukunft des Debitismus im Zeitalter der Simulation, hat
@Ashitaka
ja schon etwas gesagt:

„Der Debitismus wird darin eine Wendung nehmen, die heute, da der Wille
zum Potential des Menschen noch an Raum & Zeit gebunden ist, in seiner
Tragweite sehr schwer vorstellbar ist.“

Bezeichnend, dass dieser Faden im Dialog verendet ist.

Ich vermute, dass die Theorie als Teil größerer Zusammenhänge zu sehen
und zu interpretieren ist. Wir werden Beiträge im Forum über den
Debitismus lesen, in denen die Wörter ‚Verschuldung‘ und ‚Geld‘
gar nicht mehr vorkommen. Vor dem Hintergrund der Sätze:

„Die Welt ist eine radikale Illusion. Das ist ganz metaphysisch. Diese
Illusion ist natuerlich unertraeglich; wir koennen sie nicht ertragen. Und
um dieser Illusion zu entkommen, versuchen wir, um jeden Preis die Welt zu
realisieren, zu materialisieren und effektiv zu machen. Und das
bewerkstelligen wir durch die wissenschaftlichen Techniken, die alle dazu
dienen, der Illusion zu entkommen.“,

die
Baudrillard
(„der von den Fassungslosen verhasste“) in dem Interview mit
Eckhard Hammel formuliert, sind mir die Inhalte einer etwaigen Antwort auf
den Beitrag von Herrn Stöcker schon im Voraus bewusst. Die zwangsläufige
Zunahme von Wille und Macht im System wegen des Vorher-Nachher-Problems
führt zum Ende eines debitistischen Durchganges und seines anschließenden
Neustartes – und damit zur zyklischen Wiederholung.

Ich wundere mich manchmal selbst, wie mir das Wissen um den Debitismus und
die Beschäftigung mit dem Werk von Baudrillard eine große Ruhe und
Gelassenheit geben – in den Worten von
@Mercury
aus einem lesenswerten Faden: „Den eigenen Frieden mit der ganzen Chose
machen.“.

Ein Teil von mir kann dem Hamsterrad entsteigen, und den Wahnsinn als Zuschauer betrachten.

Dann nehme ich meine Enkel in den Arm und murmel vor mich hin...
"es ist noch nicht vorbei".

carpe diem...

...als wenn es dein letzter wäre.

Liebe Grüße
Silke

"Intelligenz ist, die Realität zu verändern, nicht sie niederzureißen und aus den Stücken zu rekonstruieren."
Baudrillard


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