so einfach ist es nicht

Weiner, Dienstag, 14.02.2017, 11:46 (vor 2619 Tagen) @ Revoluzzer5901 Views

Hallo Revo!

Trump darf weiter die Rampensau für das unzufriedene
Wahlpack spielen, aber wirkliche Veränderungen sind nicht mehr zu
erwarten.

Das hatte ich bereits in diese Richtung ausgedrückt, aber nicht ganz so grob. Mein Vergleich war: die Bosse holen sich einen neuen Vormann für die Cowboys (besser: für die Sheperds), der zugleich die aktuellen Emotionen und Bedürfnisse der Schafe scheinbar besser bedienen kann (bedienen im Sinne von Illusionieren und Polarisieren).

Das Komplexe an der Sache ist, dass Trump nicht der Hero ist, der gegen den pöhsen 'tiefen Staat' kämpft, sondern er ist ein Teil des 'deep state'. Was wir eigentlich sehen, ist eine Spaltung des 'tiefen Staates'. Der kommt mit den Problemen in den USA und in der Welt nicht mehr auf die gewohnte Weise zurecht. Jetzt gibt es 'da unten' Rangeleien um die Strategie und um die Macht. Die Sache mit Flynn hat sich bereits angedeutet, als man seinen Vertretern den Zugang zum NSC verwehrte (siehe etwa die Notiz bei voltaire.net).

Es gibt eine gute Analyse zu dieser Thematik von Nafeez Ahmed (ein investigativer und sorgfältiger Top-Journalist), die leider etwas umfangreich geraten ist.

https://medium.com/insurge-intelligence/how-the-trump-regime-was-manufactured-by-a-war-...

Ich wollte gerne eine Zusammenfassung schreiben, aber schaffe das zeitlich nicht. Deswegen nur ein paar Stichworte. Zunächst schaut sich Ahmed die Personen im Umfeld von Trump an (TransitionTeam und neue Ämterbesetzungen): er buchstabiert die Liste der Milliardäre durch sowie die Kontakte in das schwarze Establishment (Koch-Brüder etc.). Dann zieht er die Linien ins Öl-Business, das oberste Priorität hat (siehe unten), sodann die Linien zu den Diensten und ins Militär bzw. in den MI-Komplex (hier vor allem die neuen Militäry Services Enterprises). Diese Spinnennetz besteht aus Personen, Netzwerken, Wahlkampfspendern, Firmenverflechtungen.

Als Nächstes schaut sich Ahmed die Ideologie dieser Leute an und verortet sie in Richtung Neo-Nazis, KKK, alt right etc. - in jedem Fall ein sehr dunkles Gebräu, das er von den Hintergrundkräften im demokratischen Lager abgrenzt. Er erkennt somit eine Spaltung in der Oligarchie und in deren ausführenden Organen innerhalb des 'deep state'. Für mich neu waren/sind die Kontakte von Trump zu Kissinger, die es offensichtlich doch gibt (na ja, war nicht anders zu erwarten). Desgleichen der Kontakt zum Murdoch-Lager. Auf die alten Kontakte der Trumps (Baumafia, Roy Cohn) geht Ahmed nicht ein. Auch die jüdischen Kontakte spart er merkwürdigerweise aus.

Ahmed schildert sodann die eigentliche Problemlage, nämlich das ausbleibende Wachstum und die unklare Lage im Bereich der Energie (EROI, peak-oil, riesige Verschuldungen der Erdölindustrie). Die internationalen Verwerfungen streift er nur ganz kurz (Aufstieg China, entsetzliche Situation in den Entwicklungsländern, Ansätze zu neuen Machtblöcken wie die BRICs etc.), wiederum bei Israel hat er einen blinden Fleck. Ahmed stellt dann fest, dass Trump kein wirkliches Konzept hat, um die Herausforderungen national und international zu lösen. Das demokratische Lager habe aber genausowenig ein Vision, und so sei davon auszugehen, dass die Reibungen und Polarisationen fortschreiten und die Konflikte, zuletzt gewalttätig, zunehmen werden.

M.E. handelt es sich um einen sehr informativen Artikel, und ich denke, dass ich ihn somit weiterempfehlen kann. Wie gesagt: man braucht etwas Zeit für die Lektüre.

Grüsse, Weiner


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