"Technische und systematische Sichtweisen"

Silke, Sonntag, 12.02.2017, 20:51 (vor 2619 Tagen) @ Mephistopheles5302 Views
bearbeitet von Silke, Sonntag, 12.02.2017, 21:49

Lieber Meph,

Viele richtige Gedanken von dir zum Golde. Dann hakt es aber wieder.
Die Reflationierungsversuche per Anleihekauf schenken dem System Zeit auf Kosten von Vertrauen=Stabilität.

Die Idee ist nicht gerade neu:
"Theoretisch geht - wie oft genug gesagt - eben alles. Und jedermann kann als Notenbank jede wie auch immer gewünschte Inflation fabrizieren. Und zwar dadurch, dass Staatstitel (fremde und eigene) in die Aktivseite genommen werden, am besten direkt von den Staaten selbst reingenommen, das erspart den mühsamen (und heute noch beschrittenen) Weg über den"Kapitalmarkt"."
@dottore
http://www.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=44075

Wir leben im Debitismus


Eben nicht. Wir leben im Postdebitismus, seitdem Zentralbanken Anlagen zum
Nennwert aufkaufen und ihre Bilanzen damit verlängern.


Schau dir noch einmal den Disput der Kollegen @A. und @P. an
z.B. ab hier:
"Dort (http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=334150) hatte ich dir detailliert erklärt, weshalb ein Überwinden der Fristigkeit (Zentralbank kauft einfach mal an) zum System Error führt.
Mein dortiges Fazit: "Die Zentralbanken können die Laufzeit des Systems durch kontrollierte und nur langsam merkliche Bilanzausweitungen verlängern, aber nicht durch Bilanzausweitungen eine Lösung anbieten, die Fristigkeiten und befristete geldpolitische Instrumente überflüssig machen."
@Ashitaka
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=353887

Warum denn nicht?
Guckst du weiter:

unbefristete Zentralbankliquidität
Ein Aspekt, den Du unterschlägst, ist die Tatsache, dass Zentralbanken
Geld ja nicht nur befristet zur Verfügung stellen.

"Ja, technisch geht dies einwandfrei. Systemisch kann es sich keine Zentralbank erlauben, eine Geldpolitik durch unbefristete Bilanzausweitungen zu betreiben. Warum? Weil durch den Ankauf das Wesen des Schuldgeldsystems und damit jegliche Voraussetzung für das Entstehen von Werten (den Paritäten) gefährdet wird. Das für die Bewertung benötigte Geld ist nichts einseitiges. Kauft die ZB immer zu per Bilanzausweitung, schafft sie keine Werte, sondern sie vernichtet diese. Den zusätzlichen Geldsummen, die ihren Weg durch Bilanzausweitung ins System finden, stehen keine Schulden gegenüber, d.h. die Zentralbank nimmt nicht Kredit auf, um den Ankauf zu tätigen, sondern sie schüttelt einfach das Geld aus dem Ärmel.
(<-meintest du vielleicht diesen Passus, Meph?)
Jetzt verfallen die meisten Menschen dem Glauben, dass dies ungehindert funktionieren könnte, ohne sich die Frage beantworten zu können, weshalb z.B. 1 Tonne Gold überhaupt 37,8 Milliarden US-Dollar wert ist. Das hat technisch etwas mit Handel zu tun, nur ist systemisch gesehen kein Handel möglich, wenn es nicht vorher und andauernd zu Ver- und Entschuldungsprozessen (Krediten) der Handelnden kommt (Vor- und Nachfinanzierung). Eine Refinanzierung steht IMMER nach den Finanzierungen. Ungeachtet dessen, dass insgesamt nur eine Aufschuldung funktioniert, muss dieses ständige auftauchen und Verschwinden von Schuldverhältnissen berücksichtigt werden. Ohne diese Termine hätte das heutige Geld (im Gegensatz zu anfänglichen Abgaben heute nicht mehr körperlich) KEINEN WERT! Werte kann die ZB nicht per Bilanzausweitung verteidigen. Nichts führt an den wertursächlichen Verschuldungsketten und Kreditnachfragen der Nichtbanken vorbei."
@Ashitaka
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=334150

Das heutige System ist eben nicht mehr das System von ehemals, als Gestern
noch Heute war.

Doch. Es ist genau das gleiche seit mindestens Mesopotamien:
Wir finden uns in, mit Vorfinanzierungsproblemen unlösbar belasteten und zu ihrer Besicherung Abgaben erzwingenden, Zentralmachtsystemen, in denen Machtkreisläufe installiert wurden mit Redistribution sowie Be- und Entmächtigungen (eigentumsökonomische Spielräume), die durch exponentielles Nachschuldnerzwingen systemisch aufschulden, weil systembedingt nicht ausreichend entschuldet werden kann.
-> deshalb Aufschuldung in allen Bereichen (öffentlich, privat, religiös und sogar urschuldnerisch bei heute bereits 7,5 Mrd. Menschen, die die Biosphäre erdrücken und die Ressourcen vernichten).

Wir sind heute nur fortgeschrittener in der Zeit und damit in der globalen Aufschuldung.
Können unsere Urschulden nicht mehr bedienbar gehalten werden, geht die Menschheit global unter. Noch ein paar Fukushima's oder andere Komplexitätsabbrüche=Simplifizierungen und auch im tiefsten Urwald und in der letzten Ecke der Taiga wird kein Mensch mehr über Generationen gesund überleben können.

Dieser
kleine fulminante Unterschied
scheint dir entgangen zu sein.

"Systemisch kann sie (EZB) nichts gegen die Deflation, gegen die sinkenden Kreditnachfragen und den dadurch fehlenden Besicherungen machen. Sie kann nur so tun als ob, indem sie ihre Bilanz verlängert, die Instrumente neu ausgestaltet oder die Standards weiter senkt."
@Ashitaka
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=334150

Liebe Grüße
Silke


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