"public purchase" der EZB haben nichts mit den Target2-Salden zu tun.

Beo2, NRW Witten, Mittwoch, 01.02.2017, 20:22 (vor 2575 Tagen) @ Fidel1503 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 01.02.2017, 20:31

die public purchase Programme der EZB wachsen still und wirksam vor sich hin. Neuere Daten sind verfügbar (aktuell 1319.94 Mrd.€), nachfolgender link ist kostenfrei:
http://www.querschuesse.de/ezb-public-purchase-programme-bei-1001947-mrd-euro/
Ich möchte die Entwicklung mit den target2-Salden zusammen bringen:
http://www.querschuesse.de/deutschland-buba-target2-forderung-auf-allzeithoch/
... denn die target2-Ungleichgewichte wachsen parallel mit den Kaufprogrammen.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Target2-Salden sind ZAHLUNGsbilanz-Salden der einzelnen Euroländer gegenüber dem jeweiligen Rest .. d.h. Bilanzen bereits tatsächlich erfolgter Geldflüsse/Zahlungen. Das hat nichts mit irgendwelchen Ein-/Käufen der EZB, von was auch immer, zu tun. Die EZB i.e.S. kauft auch gar nichts, denn es kaufen immer nur die nationalen Mitglieder-Notenbanken der Eurozone, nämlich auf Anweisung des Direktoriums der EZB hin - siehe weiter unten ....

Gut, so weit bekannt. Meine Überlegung ist als Frage gedacht.
Durch die Kaufprogramme hält die EZB vollstreckbare Kredittitel gegen nationale Konzerne. Im Falle eines Marktversagens sind Aktionäre zweitrangig?

Wenn die EZB "vollstreckbare Kredittitel gegen ..." halten sollte, dann wäre sie Kreditgeber bzw. Gläubiger jener Konzerne. Aktionäre sind jedoch keine Kreditgeber, sondern Gesellschafter bzw. Anteilseigner von Unternehmen. Im Falle einer Insolvenz und/oder Liquidation eines beliebigen Unternehmens geht die Befriedigung der Gläubiger (auch der Lieferanten) grundsätzlich vor .. die Gesellschafter kommen als letzte dran (gemäß ihren Anteilen), falls noch etwas zum Verteilen übrig bleibt.

Wenn die Tage des Euro begrenzt und die target2-Forderungen nicht einbringbar sind, ...

Da ist nichts "einzubringen": Target2-Salden sind Netto-Bilanzsummen über bereits tatsächlich erfolgte Geldflüsse/Zahlungen zwischen Banken und Nichtbanken in den Euroländern, für was auch immer. Mit anderen Worten: Nach DE ist mehr Geld hergeflossen als hinausgegangen. Das ist ja auch ganz logisch, wo DE Exportweltmeister sei soll. Nichts anderes besagt das Target2-Saldo. Für DE ist es also, vordergründig betrachtet, ein Grund zum Jubeln.
Die überschüssig importierenden Volkswirtschaften der Eurozone müssen dafür mit unverhältnismäßig steigender Verschuldung des Staates und der Privaten gegenüber ihren Hausbanken und ihrer Notenbank bezahlen .. sonst ginge es gar nicht.

... kann die EZB die Kreditpapiere an die nationalen Notenbanken aushändigen, um damit eine neue nationale Währung zu besichern?

Die EZB kann keine "Kreditpapiere ... aushändigen", da sich bereits ausnahmslos alle (!) "Kreditpapiere der EZB" in den Safes und Bilanzen der nationalen ZBanken befinden, und zwar vom Anfang an. Begründung:

Die EZB i.e.S. ist nur ein Gremium von Leuten, welches den nationalen Notenbanken der Eurozone vorsteht. Mitglieder dieses Gremiums (Direktoriums der EZB) sind die Chefs der nationalen ZBanken (also auch der BuBa); der Vorsitzende dieses Direktoriums ist z.Z. Mario Graghi:
https://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Zentralbank#Organe

Die EZB ist keine (übergeordnete) Bank, sondern ein Verbund gleichberechtigter Notenbanken. Deren jeweils nationale Geldpolitik wird durch das Direktorium der EZB weisungsgebunden aufeinander abgestimmt. Die nationalen ZBanken sind die Geschäftsstellen der EZB. Es gibt keine anderen.
Dies wurde hier schon ein paar Mal alles erklärt, so z.B. in diesen und angrenzenden Beiträgen:
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=423362
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=413688
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=426938
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=426997
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=427059

Ist die Repatriierung der z.B. spanischen Staatsanleihen (vgl. H.W.Sinn) durch unbegrenzte Kreditierung durch die dt. Notenbank schon Entflechtung?

Das Direktorium der EZB kann (durch Mehrheitsbeschluss) also die Bundesbank anweisen, mehr deutsche Staatsanleihen, oder etwas anderes, anzukaufen, und zwar in beliebiger Höhe. Es kann natürlich auch die spanische Notenbank anweisen, spanische Staatsanleihen zu kaufen usw. usf.. Jede nationale Notenbank kann nur im Inland einkaufen gehen .. nämlich i.d.R. bei oder vermittels der inländischen Geschäftsbanken. Dies sind ihre praktisch ausschließlichen Geschäftspartner (evtl. neben dem Staat). Eine nationale ZBank geht grundsätzlich nicht im Ausland einkaufen, denn ihr direkter Geschäftspartner muss ein ZB-Konto bei ihr haben, auf dem der Kaufpreis, für was auch immer, gezahlt wird. Alle Einkäufe einer Notenbank dienen immer der inländischen Geld- und Devisenpolitik (inkl. Regulierung der Wechselkurse der eigenen Währung); das ist ihre gesetzliche Aufgabe, anstatt irgendwelches Vermögen (Aktiva) anzuhäufen.

Auf dem Umweg über die public purchase Programme stützt die EZB die Konjunktur, es findet eine Teilverstaatlichung durch die Hintertür statt.

Es gibt vom Anbeginn an unter dem Strich keinerlei "Konjunktur in der Eurozone". Also kann die EZB auch keine "stützen" oder gestützt haben. Sie hat durch Politik des billigen Geldes bestenfalls eine flächendeckende Rezession in der Eurozone verhindert oder vorläufig hinausgezögert. Denn etwaige Konjunktur des einen Mitglieds der Eurozone (etwa durch Exportüberschüsse), z.B. von DE, war bisher und ist weiterhin die Rezession (Importüberschuss) eines anderen Mitglieds, so z.B. in Spanien, Italien, Griechenland etc.. Es ist fast ein Nullsummenspiel. Die Eurozone stagniert im Mittel seit ihrer Gründung.

Danke für Einschätzungen.

Gern geschehen.

Mit Gruß, Beo2


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