Die Wolken sind weniger fest als sie scheinen.

heller, Mittwoch, 15.02.2017, 18:50 (vor 2616 Tagen) @ Elli6527 Views

Die Wolken sind weniger fest als sie scheinen.
Ein Flugzeug kann mit Leichtigkeit hindurchfliegen und wir selbst spüren so gut wie nichts wenn wir im Nebel, den Wolken am Boden, umhergehen.
Zwischen den winzigen Wassertröpfchen ist klare Luft, von der gleichen Qualität wie am blauen Himmel.
Ähnlich ist es mit den Gedanken und Gefühlen - wenn wir genau hinschauen, sind auch in schweren Zeiten zwischen den Gedanken Lücken, und neben den trübsinnigen Gedanken sind zumindest die neutralen Gedanken an den Inhalt des Kühlschranks, an die Drehrichtung des Wasserhahns, eine Verabredung am Telefon etc.
Und sogar die positiven Gedanken erscheinen wie gewohnt in willkürlicher, unplanbarer Abfolge - auch wenn wir sie dann gerne entweder schnell wegdrücken/ abschneiden, weil sie gerade nicht in unser Konzept der Leidenszeit passen. Schnell wenden wir uns wieder den schwierigen Gedanken zu und dehnen sie um wiederkehrende Gedankenkreise.
Zurückblickend auf den Tag unterschlagen wir die positiven Momente dann komplett und das Schwere erscheint kontinuierlich wie eine Eisenkette.

Es geht nicht um das dämliche "Think positive!"
Es geht darum, sowohl die negativen, unangenehmen als auch die verheißungvollen, angehmen Gedankenimpulse zu "durchschauen": sie sind da wie Wolken, aber wenn sie uns um die Ohren fliegen, sind sie gar nicht so fest und überwältigend. Weder die einen noch die anderen sind es wert, mit Gedankenketten über Vergangenheit und Zukunft größer und mächtiger ausgeschmückt zu werden.

Ich habe bei beiden meiner Eltern miterlebt, mit welcher Würde sie ihre letzten Jahre durchgestanden haben, und wie sicher sie sich 10 Jahre vorher waren, dass sie solch ein "unwürdiges Dahinsiechen" keinesfalls ertragen könnten.

Beide haben - soweit ich das von außen beurteilen kann - sich noch deutlich weiterentwickelt, und das auch selbt immer wieder erkannt. Vielleicht hat sie das getragen.

Ich wünsche Dir, dass Du trotz des kranken Körpers immer wieder das - wenn auch kurze - Gefühl des Zuhauseseins im Moment erleben kannst. Denn so viele mit einem gesunden Körper erleben das vielleicht noch seltener als Du, da sie sich darüber gar keine Gedanken machen.


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