da ist schon was dran, aber ..

nereus, Mittwoch, 18.01.2017, 10:13 (vor 2735 Tagen) @ Olivia2943 Views

Hallo Olivia!

Du hast schon irgendwo recht mit Deiner Kritik aber ganz richtig liegst Du bei der AfD nicht.
Ich war allerdings entsetzt, was Frauke Petry gestern dazu sagte, OHNE dabei zu erwähnen, wie deren Steuermodell in sich rund wird.
Aber möglicherweise ist das bei einer solchen Quasselrunde auch schwer möglich, weil jeder um seine Position ringt. Doch wahltaktisch war das ein schwerer Fehler!

Hier mal ein Auszug aus dem AfD-Programm.

11 FINANZEN UND STEUERN

Wir wollen Deutschland reformieren. Das geht nicht ohne eine drastische Reform des Steuerrechts. Wir werden nicht aufgeben, für ein einfacheres und gerechteres Steuersystem einzutreten, das mit niedrigen Steuern vor allem Mittel‐ und Geringverdiener finanziell entlastet.

11.1 GERECHTE STEUERN DURCH AFD‐STUFENTARIF

Wir wollen einen neuen Einkommensteuertarif mit wenigen Stufen und einen deutlich höheren Grundfreibetrag.

Wem kommt denn eine solche Erhöhung zu Gute?
Den Milliardären?

Der Grundfreibetrag soll an das pfändungsfreie Einkommen angepasst werden. Der geltende Steuertarif führt zu einer ungerechten Belastung vor allem der Mittelschicht als Leistungsträger der Gesellschaft und zu versteckten Steuererhöhungen durch die sogenannte kalte Progression.
Die kalte Progression wollen wir durch Indexierung des Stufentarifs beseitigen.
Die Indexierung erfasst den Grundfreibetrag, die Steuerstufen und die abzugsfähigen Pauschalen, um schleichende Steuererhöhungen zu vermeiden.

Auch das wäre mehr Steuergerechtigkeit.
Aber jetzt kömmt’s.

Die AfD strebt eine rechtsformneutrale Besteuerung an.
Damit entfallen rein steuerliche Motive für komplexe gesellschaftsrechtliche Strukturen mit zusätzlichem Arbeitsaufwand bei Unternehmen und Behörden. Gewinne aus unternehmerischen Tätigkeiten bei den Gesellschaftern und Einzelunternehmern sollen rechtsformunabhängig über alle Ebenen einer identischen Ertragsteuerbelastung unterliegen.

Weg mit den ganzen Extrawürsten und Steuerschlupflöchern, die da ja in Wirklichkeit das ECHTE Problem der Steuerungerechtigkeit repräsentieren.
Ja, und ein paar Steuerberater würden dann arbeitslos.
Und die Gegner hängen sich am Kilometergeld auf, welches dann verloren ginge, wohin gegen die gigantischen Abschreibungsmodelle der Superreichen völlig ausgeblendet werden, die wiederum Fehlinvestitionen begünstigen und den Braten wirklich richtig fett machen.

Ob das alles realisierbar wäre, lasse ich mal dahin gestellt, aber die Idee ist erst einmal sehr diskutabel.
Der ganze Disput erinnert an die ungerechte Währungsumstellung mit der DDR, wo den Ossis so viel geschenkt wurde, aber das Gesundstoßen der Mega-Banken und Industrie an den alten DDR-Schulden in ganz anderen Dimensionen völlig außen vor blieb.

Wie sagte Professor Sinn einmal sinngemäß:
Über die Kita-Kosten wird monatelang palavert, aber über die wirklichen Kosten der Rettung Europas verliert man kein Wort.

mfG
nereus


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