- Griechenland raus aus dem Euro: Welch ein Quark - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 10:23
- Gute Gedankenführung. Aber Frage - Gaby, 04.03.2010, 10:30
- Alles richtig, aber... - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 10:50
- Antwort zu Deiner Pfandbrieffrage - paranoia, 04.03.2010, 11:46
- PS: Hab neulich übrigens gestaunt - Gaby, 04.03.2010, 10:37
- In Spanien hat die Preisauszeichnung zusätzlich in Peseten nie aufgehört (wird aber weniger). (oT) - Elli, 04.03.2010, 11:28
- Schöne ausformulierte Analyse, danke. - paranoia, 04.03.2010, 11:23
- Sind wir uns da wirklich uneinig? - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 11:40
- Neues Geld, neues Glück, und der debitistische Kreislauf startet wieder - paranoia, 04.03.2010, 12:09
- Wurscht! - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 13:54
- Neues Geld, neues Glück, und der debitistische Kreislauf startet wieder - paranoia, 04.03.2010, 12:09
- Sind wir uns da wirklich uneinig? - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 11:40
- @Mieses von Ludwig - Ashitaka, 04.03.2010, 11:57
- Mach ich, aber vielleicht erst nächste Woche. - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 12:11
- Ich habe einen neuen Thread hierzu eröffnet - Mieses von Ludwig, 16.03.2010, 16:50
- OT: Germany vs. Greece - baisse-man, 04.03.2010, 12:07
- Wie herrlich ist das denn! Und Zara: Dritte gelbe Karte für Nietzsche :-) - Gaby, 04.03.2010, 13:16
- Meine Lieblingsstelle - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 13:21
- War es auch, oder? (oT) - Gaby, 04.03.2010, 13:24
- Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 13:31
- War es auch, oder? (oT) - Gaby, 04.03.2010, 13:24
- Drei gelbe hab' ich glaub' auch schon, und eine rote obendrauf - Zarathustra, 04.03.2010, 14:14
- Meine Lieblingsstelle - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 13:21
- Wie herrlich ist das denn! Und Zara: Dritte gelbe Karte für Nietzsche :-) - Gaby, 04.03.2010, 13:16
- Entwicklung der Währungskurse.... - Bambus, 04.03.2010, 12:26
- Darum geht es doch gar nicht - Mieses von Ludwig, 04.03.2010, 13:14
- "Deutsche Unternehmer verlieren Vertrauen in Euro" - Gaby, 04.03.2010, 13:43
- "Der Euro wird kommen, aber er wird nicht bleiben." Alan Greenspan 1998 - 007, 04.03.2010, 14:05
- Ja ja, Ludwig - goldolymp, 04.03.2010, 16:27
- Gute Gedankenführung. Aber Frage - Gaby, 04.03.2010, 10:30
Griechenland raus aus dem Euro: Welch ein Quark
Hallo zusammen,
in den letzten Monaten kommen immer wieder Vorschläge, dass Griechenland (und später evtl. auch andere PIGS) den Euro verlassen könnten oder "rausgeschmissen" werden sollten. So jüngst wieder von Prof. H.W. Unsinn.
Dabei wird aber jedesmal die entscheidende Frage, was unter einem solchen Austritt / Rausschmiss denn eigentlich zu verstehen sein soll, überhaupt nicht gestellt. Dabei wäre mit der Beantwortung dieser Frage bereits alles geklärt, wie wir im Folgenden sehen werden. Aber das ist für unsere Zeit wohl zu einfach, zu unpolitisch, oder zu politisch unkorrekt...
Also, der Ausgangszustand ist:
1. Griechenland hat den Euro als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel
2. Griechenland hat auf Euro lautende Staatsanleihen gegen Euro verkauft
3. weder der griechische Staat noch eine griechische Institution ist dazu befugt, eine Entscheidung zum "Drucken" von Euros zu fällen, das ist allein Sache der EZB.
Der ganze Witz ist nun der: Für alle drei genannten Punkte wird eine "Mitgliedschaft" in einer "Währungsunion" an sich überhaupt nicht benötigt. Griechenland hätte auch den US-Dollar, den Yen, Silber oder den südafrikanischen Rand zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären können. Wer hätte Griechenland daran hindern können, und vor allen Dingen: Wieso hätte irgendjemand das tun sollen? Beipiele für ein solches Vorgehen gibt es zur Genüge; starke Währungen wie der US-Dollar oder die D-Mark wurden immer wieder auch außerhalb ihrer Heimatländer zum GZ erklärt, meist als Reaktion darauf, dass ein Land seine eigene Währung ruiniert hatte. Für das Heimatland der Währung ergibt sich hieraus der positive Effekt einer Zusatznachfrage nach dieser Währung, was ein Inflationieren ohne resultierenden Kaufkraftverlust erlaubt.
Das Problem für Griechenland wäre allerdings vermutlich gewesen, im Tausch gegen auf Euro lautende Staatsanleihen am Kapitalmarkt Euros aufzunehmen. Die Anleger hätten dem griechischen Staat nicht das Vertrauen entgegen gebracht, um ein derartiges Defizit zu finanzieren, und der griechische Staat wäre schon sehr viel früher gezwungen gewesen, Einschnitte vorzunehmen. Durch die offizielle Zugehörigkeit zur Eurozone erhielt das Land jedoch einen Vertrauensbonus, aufgrund dessen die Defizitfinanzierung länger möglich war und Einschnitte vermieden werden konnten - bis jetzt.
Nun sind die durch den genannten Vertrauensbonus möglich gewordenen zusätzlichen griechischen Euro-Staatsanleihen aber nun einmal da. Würde man Griechenland jetzt die offizielle Zugehörigkeit zur Eurozone entziehen (was ein eher formaler Akt wäre; praktisch wäre der einzige Unterschied, dass man den griechischen Sitz im EZB-Rat entfernt), könnte das Land trotzdem weiter den Euro als GZ verwenden. Mit der Finanzierung des Defizits wäre allerdings wohl Schluss; also müsste
- ein superdrastischer Sparkurs gefahren werden
oder
- der Staatsbankrott erklärt werden, indem vorhandene Anleihen einfach nicht mehr zurückgezahlt werden oder
- eine "Währungsreform" durchgeführt werden, wobei die Käufer der Staatsanleihen dann natürlich nicht mehr in Euro, sondern in der "neuen Drachme" oder sowas ausbezahlt werden. In Wahrheit handelt es sich dabei aber natürlich nur um einen Euphemismus für "Staatsbankrott", denn der von der Regierung festgelegte Umrechnungskurs Euro/Drachme würde sicherlich dazu führen, dass die Gläubiger in anhand des Marktpreises bewerteten Euro gerechnet massive Verluste erleiden würden.
Mit der Finanzierung des Defizits ist allerdings sowieso Schluss - auch ohne den formalen Akt des Entzugs der Eurozonen-Mitgliedschaft. Ein "weiter so" ist in jedem Fall nur mit Unterstützung der starken Euroländer möglich.
Also: Die Geschichte mit dem Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone ist absoluter Quatsch.
Anders sieht es allerdings mit einem Ausstieg starker Länder wie Deutschland, Österreich, Niederlande, Luxemburg aus.
Angenommen, Deutschland würde wieder ein eigenes GZ einführen, die "Neumark". Die Neumark würde zum alleinigen Steuerzahlungsmittel, alle Guthaben und Schulden blieben in Euro bestehen. Gehälter wären allerdings in Neumark zu bezahlen. Man hätte also zunächst zwei parallele Währungen im Land.
Was würde nun passieren? Kurz: Der Euro würde mit dem Austritt Deutschlands gegen die Neumark total abstürzen, während die ganze Welt die Neumark nachfragen würde. Die nominal gleich bleibenden Deutschen Euro-Staatsschulden würden real auf einen Bruchteil reduziert, ebenso alle anderen Euro-Schuldner in Deutschland. Gekniffen wären natürlich sämtliche Eurobesitzer und -Gläubiger. Das kommt aber sowieso irgendwann. Noch besteht für Deutschland die Chance, aus dem ganzen Schlamassel halbwegs gut rauszukommen. Die Alternative ist, sich als Kapitän des Eurodampfers zu sehen und mit ihm unterzugehen.
Noch einmal Fazit: Starke Partner können aus einer Währungsgemeinschaft austreten, schwache Partner können weder austreten noch rausgeworfen werden. Für die schwachen Partner gibt es ausschließlich die Möglichkeiten "brutaler Sparkurs" und "Staatsbankrott".
Gruß
Ludwig
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